Firmen kritisieren unmotiverte Bewerber

Ingrid Weidner arbeitet als freie Journalistin ín München.
Die Jobaussichten im IT-Umfeld sind zwar passabel, doch viele Unternehmen zögern, neuen Mitarbeitern eine Festanstellung anzubieten. Über die Gründe diskutierte eine Expertenrunde im Karrierezentrum der COMPUTERWOCHE auf der Systems in München.

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  • wie sich der IT-Arbeitsmarkt in der Region München entwickelt;

  • welche Anforderungen Arbeitgeber stellen;

  • welche Qualifikationen die Bewerber mitbringen müssen.

  • wann Unternehmen kompromissbereit sind.

"Wir haben Jobs und geben sie sogar her", wirbt Frank Mang, Partner beim IT-Beratungsunternehmen Accenture, um neue Mitarbeiter. Outsourcing und Offshoring sieht der Accenture-Mann deshalb als Chance für IT-Experten und weniger als Schreckgespenst. Allerdings habe sich in der vergangenen fünf Jahren das Anforderungsprofil stark verändert: "Reines IT-Wissen allein reicht nicht aus. In der Beratung sind Soft Skills, Flexibilität und Mobilität besonders gefragt." Accenture biete den neuen Mitarbeitern auch keine geregelte 40-Stunden-Woche, hohe Reise- und Lernbereitschaft müssten die Bewerber auf jeden Fall mitbringen. Doch daran hapere es. In den vergangenen Jahren setzten selbst Hochschulabsolventen verstärkt auf Sicherheit. "Behörden gehören inzwischen zu den beliebtesten Arbeitgebern", merkt Mang verwundert an.

Auch Sissi Closs, Gründerin und Chefin von Comet Computer aus München, kritisiert die mangelnde Begeisterungsfähigkeit. Closs unterrichtet an der Fachhochschule in Karlsruhe und kennt deshalb viele Studierende, deren berufsbezogene Gleichgültigkeit sie überrascht. Ein Grund für das geringe Engagement könnte die fehlende Perspektive sein; als Hochschullehrerin erlebt Closs häufig, dass Praktikanten mit Aufgaben betraut werden, für die sonst feste Mitarbeiter beschäftigt werden. Um eine berufliche Chance zu bekommen, müssten Studenten flexibel und eigenständig sein.

"Studenten sind nicht faul; ihnen ist der Sinnbezug in der Arbeit wichtig", widerspricht Walter Spitz von der Münchner Arbeitsagentur dem schlechten Image, das den Hochschülern angeheftet wird. Die bloße Karriere den jungen Leuten nicht so wichtig. Gerade deshalb wirkten sich Nachrichten über Bestechung und persönliche Bereicherung von Managern demotivierend aus. Die Signale am IT-Arbeitsmarkt gäben keinen Anlass zur Entwarnung: "Viele Firmen stellen neue Mitarbeiter nur für Projekte, befristet oder über Zeitarbeitsverträge ein." Kleinere Unternehmen, die Security-Branche, Beratungsfirmen und Call-Center suchen dagegen weiterhin neue Mitarbeiter. Deshalb appelliert Spitz an die Bewerber, Großunternehmen eher zu meiden und sich stattdessen bei kleineren und mittelständischen Firmen umzusehen. Bei der Münchner Arbeitsagentur sind momentan nur 250 freie IT-Jobs gelistet.