Cloud Computing

Nicholas Carr über den "Big Switch"

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
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Der provokante Autor ("IT doesn't matter") Nicholas Carr hat nach seiner Grundsatzrede beim SIMposium 08 der Society for Information Management unseren Kollegen von der "Computerworld" Fragen zum seiner Ansicht nach bevorstehenden epochalen Wechsel auf das sogenannte Cloud Computing beantwortet.

Wir geben das Interview an dieser Stelle auszugsweise wieder.

Kann man der Cloud trauen?

CW: Die Cloud-Dienste "EC2" und "S3" von Amazon.com sind schon mehrfach ausgefallen, genauso wie Teile von "Google Apps". Warum sollten Fortune-1000-CIOs der Zuverlässigkeit der Cloud trauen?

CARR: Gute Frage. Wenn man sich den Leumund von Amazon.com oder Salesforce.com ansieht, dann sehen die Erfahrungen tatsächlich recht gut aus. Aber perfekt sind sie nicht - und ich denke, sie werden auch nie perfekt sein, genauso wenig wie die internen Systeme eines Unternehmens absolut zuverlässig sind. Wir werden aber ganz sicher erleben, dass die Zuverlässigkeit der Cloud-Systeme mit der Zeit steigt. Irgendwann werden sie, wenn sie das nicht heute schon sind, stabiler laufen als die durchschnittlichen firmeninternen Systeme.

Nicholas Carr denkt und schießt gern quer.
Nicholas Carr denkt und schießt gern quer.

Es werden sich in mehreren Schritten unterschiedliche Dinge in die Cloud verlagern. Eines der Kriterien dafür ist die Frage: "Wie zuverlässig muss dieses System denn eigentlich sein?". Vor ein paar Wochen habe ich zum Beispiel mit einigen Regierungs-CIOs gesprochen, darunter ein paar aus der Geheimdienste-Community, und es ist ganz klar, dass bestimmte Systeme einfach "kugelsicher" sein müssen. Und es wird lange dauern, bevor Unternehmen und Behörden solche Applikationen der Cloud anvertrauen.

Aber schon jetzt kann man sagen, dass ob es nun die Amazon-Infrastruktur oder andere Software-as-a-Service-Angebote sind, die Zuverlässigkeit schon heute für viele Unternehmensanwendungen gut genug ist.

CW: Neben Sicherheit und Zuverlässigkeit ist eines der Hauptbedenken von IT-Verantwortlichen auch die Frage, wie man die Abhängigkeit vom Cloud-Dienst eines bestimmten Anbieters vermeiden kann. Können Sie dazu etwas raten?

CARR: Ich denke, um einen Lock-in sollten sich die Kunden sorgen. Wenn wir die Interoperabilität und standardisierten Datenformate wollen, die eine einfache Migration ermöglichen, dann sind es die Käufer, die die Anbieter in diese Richtung bewegen müssen. Solange die Abnehmer das nicht als Grundvoraussetzung für die Geschäftsbeziehung mit einem Anbieter einfordern, fürchte ich, dass wie viele Hersteller sehen werden, die - auch wenn sie gern über Standardisierung reden - in Wahrheit Strategien verfolgen, die es schwer machen, von ihrer Wolke herunterzusteigen, um mal Mick Jagger zu zitieren (Anspielung auf den Stones-Song "Get off of my Cloud", Anm. d. Red.)