Touchscreen-Flaggschiff

Blackberry Z10 im Praxistest

Manfred Bremmer
Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Email:
Connect:
Schafft es der in Blackberry umfirmierte Smartphone-Veteran Research in Motion (RIM) mit einem komplett neuentwickelten Betriebssystem und neuen Geräten die Gunst der Smartphone-Kundschaft zurückzugewinnen? Wir haben das Touchscreen-Flaggschiff Blackberry Z10 unter die Lupe genommen.

Obwohl der kanadische Hersteller besonders in westlichen Industrieländern schon seit längerem mit Problemen kämpfte, hat es doch eine halbe Ewigkeit gedauert, bis er mit Blackberry 10 und den zwei Smartphones Z10 und Q10 ein nach eigener Ansicht adäquates Gegenmittel für den Umsatzschwund und die rückläufige Marktanteile fertiggestellt hat. Doch reicht das Gesamtpaket für ein Comeback? Die COMPUTERWOCHE hatte die Gelegenheit, das Z10 auf Leib und Nieren zu prüfen.

Der erste Eindruck

Wenn es stimmt, dass der erste Eindruck entscheidet, hat das Blackberry Z10 am Verkaufsstand schon einmal gute Karten: Das Gerät hat fast nichts mehr mit den klassischen Blackberrys gemein, sondern erinnert mit seinem 4,2 Zoll großen Touchscreen, der langgestreckten Form und den abgerundeten Ecken entfernt an das iPhone 5. Allerdings beugt das Blackberry-Logo an der Unterseite allzu vorschnelle Verwechslungen vor, im Gegensatz zu dem Apple-Smartphone kommt das Z10 außerdem ohne Home-Button aus – Blackberry setzt stattdessen auf Gestensteuerung, auf die später näher eingegangen wird.

Auch sonst haben sich die Kanadier bei den physischen Tasten zurückgehalten, neben dem An/Aus-Schalter am oberen Rand findet sich nur von vorne gesehen rechts an der Seite eine Schaltwippe für die Lautstärkenregelung und die Sprachsteuerung. Am linken Rand sitzen die Buchsen für microSD- und microHDMI-Anschluss, oben ist außerdem die Aufnahme für 3,5-Millimeter-Klinkenstecker angebracht. Die Verarbeitung ist in Ordnung, die Spaltmaße stimmen, lediglich der gummierte Rückdeckel steht an der Unterseite ein klein wenig weit ab. Was das Gewicht angeht, liegt das Z10 gut in der Hand, mit 137 Gramm bewegt es sich in etwa auf Höhe des Samsung Galaxy SIII (133 Gramm) oder des iPhone 4S (140 Gramm), das iPhone 5 ist dagegen mit 107 Gramm spürbar leichter.

Wettbewerbsfähige Hardware

Gemessen an der Hardware-Ausstattung wäre das Z10 im vergangenen Jahr noch weit vorne mitgeschwommen, inzwischen kommt es zumindest auf dem Papier nicht mehr ganz an die Smartphone-Flaggschiffe anderer Hersteller heran. So wird das neue Blackberry statt der üblichen, wenn auch nicht unbedingt notwendigen Quad-Core-CPU „nur“ von einem Dual-Core-Prozessor von Qualcomm mit 1,5 Gigahertz Taktung angetrieben. Diesem stehen aber immerhin zwei Gigabyte Arbeitsspeicher zur Seite, so dass das Gerät nicht so leicht aus der Puste kommt. Lediglich beim Wechsel von vertikaler zu horizontaler Ansicht ist eine deutliche Verzögerung zu erkennen, was aber auch andere Gründe haben kann.
Von der Antriebseinheit einmal abgesehen ist das Z10 aber weitgehend auf der Höhe der Zeit. So löst der 4,19 Zoll große TFT-Touchscreen mit 1280 mal 768 Bildpunkten auf, das Gerät funkt neben UMTS und HSPA+ auch mit LTE und n-WLAN, außerdem gehören A-GPS, Bluetooth-4.0, NFC- sowie DLNA- und HDMI-Unterstützung zur Ausstattung. Die 8-Megapixel-Kamera ist mit einem Autofokus und LED-Blitz ausgestattet und nimmt HD-Videos in 1080p auf. Die Zwei-Megapixel-Kamera auf der Vorderseite schafft immerhin 720p-Videos. Der interne Speicher umfasst 16 GB und kann durch eine SD-Speicherkarte um bis zu 32 GB erweitert werden.

Etwas unterdimensioniert angesichts des großen Touchscreens und der LTE-Unterstützung erscheint die Akkukapazität mit 1800 mAh. Im Praxistest zeigte sich zwar, dass das Z10 bei mittlerer Nutzung immerhin einen Arbeitstag ohne Boxenstopp durchhält, an die Laufzeiten eines klassischen Blackberrys kommt es allerdings bei weiten nicht heran.