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IBM im Glück

Comeback des Mainframe

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Der oftmals totgesagte Großrechner hat das Potenzial, eine zweite Erfolgsgeschichte zu schreiben - vor allem für IBM.

In den vergangenen Jahren hatte man zeitweise den Eindruck, als ob der Mainframe jetzt wirklich aufs Altenteil geschoben würde. Maschinen auf Basis des x86-Standards schienen sich anzuschicken, die angestammten Aufgaben der Großrechner komplett zu übernehmen. Die Werbelyrik der Dells, Hewlett-Packards (HPs) etc. wollte glauben machen, dass der Mainframe obsolet sei. Alles, was der könne, würden die eigenen Server auch vollbringen.

Ganz so einfach war es dann doch nicht. Überraschenderweise erlebte die Großrechnerplattform in den vergangenen Jahren so etwas wie einen zweiten Frühling. Doch die guten Umsatzzahlen mit den System-z-Maschinen von IBM, mittlerweile fast der alleinige Anbieter solcher Monolithen, können nicht über die Probleme hinwegtäuschen. So muss Big Blue einen Weg finden, existierende Großanwender bei der Stange zu halten. Zudem gilt es, neue mittelständische Kunden durch eine schlüssige Kosten-Nutzen-Rechnung zu überzeugen. Außerdem darf der Großrechneranbieter seine Monopolstellung nicht missbrauchen.

IBM-Chef Samuel Palmisano hat gut Lachen: Der Mainframe lebt!
IBM-Chef Samuel Palmisano hat gut Lachen: Der Mainframe lebt!

Lange Zeit schien der Mainframe ein Auslaufmodell zu sein. Erst hatte das Client-Server-Konzept der 90er Jahre den einfachen Aufbau kleiner IT-Infrastrukturen ermöglicht. Mit dem Aufkommen des Internets hieß es dann "The Network is the Computer!" (Video) - und IP-Netzwerke wurden und werden immer noch am liebsten auf Unix-Basis aufgebaut. Kunden aus dem Mittelstand verabschiedeten sich von ihren großen Hobeln und ließen ihre Anwendungen lieber auf Windows- und Unix/Linux-Plattformen laufen.

Doch die Zeiten änderten sich. Heute gibt es für die IBM keine Konkurrenz mehr aus den Häusern Amdahl oder Hitachi. Lediglich die BS2000-Schmiede Fujitsu bietet noch Server der Mainframe-Klasse an. Heute führt der blaue Riese ein solides Monopolistendasein mit solventen Großkunden, die vornehmlich aus dem Bereich Banken und Versicherungen kommen. Alles schien darauf hinauszulaufen, dass Mainframes den ganz Großen vorbehalten bleiben, weil diese Klientel die speziellen Leistungen eines Großrechnerumfelds wie hohe Rechenleistung, Ausfallsicherheit und Sicherheit braucht und weil sich die Migration ihrer älteren Anwendungen auf andere Plattformen finanziell nicht lohnt - bis auf weiteres.

Solides Monopol

Doch seit einiger Zeit überrascht Big Blue mit Meldungen über mittelständische Kunden, die, statt ihre alten Eisen ganz abzuschaffen, diese lieber durch neuere Modelle ersetzen und dabei einiges an Betriebskosten sparen. Ist der oftmals "Dinosaurier der IT" genannte Mainframe mal wieder zu früh für ausgestorben erklärt worden?

"Dinosaurier haben mehr als 120 Millionen Jahre überlebt, das vergessen die Leute sehr oft", sagt Josh Krischer, Inhaber einer Unternehmensberatung für Rechenzentrumsfragen. Dabei hatte seiner Ansicht nach gegen Ende der 80er IBM selbst für einige Jahre die Lust daran verloren, Mainframes zu verkaufen. Nachdem Amdahl und Hitachi ihre Ambitionen im Mainframe-Markt aufgegeben hatten, von dieser Seite somit keine Konkurrenz durch IBM-kompatible Maschinen mehr zu befürchten war, verlegte der blaue Riese seinen Fokus auf den möglichst profitablen Betrieb einer vermeintlich auslaufenden Technologie.

Vor sechs Jahren allerdings definierte IBM in einem "Mainframe Charter " genannten Positionspapier den Stellenwert und die weitere Entwicklung des Mainframes neu. Darin wird diese Rechnerwelt nunmehr als strategische Plattform in IBMs Produktportfolio anerkannt. Ferner wird beschlossen, für diese Systeme mittelfristig Technologien zur Senkung der Betriebskosten bereitzustellen, die Entwicklung neuer Anwendungen zu fördern, den Service auszubauen und sich um die Verbreitung von Know-how zu bemühen.

Virtualisierung ist nicht neu

Die Technologien, die in den darauf folgenden Jahren die Schlagzeilen beherrschten - Virtualisierung, Server-Konsolidierung, Cloud Computing -, machten den Mainframe auch für viele Anwender zu einer strategischen Plattform - wobei angemerkt werden muss, dass etwa ein Thema wie Virtualisierung schon seit Jahrzehnten auf dem Mainframe eingeführt war. Dieses Mal stand es allerdings in einem anderen Kontext als in den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Zwar wussten Mainframe-Anwender schon immer die sprichwörtliche Zuverlässigkeit und Skalierbarkeit ihrer Infrastruktur zu schätzen. Allerdings bieten das andere Plattformen inzwischen auch. Etwaige Defizite in diesen Disziplinen lassen sich oftmals durch niedrigere Betriebskosten und andere Technologien ausgleichen.

Das Zauberwort im Zusammenhang mit IBMs Erfolgsmeldungen zu neuen Mainframe-Aufträgen lautet immer wieder "Konsolidierung". Statt riesige Server-Farmen mit verteilten Strukturen zu unterhalten, konzentrieren Mainframe-Anwender viele Anwendungen auf einem einzigen System. Das erleichtert nicht nur die Administration, es senkt auch die Lizenzgebühren für Unternehmenssoftware. Da dieser Obolus an die IBM meist pro Prozessor abgerechnet wird, sprechen die nackten Zahlen gegen verteilte Strukturen mit vielen Servern und noch mehr Prozessoren. Die Verwendung weniger leistungsstarker Prozessoren, wie sie in Großrechnern eingesetzt werden, senkt die Anwendungskosten pro Nutzer.

Besonders Großanwendungen wie Warenwirtschafts- und Verwaltungssysteme kommt diese Eigenschaft zugute. Die Stadt Gelsenkirchen beispielsweise hat vergangenes Jahr ihre SAP-Infrastruktur ausgebaut, gleichzeitig aber ihre Betriebskosten gesenkt. Geschafft hat sie das, indem sie ihre alten z990-Großrechner durch einen Mainframe der System-z10-Serie ersetzt hat. Die Kostenvorteile ergeben sich vor allem dadurch, dass zahlreiche SAP-Module auf virtuellen Maschinen unter Linux laufen. Sowohl diese als auch die Datenbanksoftware DB2 nehmen nicht die Hauptprozessoren, sondern als Specialty Engines bezeichnete Prozessoren in Anspruch. Für die veranschlagt Big Blue wesentlich geringere Lizenzgebühren.


(4 Beiträge), 
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Josh.Krischer
Answer for Mr. MeMyself (it is a pity that you hide under a nickname; it will be also interesting to know which company employ you). I wonder also if you ever worked with mainframe at all. 1. I agree that sometimes is not logical to run 40 years old application but please show me other platform that can do that. By the way do you know that there are 1675 ISVs developing on System z (Linux, z/OS, z/VM, z/VSE) (175 new ISVs joined the ?prehistoric platform ? in 2009, that more than 2,732 application available on z/OS 1.8 and above and 3,150 applications enabled on Linux on z (550 new in 2009). 2. There is no a single computing platform which fits are requirements and there is enough information on market from IBM competition and from independent consulting companies or analyst to assist corporation in their decisions. 3. Innovations: there is not a single innovation on UNIX RISC or x 86 platforms which I didn?t see in mainframe before. 360/VM (software partitioning) was almost 30 years before VMware, PRSM/LPAR (hardware portioning) was 12 years ahead of Sun 10000. DFSMS of the 90-ies is by far better than any HSM program and a comparison between a mainframe Dynamic Channel Subsystem (DCS) to HBAs is in analogy as a comparison between BMW 7 series and a bicycle. These are only few examples and I can give you many more. 4. Mainframe of today is not the 3090 series of the 90-ies, it is enhanced at very fast pace and it is an ignorance to call it ?Welt von vor-vorgestern? Josh Krischer Josh Krischer & Associates zum Beitrag

HaPeGe
Es gibt immer noch Menschen in der IT-Welt, die einfach die enormen Vorteile des Mainframe nicht wahr haben wollen ! Der allergrößte Vorteil liegt in den Personalkosten: Eine Client-Server-Welt erzeugt bis zu 60 % höhere Personalkosten ! Das Argument scheinen die meisten IT-Manager von heute (jung, dynamisch und erfolg..... !) völlig zu negieren; mit einem wachsenden MA-Bestand wächst ja auch die Macht ! Traurig ist auch die Negierung des Mainframe durch die Hochschulen und Unis. Ihnen laste ich die fehlende Ausbildung des Nachwuchses an; sie haben einfach an der Realität vorbei ausgebildet ! Und wer es immer noch nicht glaubt: Im deutschen Bank- und Sparkassenwesen dominiert immer noch der Mainframe. Und es werden sogar noch Anwendungsprogramme in Assembler (!) geschrieben. Und der Kommentator MeMyself möge doch bitte folgendes bedenken: Es laufen weltweit immer noch mindestens 60 % aller Programme in COBOL auf Mainframes ! Und es werden täglich mehr ! Vielleicht wäre ein Überdenken des eigenen Standpunktes angebracht ?! Dem Autor sei Dank für seine treffenden und notwendigen Ausführungen. zum Beitrag

MeMyself
Das ist toll! Die Zukunft gehört dem Mainframe, Cloud Computing ist ein großes rechtliches Problem, und Offshoring ist des Teufels - und alles in einer Ausgabe der Computerwoche. Fehlt nur noch, daß der Datenspeicher der Zukunft die Lochkarte ist... Zwei Wochen, nachdem selbst die Deutsche Bank beschlossen hat, daß 40 Jahre Software-Entwicklung nicht wert sind, den Host zu konservieren, singen Sie Hymnen auf eine prähistorische Plattform. Fiel dem Autor nicht auf, daß diejenigen, die in diese Technologie investieren, IT-Leiter von Mittelständlern sind, die mangels Marktkenntnis den IBM-Vertriebsmitarbeiter als single source of truth betrachten? Ich finde es einfach schade, daß sich die Computerwoche einmal mehr als innovationsfeindliches Blatt präsentiert. Können Sie nicht einmal über die Chancen von Innovation schreiben, als über die wunderbare Welt von vor-vorgestern? zum Beitrag

volkerfalch
Lieber Autor, die Darstellung der Potenziale der Mainframe´s ist gut gelungen. Zu den angeführten Vor- und Nachteilen möchte ich eine kleine Ergänzung anfügen. Zu den Nachteilen gehört offensichtlich, dass die über viele Jahre vernachlässigte Ausbildung ein demografisches Problem verursacht hat.Trotz aller Unternehmenszusammenschlüsse bleibt das Problem der Überalterung der Experten. Sehr gute Ausbildungs- und Weiterbildungmöglichkeiten gibt es glücklicherweise (www. mainframe-academy.de ; www.it-akademie-bayern.de ). Problematisch erscheint die Tatsache, dass über viele Jahre das Thema Mainframe in den Hochschulen kein Thema war - offensichtlich konnte sich niemand wissenschaftliche Reputation auf einer "Dinosaurier-Plattform" vorstellen. Folge: Viele Nachwuchsführungskräfte kennen die Plattform weder theoretisch noch praktisch. Damit ist es ungleich schwerer, objektive Systemvergleiche durchzuführen. zum Beitrag


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