In Algorithmen denken
Was Entwickler können müssen
CW: Herr Hellinga, als Sie vor 30 Jahren studierten, haben Sie noch mit Lochkarten programmiert. Wie haben sich die Anforderungen an Softwareentwickler seitdem verändert?

Foto: BSI
Tim Hellinga: Natürlich haben sich die Programmierwerkzeuge radikal geändert, aber die wichtigste Voraussetzung ist gleich geblieben: Ein Entwickler muss logisch und in Strukturen denken können. Das lernt man in einem technischen Universitätsstudium, das für mich ein Intelligenznachweis ist.
CW: Herr Priewasser, Sie haben einen Bachelor in Informatik und einen Master-Abschluss in Theoretischer Informatik. Haben Sie im Studium alles Nötige für den Beruf als Softwareentwickler gelernt?
Jörg Priewasser: Nein. Das Studium der Theoretischen Informatik schafft man zur Not auch ganz ohne Computer, Papier und Bleistift reichen aus. Wenn mich nicht ein Freund aus dem Schachclub überredet hätte, parallel zum Studium bei BSI als Programmierer zu arbeiten, wäre ich wahrscheinlich an der Hochschule geblieben und würde forschen.
Adrian Staudt: Ob man im Studium programmieren lernt, hängt vom fachlichen Schwerpunkt und der Hochschule ab. An der Fachhochschule geht es nicht ohne, auch an der Uni habe ich Java gelernt. Die Programmiersprachen sind nicht das Problem, als Einsteiger muss ich vielmehr die Prozesse des Kunden verstehen lernen.
Priewasser: Im Job muss man auch einen Teil seines Idealismus begraben. Wenn wir so programmieren würden, wie wir es an der Uni gelernt haben, könnte das keiner bezahlen. Im Projektalltag kann man nicht alles bis ins Letzte prüfen und muss im Gegensatz zum Studium diverse Sicherheitsmechanismen weglassen. Taucht zum Beispiel ein Rundungsfehler in der zweiten Dezimalstelle bei der Arbeitszeiterfassung auf, ist das akzeptabel.
Jetzt Newsletter bestellen und einen Hotel-Gutschein gewinnen!
