Computing on Demand steht noch am Anfang

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
IT-Dienste wie Strom aus der Steckdose - das versprechen IBM, HP und Sun mit ihren Visionen vom On-Demand-Computing, Utility Data Center oder Grid Computing. Darin hat der CIO heutiger Prägung keinen Platz mehr.

IT-Dienste wie Strom aus der Steckdose, Rechenzentren, die sich selbst verwalten, niedrigere Kosten und mehr Flexibilität - das versprechen IBM, HP und Sun mit ihren Visionen vom On-Demand-Computing, Utility Data Center oder Grid Computing. In der schönen neuen IT-Welt hat der CIO heutiger Prägung keinen Platz mehr.

Als Samuel Palmisano am 30. Oktober seine erste Grundsatzrede als IBM-Chef hielt, war ihm die Aufmerksamkeit der Branche sicher. Zehn Milliarden Dollar investiert der weltgrößte IT-Konzern in das Geschäftsfeld Computing on Demand: Rechenkapazität, Speicher und Anwendungen sollen Kunden bald je nach Bedarf als Dienstleistung einkaufen.

Was die von Palmisano beschworene Ära des "E-Business on Demand" für Unternehmen bedeutet, ist seither Gegenstand intensiver Diskussionen. Wenn Computing-Dienste eines Tages wie Elektrizität aus einem Stecker in der Wand fließen, wäre die klassische DV-Abteilung obsolet, war auf einem Treffen hochrangiger IT-Manager in New York zu hören. Noch weiter dachte der CIO eines der größten zehn amerikanischen Unternehmen: "Dann verlieren wir alle unseren Job."

Ganz unberechtigt ist diese Befürchtung nicht, sagt Jean Lorrain, Distinguished Engineer bei IBM Frankreich, denn: "E-Business on Demand kauft nicht der CIO ein, sondern der CEO." In der On-Demand-Welt habe der Unternehmenschef kein Interesse daran, alle IT-Ressourcen selbst vorzuhalten und zu betreiben. Dagegen spreche schon die hohe Fixkostenbelastung.

Genau genommen geht es auch in der neuen Ära vor allem um eines, wie IBM selbst einräumt: Die IT soll endlich ihr lange gegebenes Versprechen einlösen, die Effizienz der Geschäfte radikal zu verbessern. Wie dieses Ziel zu erreichen ist, erklärt Big Blue zunächst reichlich abstrakt: Das On-Demand-Unternehmen zeichne sich vor allem durch die Fähigkeit aus, Veränderungen sofort zu erkennen und darauf zu reagieren. Dazu gehöre auch, Geschäftsprozesse und Kostenstrukturen rasch an gewandelte Bedingungen anzupassen. An diesem Punkt ähnelt das Konzept der Idee des Realtime Enterprise (RTE), die Gartner-Analysten kürzlich in Cannes präsentierten. Im Mittelpunkt steht dabei die Beschleunigung der Kernprozesse bis hin zum "Echtzeitunternehmen".