Cloud im Business

Datenkrake Google lernt nicht hinzu

René Büst ist Senior Analyst und Cloud Practice Lead bei Crisp Research mit dem Fokus auf Cloud Computing und IT-Infrastrukturen. Er ist Mitglied des weltweiten Gigaom Research Analyst Network und gehört weltweit zu den Top 50 Bloggern in diesem Bereich. Seit Ende der 90er Jahre konzentriert er sich auf den strategischen Einsatz der Informationstechnologie in Unternehmen.
Google versucht mit Erweiterungen und drastischen Preissenkungen gegen die Amazon Web Services (AWS) anzugehen, bleibt seinem Image als rücksichtsloser Datensauger allerdings treu.

Auf dem Google Cloud Platform Live Event hat Senior Vice President Urs Hölzle beachtenswerte Zahlen über die Nutzung der Google Cloud Platform gezeigt. Demnach laufen etwa 4,75 Millionen aktive Applikationen auf der Plattform, pro Tag gibt es 6,3 Billionen Datenabfragen sowie 28 Milliarden Front-End Anfragen. Die Google Cloud Platform umfasst unter anderem die Google Compute Engine (GCE), die Google App Engine (GAE) und weitere einzelne Services. Speziell die GAE ist bereits seit nun mehr sechs Jahren am Markt verfügbar. Die Zahlen sind vor diesem Hintergrund beachtenswert, sollten aber auch nicht überwertet werden.

Die IaaS-Preise fallen weiter Richtung Null

Mit einer radikalen Preisreduzierung will Google sich attraktiver gegenüber den Amazon Web Services aufstellen. Die Preise für den Big Data Analytics Service BigQuery werden daher um satte 85 Prozent reduziert. Der Preis für Cloud Storage Service fällt um bis zu 65 Prozent. Die Kosten für die virtuellen Maschinen der Compute Engine werden für alle Regionen, Typen und Größen um bis zu 32 Prozent gesenkt.

Einen Tag später kündigte Amazon AWS auf seinem AWS Summit 2014 in San Francisco seine insgesamt 42ste Preissenkung an. Die Preise für Amazon S3 werden demnach im Schnitt um weitere 51 Prozent gesenkt. Für das erste Terrabyte an Daten kostet 1 GB Speicherplatz bei AWS nun 0,085 Dollar, bei Google sind es 0,026 Dollar. Die Preise für eine AWS M3 Instanz wurden um 38 Prozent gesenkt und kostet statt ehemals 0,113 Dollar seit dem 1. April 2014 nun 0,07 Dollar pro Stunde.

Auch Microsoft hat mittlerweile reagiert und seine Preise für Azure reduziert.

Crisp Research rät anderen IaaS-Anbietern, sich nicht auf diesen Preiskampf einzulassen und stattdessen in Services zu investieren, die den Kunden einen echten Mehrwert bieten. Gegen die Economies of Scale von Amazon AWS, Google oder Microsoft wird es langfristig schwer sein, profitabel mitzuhalten.

Google holt technisch auf

Foto: Google

Neben den Preissenkungen hat Google ebenfalls technische Erneuerungen angekündigt. Dazu gehören sogenannte Managed Virtual Machines (VM) für die App Engine, die laut Google mit ein paar Codezeilen automatisch gestartet und verwaltet werden können. Diese Art der VM soll die Stabilität der Compute Engine mit den programmierbaren Kontrollmöglichkeiten durch die App Engine kombinieren.

Weiterhin wird die Compute Engine nun weitere Betriebssystemimages unterstützen. Darunter Red Hat Enterprise Linux und Suse Linux Enterprise Server. In einer Limited Preview wird ebenfalls der Windows Server 2008 R2 bereitgestellt.

Der BigQuery Service wurde so erweitert, dass nun 100.000 Datensätze pro Sekunde abgefragt werden können, um damit die Analyse großer Datenströme zu ermöglichen. Diese und weitere Verbesserungen dienen grundsätzlich dazu, um Services und Applikationen für andere Google Angebote wie Android, Chrome usw. zu entwickeln und mit Googles anderen Services und Plattformen zu verbinden.

Google hegt und pflegt das Image der Datenkrake

Trotz der Preissenkungen und technischer Erneuerungen lohnt ein Blick in die Nutzungsbedingungen der Google Cloud Platform. Hier findet sich unter 1.2 der Lizenzvereinbarungen:

"By submitting, posting, generating, or displaying any Application and/or Customer Data on or through the Services, Customer gives Google a worldwide, non-sublicensable, non-transferable, non-exclusive, terminable, limited license to use any Application and/or Customer Data for the sole purpose of enabling Google to provide, maintain, protect, and improve the Services in accordance with the Agreement." Quelle: https://developers.google.com/cloud/terms/

In einem Satz zusammengefasst bedeutet diese Passage nichts anderes als das Google sich das Recht einräumt, sämtliche Applikationen und Kundendaten für bestimmte eigene Zwecke zu verwenden. Da diese Zwecke nicht weiter spezifiziert beziehungsweise eingeschränkt sind, rät Crisp Research Unternehmen und professionellen Entwicklern von jeglicher Nutzung des Service ab, um rechtliche Probleme mit den eigenen Kunden zu vermeiden.

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