Was Powerfrauen raten

Wer Karriere machen will, darf nicht zu nett sein

Ingrid Weidner arbeitet als freie Journalistin ín München.
Die IT-Branche lockt leistungsorientierte Frauen mit guten Karrierechancen. Eine Familie muss nicht einen Karriereknick bedeuten, wie drei Beispiele zeigen.

Donnerstags rufen die Mitarbeiter besonders gern bei Margret Klein-Magar an, denn sie wissen, dass ihre Chefin im Home-Office gut erreichbar ist. Seit knapp 20 Jahren arbeitet die 46-Jährige für SAP in unterschiedlichen Positionen und leitet derzeit als Vice President Transformation and Change Management ein weltweit agierendes Team. Über einen Vortrag zu ihrer Magisterarbeit an der Universität Saarbrücken kam sie mit der Walldorfer Softwareschmiede ins Gespräch. Als Klein-Magar 1991 dort ins Berufsleben startete, beschäftigte SAP weltweit 2.500 Mitarbeiter, heute sind es mehr als 50.000 Angestellte. Gerade das schnell wachsende Unternehmen bot Klein-Magar immer wieder neue Chancen sich weiterzuentwickeln.

Margret Klein-Magar, SAP: "Fachkompetenz ist die Grundvoraussetzung, wesentlich wichtiger sind lebenslanges Lernen sowie Sozial- und Führungskompetenz."
Margret Klein-Magar, SAP: "Fachkompetenz ist die Grundvoraussetzung, wesentlich wichtiger sind lebenslanges Lernen sowie Sozial- und Führungskompetenz."
Foto: SAP

Ein konkretes Karriereziel hatte Klein-Magar nach ihrem Studium der Informationswissenschaft und Soziologie nicht, doch einige Grundprinzipien: "Ich wollte eine sinnvolle Aufgabe und die Welt bewegen, Verantwortung übernehmen und Neues lernen," erinnert sich die Managerin. "80 Prozent der SAP-Mitarbeiter sind Akademiker. Wir haben Mitarbeiter in 50 Ländern mit 124 verschiedenen Nationalitäten. Es ist selbstverständlich, voneinander zu lernen und sein Wissen zu teilen."

Auch wenn Margret Klein-Magar die Karriereleiter scheinbar mühelos erklomm, ist eine Karriere in der IT-Branche kein Selbstläufer: "Fachkompetenz ist die Grundvoraussetzung, wesentlich wichtiger sind lebenslanges Lernen sowie Sozial- und Führungskompetenz." Auch von überholten Rollenmodellen sollten sich talentierte Frauen auf ihrem Weg nach oben nicht entmutigen lassen. "Frauen überlegen sich häufig genau, ob sie den Preis einer Karriere zahlen möchten. Um es mit einer Gruppe von Alphatieren aufzunehmen, darf man nicht zu nett sein", sagt Klein-Magar.

Zwar kennt die SAP-Managerin auch die gesellschaftlichen Ressentiments, wenn Frauen Familie und Job miteinander verbinden möchten, ließ sich davon aber nicht beeindrucken. Sie teilte sich schon während ihres Studiums die Kinderbetreuung für die gemeinsame Tochter mit ihrem Ehemann. Eine Ganztagsschule für das Kind sowie ein flexibles Home-Office-Modell ihres Arbeitgebers SAP halfen dem Ehepaar. So musste keiner der Partner auf eine eigene Karriere verzichten.

Die erfahrene Managerin rät engagierten Frauen, im eigenen Unternehmen zügig ein Netzwerk aufzubauen und mit den eigenen Leistungen sichtbar zu sein. "Ich habe mir immer Chefs ausgesucht, bei denen ich etwas lernen konnte", verrät sie. "Viele Firmen arbeiten zielorientiert. Deshalb ist es wichtig, sich auf die wirklich wichtigen Dinge zu konzentrieren und die eigene Verfügbarkeit in Grenzen zu halten." Zwar lebt die inzwischen erwachsene Tochter von Klein-Magar in New York, doch ein Tag im Home-Office bestimmt auch weiterhin den Arbeitsrhythmus der Managerin.