Anwenderstudie IT-Kompass

IT 2013 - Mobil, sicher und nachhaltig

Wolfgang Herrmann
Wolfgang Herrmann ist Chefredakteur der CW-Schwesterpublikation TecChannel. Er war zuvor stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Data Center, Virtualisierung, Open Source und Cloud Computing. Er studierte Betriebswirtschaft und arbeitete unter anderem für den Vogel Verlag, den PC Magazin Verlag und die Suse Linux AG.
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Für deutsche IT-Verantwortliche gewinnt das Thema Mobile Devices weiter an Bedeutung. Zugleich müssen sie einen sicheren und energieeffizienten IT-Betrieb garantieren. Die Anwenderstudie IT-Kompass von COMPUTERWOCHE und IDC nimmt die wichtigsten IT-Themen unter die Lupe.

Die Mobility-Welle hat die Unternehmen voll erfasst und stellt IT-Manager vor wachsende Herausforderungen. Das ist ein Ergebnis des IT-Kompass 2013. Ein anderes lautet: In den Rechenzentren gibt es in Sachen Effizienz und Standardisierung durchaus noch Luft nach oben. Fragt man deutsche IT-Verantwortliche nach den wichtigsten Hardwarethemen, steht der Komplex "Server-Konsolidierung/-Virtualisierung" nach wie vor ganz oben. Eine aktuelle Capgemini-Umfrage unter IT-Entscheidern aus dem deutschsprachigen Raum kommt zu ähnlichen Ergebnissen: Das Topthema für 2013 heißt Virtualisierung.

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Die wichtigsten Hardwarethemen: Server-Konsolidierung und -Virtualisierung bleibt für deutsche IT-Manager ein vorrangiges Hardwarethema. Angaben in Prozent;
Die wichtigsten Hardwarethemen: Server-Konsolidierung und -Virtualisierung bleibt für deutsche IT-Manager ein vorrangiges Hardwarethema. Angaben in Prozent;

Entsprechend führen die Teilnehmer der IT-Kompass-Umfrage nach der IT-Sicherheit die Themen IT-Performance und -Verfügbarkeit ganz oben auf der Prioritätenliste. Um diese Ziele zu erreichen, "standardisieren, konsolidieren und modernisieren die Unternehmen weiter ihre IT-Landschaften", kommentiert IDC-Analyst Matthias Kraus die Ergebnisse, denn: "Der IT-Wildwuchs ist noch lange nicht gelichtet." Die Ergebnisse verdeutlichten, dass es in den Unternehmen noch genug zu tun gebe, um den operativen IT-Betrieb sicherer, effizienter und entsprechend den gesetzlichen Anforderungen (Stichwort: Compliance) zu gestalten.

Dazu gehört für IT-Verantwortliche immer häufiger der Rollout und die Adminis-tration mobiler Endgeräte wie Tablets oder Smartphones. Im Vergleich zum Vorjahr hat das ohnehin schon als wichtig eingeschätzte Thema noch einmal an Bedeutung gewonnen und um weitere drei Prozentpunkte zugelegt. "Die zunehmende Mobilität in Unternehmen und die Anforderung der Anwender, überall und jederzeit effizient arbeiten zu können, zeigt sich auch in den Präferenzen der Umfrageteilnehmer", erläutert IDC-Analystin Jennifer Waldeck. Erstmals fragten IDC und die Computerwoche auch nach der Bedeutung des Trendthemas Bring your own Device (ByoD), das etwas überraschend nur 16 Prozent der Befragten als vorrangig nannten.

Deutlich mehr IT-Entscheider als im Vorjahr wollen die Energiekosten ihrer Hardware senken. Hier spiegeln sich die zum Teil erheblich gestiegenen Aufwendungen für die allgemeine Energieversorgung der Unternehmen wider. Für die Hardwarehersteller muss das keine schlechte Nachricht sein. Gerade im Server-Markt haben die großen Player, aber auch etliche Newcomer unter den Komponenten-Zulieferern energiesparende Techniken und Features als Verkaufsargument entdeckt und ihre Produkte darauf ausgerichtet.

Die Zufriedenheit mit den Hardwareanbietern ist im Jahresvergleich leicht gesunken und wieder auf einem ähnlichen Niveau wie in den Vorjahren. Das gilt sowohl für die Qualität und die Preise der Produkte als auch für den Kundendienst. Vor allem im Vergleich mit den Softwareherstellern fallen die Zufriedenheitswerte für die Hardwarelieferanten deutscher Unternehmen aber noch immer deutlich höher aus.

Mobile-Device-Management wird zum Schlüsselthema

Geht es um die Prioritäten im Softwarebereich, zeigt sich erneut die gewachsene Bedeutung mobiler Endgeräte. Der erstmals abgefragte Begriff Mobile-Device-Management (MDM) schaffte es auf Anhieb auf Platz zwei der bedeutendsten Softwarethemen.

Die wichtigsten Softwarethemen: Die Verwaltung und Kontrolle mobiler Geräte über MobileDevice-Management (MDM) beschäftigt die Unternehmen. Angaben in Prozent;
Die wichtigsten Softwarethemen: Die Verwaltung und Kontrolle mobiler Geräte über MobileDevice-Management (MDM) beschäftigt die Unternehmen. Angaben in Prozent;

Davon abgesehen ist in den Unternehmen eher "Evolution als Revolution" zu beobachten, wie es IDC-Experte Matthias Zacher ausdrückt. Mittelfristig werde sich dies kaum ändern: "Business-Applikationen und Infrastrukturlösungen stehen weiterhin auf der Anwenderagenda." Die meisten Softwarethemen legten hinsichtlich ihrer Relevanz leicht zu; ganz oben steht die Migration auf ein neues Betriebssystem. "Die Umstellung auf Windows 7 ist in vollem Gange", interpretiert Zacher die Ergebnisse. "Wie sich Windows 8 entwickeln wird, bleibt abzuwarten."

Wachstum im Bereich der Business- und Produktivitäts-Software erwartet IDC vor allem in den Segmenten Business Analytics, Human- Capital-Management (HCM) und kollaborative Anwendungen. CRM-Lösungen würden um Social-Komponenten erweitert. Gleichwohl zählen lediglich 13 Prozent der Teilnehmer den erstmals abgefragten Begriff Social Networking zu den wichtigsten Softwarethemen. Ähnlich schwach ausgeprägt ist das Interesse am Thema Big Data, das sechs Prozent der Befragten nannten. Hier dürften die vielen unscharfen Definitionen des Begriffs und die unterschiedlichen Interpretationen der Hersteller eine gewichtige Rolle spielen.

Dessen ungeachtet prognostizieren die IDC-Experten tiefgreifende Veränderungen durch neue Konzepte und Techniken. "Cloud-Services, das Bereitstellen von Software als Service und als App sowie Big Data werden einen wesentlichen Einfluss auf die Neu- und Weiterentwicklung von Anwendungen haben", erwartet Zacher. Beim Erstellen und Verteilen neuer Applikationen spielten Cloud-Services und -Plattformen künftig eine zentrale Rolle.

Eher mäßig bewerten deutsche IT-Verantwortliche ihre Softwarelieferanten. Die Zufriedenheit mit den Anbietern ist im Vergleich zum Vorjahr gesunken und pegelt sich damit auf einem ähnlichen Niveau wie im Jahr 2010 ein. Im Durchschnitt vergeben die Anwender die Note 2,7 (2011: 2,5 und 2010: 2,7). "Die Lizenz- und Preispolitik der Anbieter bleibt aus Anwendersicht ein Dauerärgernis", urteilt Zacher. Während die Hersteller bei den Lizenzen durchaus Nachlässe gewährten, gäben sie sich in puncto Wartungsgebühren häufig unbeweglich, so der IDC-Mann: "Die befragten Firmen erwarten von den Anbietern transparente und flexible Preismodelle bei Lizenzen und Wartung, verbunden mit Verlässlichkeit und Nachvollziehbarkeit."

ITIL gewinnt an Bedeutung

Wenig Veränderungen gibt es im Bereich der IT-Services. Die Erhöhung der Service-Levels der internen IT und der Betrieb des Helpdesks sind für die Befragten auch im Jahr 2013 vorrangige Aufgaben. Eine anhaltend hohe Priorität genießt die Qualifizierung der IT-Belegschaft als drittwichtigstes Thema. Auf dem Weg zu einem effizienten und zugleich flexiblen alltäglichen IT-Betrieb sehen die Umfrageteilnehmer das ITIL-Framework als probates Mittel. Die Bedeutung des Themas stieg im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozentpunkte.

Die wichtigsten IT-Servicethemen: Hohe Service-Levels der IT und ein guter Support bleiben die wichtigsten Themen im Bereich der IT-Services. Das ITIL-Framework gewinnt an Bedeutung. Angaben in Prozent;
Die wichtigsten IT-Servicethemen: Hohe Service-Levels der IT und ein guter Support bleiben die wichtigsten Themen im Bereich der IT-Services. Das ITIL-Framework gewinnt an Bedeutung. Angaben in Prozent;

Aus Sicht von IDC befindet sich die IT-Industrie in einem Wandel, der nur alle 20 bis 25 Jahre stattfinde und eine neue Plattform für Wachstum und Innovation mit sich bringe. Diese sogenannte dritte Plattform umfasse Themen wie Mobilität, Cloud-Services, mobile Breitbandnetze, Social Media und Big Data Analytics. Sie ähnelt damit stark dem von Gartner propagierten Modell des "Nexus of Forces", sprich dem Kräfteverbund aus Cloud, Mobile, Social und Information (Big Data).

Unterm Strich bringen diese Entwicklungen laut IDC technologische und organisatorische Umwälzungen mit sich, die Unternehmen vor immer neue Herausforderungen stellten. Um sie zu meistern, sei einerseits eine kontinuierliche Weiterbildung der IT-Mannschaft erforderlich. Andererseits setzten die Verantwortlichen vermehrt auf externe IT-Beratung, was den gestiegenen Wert für dieses Servicethema erkläre (2012: 21 Prozent; Vorjahr: 15 Prozent).

Geht es um die geplanten Ausprägungen des Outsourcings, steht die Infrastruktur (Server, Rechenzentrum) erneut an erster Stelle. IDC bezeichnet diese Art des Outsourcings als Commodity, das wenig Mehrwert biete. Dennoch eröffne sich hier noch immer Potenzial. Aus der Umfrage ergibt sich eine leicht gestiegene Nachfrage. Auf Platz zwei der Outsourcing-Varianten steht das Thema Application Hosting, das IDC als Vorstufe des Cloud Computing sieht.

Generell sei das Thema Cloud Computing in den Sourcing-Strategien deutscher Unternehmen fest verankert und nicht mehr wegzudenken, beobachten die Marktforscher. Konkrete Bedenken bezüglich der Verfügbarkeit, Integration und Sicherheit von Cloud-Services hätten dazu geführt, dass zwei Drittel der befragten Firmen im Rahmen des IT-Kompass 2013 bislang noch keine Nutzung von Cloud-Services planten (siehe Kasten Seite 18: "Hybrid Cloud Computing").

IT-Abteilungen sollten allerdings mit der weiteren Einführung von Cloud Computing nicht zu lange zögern, rät IDC-Analyst Kraus. Denn die Fachbereiche erwarteten eine schnellere und flexiblere Unterstützung ihres Business und ihrer Prozesse: "Werden die Anforderungen nicht erfüllt, nutzen viele Fachabteilungen sowohl kostenpflichtige als auch kostenfreie Cloud-Services ohne die Einbeziehung der IT-Abteilung." Um einen Wildwuchs und Risiken zu vermeiden sei die IT gefordert, den Dialog mit dem Management und den Fachbereichen zu führen. Kraus: "Es gilt, die verschiedenen Interessen zu verbinden: Schnelle Unterstützung des Business auf der einen und Gewährleistung von Sicherheit und Compliance auf der anderen Seite." (wh)

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