Blackberry 10, Windows Phone 8, Tizen, Firefox OS

Wer gewinnt das Rennen um das dritte mobile Ökosystem?

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Die Betriebssysteme Android und iOS dominieren mit großem Abstand den Markt für Smartphones, der dritte Platz ist jedoch heiß umkämpft. Wir haben für Sie die wichtigsten Kandidaten unter die Lupe genommen.

Die Marktzahlen sprechen eine klare Sprache: Den Untersuchungen von Gartner zufolge lag das Google-Betriebssystem Android im Schlussquartal 2012 bei den weltweiten Smartphone-Verkäufen mit knapp 70 Prozent klar in Führung vor iOS - das Apple-System war gerade einmal auf 21 Prozent der in den Monaten Oktober, November und Dezember verkauften Geräte installiert. Danach folgen erst mit großem Abstand Blackberry OS (3,5 Prozent), Windows Phone (3 Prozent) und andere Konkurrenten.

Laut Gartner lagen Android und iOS im Schlussquartal 2013 hausweit in Führung.
Laut Gartner lagen Android und iOS im Schlussquartal 2013 hausweit in Führung.
Foto: Gartner

Diese De-facto-Duokultur hat ihre Vor- und Nachteile: Im Unternehmenseinsatz ist es theoretisch von Vorteil, wenn die IT-Abteilung nur wenige Plattformen unterstützen muss, zum Beispiel mit Enterprise-Apps oder beim Support. Gleichzeitig sind aber weder iOS noch Android Wunschkandidaten. Die Betriebssysteme wie auch die darauf basierenden Geräte wurden primär mit Blick auf den Privatkundenmarkt entworfen, vom Business gewünschte Features wie Verwaltungs- und Verschlüsselungsfunktionen kamen erst sukzessive hinzu und dies auch nur unzureichend.

Hinzu kommen verschiedene individuelle Eigenschaften, die die beiden Systeme problematisch machen: Bei Android sind es etwa die zahlreichen Versionen, verschärft durch die nur zögerliche Update-Kultur. So wird das noch junge Betriebssystem von Google zwar kontinuierlich weiterentwickelt und erhält so nach und nach neue Funktionen. Wegen den oft gravierenden Veränderungen, die Hardware-Hersteller und Carrier an dem Betriebssystem vornehmen (und der oft geringen Motivation), werden die Updates - wenn überhaupt – aber erst mit deutlicher Verspätung vorgenommen.

Weitere Mankos sind die Möglichkeit, Apps aus verschiedensten Kanälen zu installieren und - generell - die Offenheit der Linux-Plattform. Diese erlaubt es zwar im Prinzip, das System komplett abzuschotten und zu „härten“. Auf der anderen Seite stellt aber das recht einfach mögliche Rooten ein erhebliches Risiko dar und nicht alle Android-Devices lassen sich von vorne herein mit MDM-Lösungen verwalten.

Auch Apple hat iOS nur scheinbar unter Kontrolle. Zwar lassen sich die Updates sofort nach der allgemeinen Bereitstellung auf den Geräten installieren, wenn die Systemvoraussetzungen passen, werden dabei auch ältere Baujahre unterstützt. Gleichzeitig hat die Company aus Cupertino aber noch immer kein wirksames Mittel gegen Jailbreak gefunden – in der Regel schaffen es findige Hacker schon kurz nach der Vorstellung einer neuen OS-Version, die darin enthaltenen Nutzungsbeschränkungen wie das Installieren von Apps abseits vom AppStore zu entfernen. Zusätzlich gibt es für iOS nur wenige hochpreisige Geräte, eine begrenzte Anzahl an freigegebenen Schnittstellen und generell restriktive Vorgaben, was etwa App-Entwicklung oder Content-Nutzung und -weitergabe anbelangt.

Zusammengefasst gibt es also allein aus Unternehmenssicht genügend Argumente, die für eine dritte Plattform sprechen. Daneben haben natürlich auch Carrier, Entwickler und nicht zuletzt - im Android-Umfeld - Gerätehersteller ihre speziellen Gründe: Sie versprechen sich von einem neuen starken Player eine geringere Abhängigkeit von einem einzelnen Plattform-Lieferanten, wollen weniger Einmischung in ihre Geschäfte und hoffen generell auf einen größeren Anteil am Mobile-Kuchen.