Entwicklung der Business-Software

Das Unternehmen der Zukunft ist digital

Wolfram Jost ist Technologievorstand der Software AG
IT macht den Unterschied und wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Denn nur digitalisierte Unternehmen können ihren Kunden die exakt passenden Informationen und Services bereitstellen. Voraussetzung dafür sind Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Firmen brauchen deshalb eine neue Art von Applikations-Plattform, mit der sie schnell differenzierende Anwendungen entwickeln können, die stets auf der Höhe der Zeit sind.

In der IT gab es häufig Trends, denen Unternehmen folgen konnten - oder sich bewusst entschieden, das nicht zu tun. Die Verantwortlichen in den Unternehmen hatten also eine Wahl: Man wägte Vor- und Nachteile ab, machte Pläne, Aufstellungen und Powerpoints und kam schließlich zu einem Ergebnis - zu dem allerdings meist auch mehrere Alternativen existierten. Nicht so bei der Digitalisierung. Wer im aktuellen, anspruchsvollen Wettbewerbsumfeld überleben will, hat zur Digitalisierung keine Alternative. Sie stellt mehr dar als nur Automatisierung oder die bloße Einführung von "neuer" IT.

Digitalisierung bedeutet mehr als nur Automatisierung oder die bloße Einführung von "neuer" IT.
Digitalisierung bedeutet mehr als nur Automatisierung oder die bloße Einführung von "neuer" IT.
Foto: Mopic, Fotolia.com

Im Zentrum der Digitalisierung steht die Verbindung der realen (physische Objekte) mit der virtuellen (Geschäftsprozesse) Welt. Der Kunde bildet dabei in einem Maße den Dreh und Angelpunkt, neben dem das bisherige Dogma "Der Kunde ist König!" wie eine unscheinbare Banalität wirkt: Heute geht es darum, dem Kunden exakt die Informationen und Services bereit zu stellen, die er zu jeder Zeit, an jedem Ort, noch dazu maßgeschneidert auf die eigenen Konsumgewohnheiten, benötigt - die "digitale Konfektionsgröße" im übertragenen Sinne. Kunden bekommen mehr Einfluss auf die Unternehmen, als das bisher vorstellbar war.

Dazu muss man den Nutzer der eigenen Produkte oder Dienstleistungen jedoch bestmöglich kennen - seine Eigenschaften, Vorlieben, Interessen, Besonderheiten. Nur so lassen sich Streuverluste bei der Ansprache vermeiden. Für Unternehmen mutiert der Kunde somit vom weitestgehend unbekannten Objekt, das am Ende der Wertschöpfungskette steht, zu einem individuellen Partner, der als das höchste Gut im Unternehmen zu behandeln ist und langfristig gebunden werden will. Customer Engagement Management ist das Zauberwort, das sich Unternehmen der Zukunft auf die Fahnen schreiben werden (müssen).

Doch wie gelingt die Umsetzung? Kein leichtes Unterfangen kommt da auf die Unternehmen zu, und nur mit Hilfe von IT kann die digitale Transformation gelingen. Die IT ist das Business und macht den Unterschied im Kampf gegen die Konkurrenz. Mit Hilfe von IT können Unternehmen alle relevanten Daten sammeln, sie analysieren und so dem Kunden passgenaue Informationen sowie Dienstleistungen zur Verfügung stellen. Und das Ganze in Echtzeit.

Datenmonopol wird aufgebrochen

IT entwickelt sich damit zum Kerngeschäft und so zum zentralen Wettbewerbsfaktor eines Unternehmens - unabhängig davon, in welcher Branche die Firma eigentlich tätig ist. So sind zum Beispiel Finanzdienstleistungen nicht mehr länger nur Banken oder Versicherungen vorbehalten. Unternehmen wie etwa Google, Alibaba oder Amazon verfügen mittlerweile über mehr und bessere Daten von ihren Nutzern als je zuvor. Auf dieser Basis könnten sie nun selbst Banking-Dienstleistungen anbieten oder Versicherungen verkaufen.

Daten bilden mittlerweile den wichtigsten Rohstoff für Unternehmen. Auch die Maschinenbauer und Automobilhersteller werden immer mehr "IT" in ihre Produkte einbauen, um damit Daten zu sammeln, auf deren Basis wiederum innovative Services entwickelt werden können. Wer den Rohstoff Daten in ausreichender Menge besitzt und effektiv einsetzt, wird Erfolg haben. Mit der Digitalisierung wird das Datenmonopol der existierenden Unternehmen aufgebrochen.

Um für die neuen Herausforderungen gewappnet zu sein, brauchen Unternehmen eine flexible Applikationsinfrastruktur, mit der sich Anwendungen zu jeder Zeit schnell und einfach entwickeln und an die aktuellen Gegebenheiten anpassen lassen. Die Wirklichkeit sieht aber noch anders aus. Ursprünglich versuchten die Firmen mit Individualsoftware die Anforderungen ihrer Fachbereiche zu erfüllen. Aber deren Entwicklung ist teuer, dauert lange und führt häufig nicht zum gewünschten Ergebnis. Alles muss alleine erarbeitet werden.

Standardsoftware sollte dieses Dilemma auflösen, jedoch sind standardisierte Lösungen häufig das Gegenteil von Agilität und kurzen Innovationszyklen. Sie standardisieren die Unternehmensprozesse, bieten aber kaum Möglichkeiten, sich von der Konkurrenz abzuheben und damit zu differenzieren. Standardapplikationen sind nicht dafür gebaut, um sich ständig an die sich schnell ändernden Anforderungen des Geschäfts anzupassen. Das war nie das Ziel ihrer Entwicklung. Es ging eher um Konsolidierung und Automation. Diese Systeme (ERP, SCM, CRM, HR, etc.) werden zwar nicht verschwinden. Keinesfalls - sie werden noch lange eingesetzt. Aber sie sind definitiv nicht mehr die Basis für die zukünftigen Innovationen.