Cloud Computing Trends 2017

IaaS bleibt der Wachstumsmotor für die Cloud

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Data Center, Virtualisierung und Big Data.
Für viele Markbeobachter war 2016 das Jahr, in dem Cloud Computing den Durchbruch in der klassischen Enterprise-IT geschafft hat. Das größte Wachstumspotenzial sehen sie im Segment Infrastructure as a Service (IaaS).

Für die drei "Hyperscaler" im Cloud-Geschäft, AWS, Microsoft und Google, war 2016 ein gutes Jahr. Die Umsätze wuchsen kräftig und immer mehr Unternehmen zeigten sich bereit, ganze Rechenzentren zu schließen und selbst geschäftskritische Workloads in die Cloud zu verlagern. Was wird 2017 bringen? Lesen Sie, was die großen Marktforscher für den IaaS-Markt prognostizieren.

Bis zum Jahr 2020 wird der Cloud-Markt weltweit ein Umsatzvolumen von 236 Milliarden Dollar erreichen, prognostiziert Forrester.
Bis zum Jahr 2020 wird der Cloud-Markt weltweit ein Umsatzvolumen von 236 Milliarden Dollar erreichen, prognostiziert Forrester.
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Trend 1: Die Umsätze wachsen weiter

Forrester Research rechnet für den gesamten Cloud-Markt mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 22 Prozent. Die weltweit getätigten Umsätze sollen demnach 2017 auf 146 Milliarden Dollar steigen. 2015 lag der Wert noch bei 87 Milliarden Dollar, bis zum Jahr 2020 könnte der weltweite Cloud-Markt auf ein Volumen von 236 Milliarden Dollar wachsen. Das Segment Infrastruktur und Plattformen legt mit einer durchschnittlichen Rate von 35 Prozent noch schneller zu als der SaaS-Bereich und wird Forrester zufolge 2017 ein Umsatzvolumen von 32 Milliarden Dollar erreichen.

"Der Markt wächst schneller, als wir das noch 2014 erwartet hatten", kommentiert Forrester-Analyst Dave Bartoletti die Entwicklung. "Wir mussten unsere Prognosen nach oben korrigieren." Cloud-Konzepte verbreiteten sich in Unternehmen sogar rascher als einst Virtualisierungstechniken.

Trend 2: Die Cloud 2.0 erscheint am Horizont

Angesichts des massiven Wachstums sieht IDCs Chefanalyst Frank Gens bereits die "Cloud 2.0" am Horizont. Nach seiner Einschätzung bewegen sich Cloud-Szenarien weg vom Experimentierstadium und hin zu einem massenhaften Einsatz in Unternehmen. Bis 2018 würden 60 Prozent der Enterprise IT Workloads off-premises abgewickelt, prognostiziert er. 85 Prozent der Unternehmen verfolgten dabei eine Multi-Cloud-Strategie. Eine gute Nachricht hat Gens auch für die zahlreichen Channel-Unternehmen, die sich ein Stück vom Umsatzkuchen sichern wollen: Bis 2020 könnten die Cloud-Provider mehr als 70 Prozent ihrer Umsätze über Channel Partner beziehungsweise spezialisierte Broker generieren.

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Trend 3: Machine Learning und Künstliche Intelligenz

Wer den einen großen Trend sucht, der die Strategien der Cloud-Provider 2017 prägt, wird schnell fündig. Alle drei Cloud-Giganten stürzen sich auf die Themen Machine Learning und Künstliche Intelligenz (Artificial Intelligence, AI) und kündigten entsprechende Services oder gleich ganze Plattformen an. Google beispielsweise präsentierte mit TensorFlow eine Open-Source-basierte Machine-Learning-Platform, Microsoft stellte ebenfalls eine Cloud-basierte Plattform für Machine Learning vor. Amazon Web Services (AWS) kündigte auf seiner Konferenz re:Invent neue Machine-Learning-Services an. 2017 sind weitere Dienste dieser Art zu erwarten. Die zentrale Botschaft lautet in vielen Fällen: Auch für nicht spezialisierte Softwareentwickler wird es künftig einfacher, solche Technologien zu nutzen und in ihre Cloud-Anwendungen zu integrieren.

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Trend 4: Serverless Computing

Ein relativer neuer Trend, der 2015 aufkam und 2016 an Bedeutung gewann, heißt Serverless Computing. Dahinter steckt die Idee, Anwendungen zu entwickeln, ohne dabei die Provisionierung von Infrastruktur-Ressourcen zu berücksichtigen. Der Entwickler muss sich nicht mehr direkt mit den zur Ausführung benötigten Servern beschäftigen. Diese Aufgabe übernimmt der Cloud-Service eines Anbieters. Der Programmierer lädt einfach seinen Code hoch und der Cloud-Service erledigt die Administration der dafür erforderlichen Serverinfrastruktur inklusive der Server- und Betriebssystemwartung.

AWS hat dazu bereits 2015 seine Lambda-Platform vorgestellt; Microsoft zog mit Azure Functions nach. Seit kurzem ist auch der Serverless-Computing-Dienst OpenWhisk von IBM auf der Bluemix-Plattform des Anbieters verfügbar. Trotz solcher Angebote befindet sich Serverless Computing nach Einschätzung von Experten noch in einem frühen Stadium. Für 2017 seien weitere Dienste und mehr Einsatzszenarien, insbesondere im IoT-Umfeld, zu erwarten.