Weltweiter Server-Markt wächst - noch

Jan-Bernd Meyer betreut als leitender Redakteur Sonderpublikationen und -projekte der COMPUTERWOCHE. Auch für die im Auftrag der Deutschen Messe AG publizierten "CeBIT News" ist Meyer zuständig. Inhaltlich betreut er darüber hinaus Hardware- und Green-IT- bzw. Nachhaltigkeitsthemen sowie alles was mit politischen Hintergründen in der ITK-Szene zu tun hat.   
Nach Zahlen des Marktforschungsinstituts IDC hat das Geschäft im dritten Quartal 2005 um 8,1 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres zugelegt.

Vor allem das Segment der Lowend-Server (x86) sowie der Linux- und Windows-basierenden Maschinen zeigte sich als Wachstumsmotor. Über alle Server-Segmente - also von den Einstiegsmaschinen der x86-Klasse bis hin zu den Großrechnern - ist IBM weltweit nach den Zahlen von Gartner (siehe Tabelle) und IDC mit einem Marktanteil nach Umsatz von 32,2 Prozent an der Spitze. Auf den Plätzen folgen Hewlett-Packard (27,8 Prozent), Dell (10,5 Prozent), Sun Microsystems (8,7 Prozent) und Fujitsu/Fujitsu-Siemens (6,1 Prozent). An der Rangfolge hat sich im Vergleich zum dritten Quartal des Vorjahres nichts geändert.

Verlierer Sun

Jean Bozman, Research Vice President Enterprise Computing Group bei IDC, betont, dass nunmehr bereits zum zehnten Mal in Folge die Zahlen im Server-Markt angestiegen seien. Hier zeige sich, dass Firmen kontinuierlich in Server-Infrastrukturen investieren. Diese hätten sich zudem als wesentliche Komponente übergreifender IT-Ausgaben für Software, Speichermedien und Dienstleistungen etabliert.

Bozman stellt fest, dass das Geschäft mit Lowend-Maschinen Wachstumsmotor der Server-Branche sei. Die Umsätze mit x86-Maschinen stiegen um 14,8 Prozent. Bei den Midrange-Geräten hingegen betrug der Zuwachs lediglich 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Rückläufig indes waren die Einnahmen mit Highend-Enterprise-Systemen. Sie gingen um 1,2 Prozent zurück.

IDC definiert Lowend- beziehungsweise "Volume Server" als solche, die weniger als 25000 Dollar kosten. Midrange-Systeme liegen in der Preisklasse zwischen 25000 und einer halben Million Dollar. Highend-Enterprise-Maschinen gehören in die Kategorie der Systeme, die noch teurer sind

Eindeutiger Verlierer im Server-Markt ist Sun Microsystems. Dessen Umsatz fiel über alle Geräteklassen hinweg um 7,6 Prozent. Während Fujitsu/Fujitsu-Siemens einen um 5,9 Prozent höheren Absatz erwirtschaftete, konnten IBM, Dell und HP jeweils zweistellige Zuwächse melden.

Interessant werden die neuesten Ergebnisse zum Server-Markt aber insbesondere bei Betrachtung der einzelnen ServerGattungen. Im Segment Risc-Unix-Server, auf seinem traditionell starken Turf also, erlitt Sun sogar einen Umsatzeinbruch von 12,64 Prozent. IDC-Analystin Bozman sieht hierin allerdings noch keinen Grund für große Besorgnis. Sun-Kunden würden momentan den Wechsel auf die nächste Prozessorgeneration des Herstellers abwarten. Die signifikant rückläufigen Zahlen des Unix-Server-Umsatzes dürften, so Bozman, vorübergehend sein.

Beurteilt man die Server-Hitliste im Risc-Unix-Segment nach der Zahl ausgelieferter Systeme, sieht es für Sun zunächst sehr viel erfreulicher aus. Nach Stückzahlen liegt das Unternehmen mit einem Marktanteil von 57,77 Prozent weit vor der gesamten Konkurrenz. IBM mit 23,33 Prozent und HP mit 14,45 Prozent Marktanteil folgen weit abgeschlagen auf den Plätzen zwei und drei.

Der hohe Marktanteil kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Sun in seiner Paradedisziplin einen Stückzahlenrückgang von 7,86 Prozent zu verschmerzen hatte. Solch eine Erfahrung machte im Übrigen in diesem Quartal auch HP (minus 6,81 Prozent). Diese Zahlen reflektieren den insgesamt für dieses Segment geltenden verhaltenen Geschäftsverlauf - ganz zu schweigen von den bereits rückläufigen Umsätzen im Segment der Highend-Enterprise-Server.

Nur vordergründig positiv

Die vordergründig positiven Ergebnisse im Server-Markt kaschieren darüber hinaus einen Trend, der sich mittelfristig negativ für Server-Anbieter auswirken könnte. Tatsache ist nämlich nicht nur, dass teurere Server-Modelle zunehmend weniger gefragt sind. Tatsache ist auch, dass sich ein Käufermarkt entwickelt, über den die Anbieter zunehmend die Kontrolle verlieren. Analysten wie Andy Butler und Rakesh Kumar von Gartner weisen darauf hin, dass die Rechenkapazitäten von Servern über alle Architekturen hinweg schneller steigen als die Anforderungen nach hochleistungsfähigen Maschinen bei den Anwendern. Ergo können diese einen wachsenden Anteil der Rechenlast von den teuren Hochleistungs- auf die preiswerteren Systeme verlagern - hier insbesondere solche, die mit Intel- oder AMD-Prozessoren arbeiten.

Analyst Matt Eastwood, federführend bei der vierteljährlichen Ermittlung der Marktzahlen bei IDC, nennt einen weiteren Trend, der erheblichen Einfluss auf den Server-Markt hat: Anwender nutzen, um die Kosten weiter zu reduzieren, zum einen die Möglichkeiten von ServerKonsolidierungen, zum anderen von Virtualisierungsstrategien.