Neuer Ansatz

Open-Source-BPM mit Activiti

27.03.2012
Quelloffene BPM-Lösungen haben Seltenheitswert. Nicht so Activiti, eine produktiv nutzbare Plattform für Business-Process-Management. Wir haben sie uns näher angesehen.

Wenn Schwergewichte wie Alfresco und Spring Source ein neues Open-Source-Projekt ins Leben rufen, ist ihnen die Aufmerksamkeit der Java-Community gewiss. So geschah es auch im Mai 2009, als die Alphaversion der quelloffenen BPM-Plattform "Activiti" zum Download bereitgestellt wurde. Nach weiteren Releases im Monatsrhythmus stand 2010 die erste produktiv nutzbare Fassung auf der Projektseite www.activiti.org zur Verfügung.

Das aktuelle Release trägt die Versionsnummer 5.x im Namen, was wohl als kleine Anspielung auf seine Vorgeschichte gewertet werden darf: Der Projektleiter von Activiti, Tom Baeyens, wurde von Alfresco eigens für dieses Vorhaben von der zu Red Hat gehörenden Firma JBoss abgeworben. Dort war er für die quelloffene Process Engine JBoss jBPM verantwortlich, die zu diesem Zeitpunkt in Version 4 verfügbar war. Insofern ist anzunehmen, dass Activiti zwar in Bezug auf den Quellcode, jedoch nicht in Bezug auf das eingeflossene Know-how auf der grünen Wiese entstanden ist.

An der Praxis ausgerichtet

Der Activiti-Komponente Cycle fällt eine Art Vermittlerrolle zu. Sie bildet eine integrierende Schicht zwischen den Activiti-Werkzeugen und soll unter anderem das bislang noch nicht gelungene Zusammenspiel zwischen Modeler (Fachbereich) und Designer (Entwickler) verbessern.
Der Activiti-Komponente Cycle fällt eine Art Vermittlerrolle zu. Sie bildet eine integrierende Schicht zwischen den Activiti-Werkzeugen und soll unter anderem das bislang noch nicht gelungene Zusammenspiel zwischen Modeler (Fachbereich) und Designer (Entwickler) verbessern.

Hinter dem gemeinsamen Projekt stehen jedoch noch weitere Träger wie beispielsweise die Camunda Services GmbH aus Berlin, die Consulting und Support zu Activiti anbietet und laut eigenen Angaben schon die ersten Kunden für diese Leistungen gewinnen konnte. Camunda-Geschäftsführer Jakob Freund begründet das große Interesse an der neuen Plattform mit drei zentralen Argumenten: "Activiti ist erstens sehr stabil und leichtgewichtig, zweitens eher ein offenes Framework als ein geschlossenes Softwareprodukt, und zum Dritten realisiert es erstmalig einen neuen Ansatz für BPM-Projekte: Statt "IT follows Business` wird eine konstruktive Zusammenarbeit aller Fraktionen anstrebt. Damit wird die Plattform der praktischen Projektrealität besser gerecht und unterscheidet sich stark vom derzeitigen Marketing-Kanon vieler BPM-Hersteller, dem zahlreiche Anwender zu Recht eher skeptisch gegenüberstehen."

Dass Activiti als eine der ersten BPM-Suiten den neuen Standard BPMN 2.0 umsetzt und unter der besonders liberalen Apache-Lizenz veröffentlicht wird, dürfte nach Einschätzung von Freund für viele Unternehmen zusätzlich eine wichtige Rolle spielen. Die Apache-Lizenz ist speziell für Softwarehersteller interessant, die Activiti in ihre eigenen Produkte einbetten wollen, da sie im Vergleich zu anderen Open-Source-Lizenzen eine größere Rechtssicherheit für die kommerzielle Verwendung bietet.

Als BPM-Plattform ist das primäre Einsatzszenario für Activiti die Abarbeitung technischer Prozessmodelle. Diese bilden organisatorische Geschäftsprozesse wie den Rechnungseingang oder die Kreditvergabe durch so genanntes Human-Workflow-Management und die prozessorientierte Anwendungsintegration ("Service Orchestration") ab. Auf diese Weise werden also sowohl menschliche Prozessbeteiligte als auch interne und externe IT-Systeme zur Abarbeitung von Vorgängen herangezogen.