Ratgeber Mobile Device Management

Den mobilen Flohzirkus hüten

Bernd Reder ist freier Journalist mit den Schwerpunkten Netzwerke, IT und Telekommunikation in München.
Immer mehr Anwender wollen mit Smartphone oder Tablet auf das Firmennetz zugreifen. MDM-Lösungen helfen der IT-Abteilung bei der Verwaltung.
Die Zahl der Mitarbeiter mit mobilen Endgeräten steigt kontinuierlich an.
Die Zahl der Mitarbeiter mit mobilen Endgeräten steigt kontinuierlich an.
Foto: Citrix

Laut einer Befragung von 300 CIOs europäischer Unternehmen, welche die Marktforschungsgesellschaft Vanson Bourne im Auftrag der IT-Firma Riverbed durchführte, arbeitet rund ein Drittel der Beschäftigten (32 Prozent) zumindest teilweise von unterwegs aus. Die Markforschungsgesellschaft IDC geht davon aus, dass im Jahr 2013 rund 130 Millionen der insgesamt rund 213 Millionen Beschäftigen in Westeuropa zur Kategorie der "Mobile Worker" zählen - also mehr als 60 Prozent.

Dies führt dazu, dass sich der Bestand an IT-Endgeräten in Unternehmen und Behörden ändert. Zu den traditionellen Desktop-Systemen kommen mobile Geräte hinzu, etwa Smartphones, Notebooks und künftig auch Tablet-Rechner wie das iPad. Dies führt dazu, dass die IT-Abteilung mehr Systeme pro Mitarbeiter und eine größere Zahl unterschiedlicher Gerätetypen unterstützen muss.

Mit Trends wie BYOD steigen die Anforderungen in Bezug auf die Verwaltung mobiler Endgeräte
Mit Trends wie BYOD steigen die Anforderungen in Bezug auf die Verwaltung mobiler Endgeräte
Foto: Forrester

Damit nicht genug: Gut 51 Prozent aller Unternehmen erlauben ihren Mitarbeitern, eigene Mobilgeräte wie Notebooks und Smartphones für berufliche Zwecke zu nutzen, und das ohne jede Beschränkung, etwa auf Modelle bestimmter Hersteller. Das ergab eine Untersuchung der Beratungsfirma Aberdeen Research, die Unternehmen in Amerika und Europa befragte. Weitere 25 Prozent erlauben den Einsatz privater mobiler Geräte unter Auflagen. Das heißt für IT-Abteilungen, dass sie Lösungen benötigen, mit denen sich alle mobilen Geräte verwalten lassen, die im Unternehmen im Einsatz sind.

Unübersichtlicher Markt an Anbietern und Produkten

Das Angebot an Lösungen für die Verwaltung mobiler Geräte, Stichwort "Mobile Device Management" (MDM), ist reichhaltig, um nicht zu sagen unübersichtlich. Gartner zählt rund 25 Firmen zum engeren Kreis der MDM-Anbieter. Weitere 25 Unternehmen haben Produkte im Portfolio, die zumindest teilweise ein Mobile Device Management erlauben, die Gartner jedoch nicht zu den klassischen Anbietern von MDM-Software zählt. Dazu gehören unter anderem BMC, CA, HP, IBM, Microsoft und Juniper Networks, mit Ausnahme von Juniper führende Anbieter von Systemmanagement-Software.

Einer Forrester-Studie zufolge war Blackberry-OS 2010 noch immer noch die am meisten von IT-Abteilungen unterstützte Plattform.
Einer Forrester-Studie zufolge war Blackberry-OS 2010 noch immer noch die am meisten von IT-Abteilungen unterstützte Plattform.
Foto: Forrester

Welche Betriebssysteme eine MDM-Software unterstützen muss, hängt davon ab, welche Vorgaben das Unternehmen macht. Am einfachsten ist es, wenn Anwender nur ein System einsetzen dürfen, etwa "Blackberry"-Smartphones. Der Vorteil dieses rigiden Ansatzes, speziell beim Blackberry: Es handelt sich um eine erprobte und sichere Mobillösung, auch wenn es in jüngster Zeit Probleme mit der Verfügbarkeit der Services gab. RIM bietet mit dem Blackberry Enterprise Server eine Management-Plattform an, die de facto kaum Wünsche offen lässt. Das Problem: Blackberry-Smartphone sind in Unternehmen auf dem Rückzug. Dort kommen verstärkt Android-Geräte und iPhones zum Zuge, künftig vermutlich auch Windows Phones.

Smartphones und Tablets oft nur unzureichend geschützt

Wie wichtig das Management mobiler Geräte unter dem Aspekt Sicherheit ist, belegt die Studie "Netz- und Informationssicherheit in Unternehmen 2011" des Verbundprojekts "Sichere E-Geschäftsprozesse in KMU und Handwerk" des Bundeswirtschaftsministeriums und des Netzwerks Elektronischer Geschäftsverkehr (NEG) (PDF). So gaben 6,1 Prozent der befragten Firmen an, dass mindestens in einem Fall im vergangenen Jahr ein Smartphone, Tablet-Rechner oder Notebook mit Unternehmensinformationen an Bord abhanden kam.

Dennoch verzichten 19,2 Prozent der Unternehmen darauf, solche Systeme durch Passwörter oder PINs zu schützen. Rund 49 Prozent verschlüsseln Daten auf den Geräten, zumindest die wichtigsten Informationen; an die 38 Prozent verzichten jedoch auf diese Schutzmaßnahme. Speziell Smartphones haben die IT-Abteilungen von kleinen und mittelständischen Firmen nicht "auf dem Radar": Nur 9,9 Prozent sind mit einer Personal Firewall ausgerüstet; bei Notebook sind es immerhin 50 Prozent der Geräte. WLAN-Verkehr wird nur bei rund 20 Prozent der Mobiltelefone verschlüsselt, bei Notebooks bei 55 Prozent.

Solche Defizite lassen sich mithilfe eines zentralen Mobilsystem-Managements beheben. Damit kann die IT-Abteilung für alle Smartphones und Tablet-Rechner ein einheitliches Sicherheitskonzept umsetzen. So lässt sich in den Konfigurationseinstellungen festlegen, dass Daten auf den Endgeräten und bei der Übermittlung über unsichere Netze wie Mobilfunk und Wirelesss LANs automatisch verschlüsselt werden.