Integration der IT-Systeme

Risikoverringerung hatte für die Commerzbank oberste Priorität

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Mit der Migration der Kunden- und Produktdaten hat die Commerzbank zu Ostern den letzten großen Schritt der Integration mit der Dresdner Bank unternommen. CIO Peter Leukert spricht über die Herausforderungen und Stolpersteine des Mammutprojekts.

CW: Als CIO der Commerzbank haben Sie vor zwei Jahren die gesamte IT-Struktur überarbeitet und auf eine Projektorganisation umgestellt. Inwieweit werden Sie diese Struktur auf den nach der Fusion mit der Dresdner Bank deutlich gewachsenen IT-Bereich übertragen?

Peter Leukert, CIO der Commerzbank
Peter Leukert, CIO der Commerzbank
Foto: Commerzbank AG

LEUKERT: Wir haben sie bereits übertragen. Die Struktur und das damit einhergehende Karrieremodell haben uns bei der Integration erheblich unterstützt. Denn eine solche Projektorganisation ist auf fachliche Fähigkeiten ausgerichtet und basiert auf objektiven Kriterien. So konnten wir für die anstehenden Aufgaben die jeweils am besten geeigneten Mitarbeiter finden - und zwar transparent für alle.

CW: Das ist vor allem dann wichtig, wenn Mitarbeiter entlassen werden.

LEUKERT: Im Zuge der Integration werden konzernweit rund 9000 Stellen abgebaut. Die IT ist davon aber nur geringfügig betroffen, denn wir haben gleichzeitig mit der Integration ein Re-Insourcing vorgenommen. Die Dresdner Bank hatte den Rechenzentrumsbetrieb an eine Allianz-Tochter, den Zahlungsverkehr an eine Postbank-Tochter und die Wertpapierabwicklung an die dwpbank ausgelagert. Diese Aufgaben haben wir wieder in das Unternehmen geholt, und dafür brauchen wir Mitarbeiter.

CW: Was heißt "nur geringfügig"? Wie viele IT-Fachleute müssen im Zuge der Fusion das Unternehmen verlassen?

LEUKERT: In der IT wollen wir Synergien insbesondere bei den Sachkosten erzielen. Wir haben rund 4000 IT-Mitarbeiter weltweit und bauen Stellen vorwiegend im Rahmen der normalen Fluktuationsrate von rund drei Prozent pro Jahr ab.

CW: Einige Mitarbeiter müssen künftig andere Aufgaben übernehmen als vor der Fusion. Wie sind Sie das Change-Management angegangen?

LEUKERT: Es gab kein klassisches Bewerbungsverfahren, sondern eine Zuordnung auf der Grundlage der jeweils erfassten Kompetenzen. Wir haben mit fast allen Mitarbeitern auf Anhieb einen Konsens erzielt. Das lag wohl auch daran, dass wir insbesondere den Mitarbeitern, die ursprünglich für die Systemlandschaft der Dresdner Bank zuständig waren, eine Perspektive gegeben haben. Sie wussten vor zwei Jahren schon, was sie nach dem Abschalten der Systeme machen würden. Das hat ihnen persönliche Sicherheit verschafft.

CW: Wie haben Sie den Übergang organisatorisch gelöst?

LEUKERT: Wir haben die "grüne" IT, also die der Dresdner Bank, in die "gelbe", die der Commerzbank, eingegliedert. Die Kollegen, die die Dresdner-Bank-Systeme weiterführen mussten, arbeiteten dann teilweise im Projekt "Keep the bank". Dabei ging es auch darum, die Systeme auf dem aktuellen Stand zu halten, zum Beispiel mit Blick auf regulatorische Änderungen.

Kurzer Lebenslauf: Peter Leukert

  • Als CIO der Commerzbank AG verantwortet Peter Leukert die gesamte Informationstechnik des Konzerns.

  • Er ist für etwa 4000 Mitarbeiter verantwortlich.

  • Unter seiner Regie integrierte die Commerzbank die IT der Dresdner Bank. Dieses Vorhaben ist seit April 2011 so gut wie abgeschlossen.

  • Vor seinem Wechsel zur Commerzbank war der promovierte Finanzmathematiker Partner bei McKinsey & Company.