Verwaltung von bis zu 70.000 Fußballspielen pro Woche

Live vom Spielfeldrand: DFB setzt auf eigene SaaS-Lösung

Simon verantwortet als Program Manager Executive Education die Geschäftsentwicklung und die Inhalte des IDG-Weiterbildungsangebots an der Schnittstelle von Business und IT. Zuvor war er rund zehn Jahre lang als (leitender) Redakteur für die Computerwoche tätig und betreute alle Themen rund um IT-Sicherheit, Risiko-Management, Compliance und Datenschutz.
Mit dem "DFBnet" stellt der Deutsche Fußball-Bund seinen 6,5 Millionen Mitgliedern zur Organisation des Spielbetriebs eine zentrale Web-Plattform auf SaaS-Basis (Software as a Service) zur Verfügung.

Jedes Wochenende herrscht Hochbetrieb auf Deutschlands Fußballplätzen. Von den Minikickern im Vorschulalter über die Damenteams bis hin zu den Altherrenmannschaften frönen Millionen Vereinskicker dem Volkssport Nummer eins. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) umfasst 27 Landes- und Regionalverbände, in denen rund 26.000 Vereine organisiert sind. Mehr als zwei Millionen Spieler kämpfen in etwa 18.000 verschiedenen Ligen mit über 170.000 Mannschaften um Meisterschaften und Pokale, Aufstiege, Platzierungen und gegen Abstiege. Das Sammeln und Verwalten unzähliger Informationen über bis zu 70.000 Spiele pro Woche (1,4 Millionen sind es in der laufenden Spielzeit 2007/08 insgesamt), die beteiligten Mannschaften, Spieler, Trainer, Funktionäre und Schiedsrichter ist bei diesen Ausmaßen eine Herausforderung, die ohne technische Hilfsmittel nicht zu meistern wäre.

Einheitliche Workflows

Die Lösung heißt DFBnet und ist als modulare SaaS-Applikation seit kurzem im Volleinsatz. Sie umfasst zum einen die Web-Anwendungen "DFBnet Lizenz", "DFBnet Pass" und "DFBnet Verband", die auf einem einzigen Portal zusammenlaufen und auf einer zentralen Datenbank aufsetzen. Verbände und Funktionäre können damit Spielberichte, Spiel- und Schiedsrichteransetzungen einheitlich übermitteln sowie alle anfallenden Verwaltungsvorgänge im Verband Internet-basiert abwickeln. Mit "DFBnet Verein" haben zum anderen alle Fußballvereine die Möglichkeit, Alltagsaufgaben wie Mitglieder- und Beitragsverwaltung standardisiert zu erledigen.

Bereits in den 90er Jahren hatten verschiedene Verbände eigene Softwarelösungen entwickelt, um die immer schneller wachsende Papierflut aufzuhalten. Es fehlte jedoch an einer klaren Linie: Jeder Landesverband hatte eigene Herangehensweisen, jeder Club eine andere Applikation im Einsatz. 2002 gründete der Deutsche Fußball-Bund mit der DFB Medien als hundertprozentige Tochtergesellschaft ein Systemhaus, das sich als Auftragsdienstleister fortan um die Entwicklung einheitlicher Software kümmern und diese später dann den Verbänden und Vereinen als selbstständiger SaaS-Anbieter zur Verfügung stellen sollte. Seit Oktober 2007 ist das Großprojekt - die gemeinsame Datenbasis DFBnet - in den Kernkomponenten abgeschlossen.

Mit DFBnet Lizenz lassen sich seit 2004 Trainer- und Schiedsrichterlizenzen verwalten und entsprechende Ausweise ausstellen. Das Modul DFBnet Pass kam im Sommer 2005 hinzu und lieferte analog dazu ein System für die Verwaltung von Spielerpässen samt Spielberechtigungen. Diese Aufgaben waren bis zu diesen jeweiligen Zeitpunkten von verbandseigenen Softwarelösungen angegangen worden, die aber insbesondere die übergreifende Zusammenarbeit, beispielsweise beim internationalen Spielerwechsel oder bei einem Wechsel über Verbandsgrenzen hinweg, nicht elektronisch unterstützen konnten.

Geschäftsführer Kurt Gärtner (rechts) und Marketing-Leiter Ingo Thomann von DFB Medien vor der DFB-Zentrale in Frankfurt.
Geschäftsführer Kurt Gärtner (rechts) und Marketing-Leiter Ingo Thomann von DFB Medien vor der DFB-Zentrale in Frankfurt.
Foto: DFB Medien

"Die föderalen Strukturen der Verbandswelt und die unterschiedlichen Anforderungen der Verbände haben manchen Kompromiss in der Vorgehensweise gefordert", so Kurt Gärtner, Geschäftsführer von DFB Medien. So wurden zunächst die Lösungen entwickelt, die die Verbände noch nicht in Eigenregie umgesetzt hatten, erst anschließend die bereits vorhandenen Prozesse standardisiert. "Aus systemtechnischer Sicht wäre eine andere Reihenfolge der zu programmierenden Anwendungen einfacher gewesen, da so immer wieder mit Schnittstellen und Übergangslösungen operiert werden musste", räumt Gärtner ein.