Touchscreen-Flaggschiff

Blackberry Z10 im Praxistest

Manfred Bremmer
Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
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Interessante Extras für Beruf und Freizeit

Generell sind es die Extras, die Blackberry 10 interessant machen, auch wenn vieles auch bei Android und iOS zu finden ist – wenn auch in einer Zusatz-App. Dazu zählt unter anderem der Foto-Editor mit Effekten und Filtern sowie einer Timeshift-Funktion oder die virtuelle Tastatur mit „Swiftkey“-Technologie. Sie unterstützt die Nutzung von drei Sprachen gleichzeitig, lernt Vokabeln und macht darauf basierend während des Tippens Wortvorschläge. Diese werden diese bei der Texteingabe direkt über dem nächsten potenziellen Buchstaben eingeblendet und können so schnell mit einer Wischgeste nach oben verwendet werden. Wie sich im Test zeigte, ist das Prinzip durchaus praxistauglich: Man kommt relativ flott voran und spart sich vor allem die Zeit, um zwischen den einzelnen Wörtern die Leertaste zu drücken.

Ein Highlight und sicherlich das Alleinstellungsmerkmal der Plattform ist das seit Blackberry OS 7 deutlich überarbeitete Blackberry Balance zur Trennung von beruflicher und privater Smartphone-Nutzung. Während das Blackberry Z10 ansonsten auch gut ohne BES und Ähnliches auskommt und etwa mit Activesync Mails, Kontakte und Kalenderdaten synchronisiert, ist hierzu allerdings der Blackberry Enterprise Service 10 (BES10) als Verwaltungsinstanz nötig. Einmal mit dem Dienst verbunden, kann der Anwender auf dem Gerät mit einem einfachen Wisch zwischen zwei Icons wählen, ob er vom privaten in den beruflichen Modus wechselt – und umgekehrt. Entscheidet er sich für den geschäftlichen Bereich, werden die private Inhalte nach dem Einloggen komplett ausgeblendet, lediglich im Blackberry Hub gibt es noch eine Mischung aus Beruflichem und Privatem. Stattdessen kommen nur die bereits installierten Business-Apps zum Vorschein.

Zusätzliche Programme findet der Nutzer in der geschäftlichen Blackberry World – einer Art Corporate AppStore. Hier können Unternehmen ihren Anwendern erwünschte oder zumindest geduldete öffentliche Apps sowie eigene Enterprise-Anwendungen bereitstellen. Vorgeschriebene Anwendungen lassen sich Blackberry-typisch natürlich auch remote aufspielen. Über Policies kann die IT-Abteilung außerdem festlegen, dass Inhalte nicht per Cut & Paste in den persönlichen Bereich kopiert oder auf einer MicroSD-Karte gespeichert werden können. Im Business-Modus greift der Browser zudem via BES getunnelt auf Intranet, Internet etc. zu.

Fazit: Es bleibt spannend

Mit dem Z10 und Blackberry 10 als Plattform haben die Kanadier weitgehend die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Comeback erfüllt. Das Gerät bewegt sich von den Features her auf Augenhöhe mit der Konkurrenz, muss sich auch von der Optik nicht verstecken und lässt sich – nach etwas Übung auch recht zügig bedienen. Nett sind dabei vor allem Details in einzelnen Anwendungen, wie man sie schon vom Blackberry-OS kennt.

Kritische Punkte sind dagegen der mit über 600 Euro etwas hoch angesetzte Preis und die (derzeit noch?) geringe Anzahl an relevanten Apps. Angesichts dieser Bilanz bleibt abzuwarten, ob das Z10 im Markt reüssiert. Sicher werden treue Blackberry-Nutzer vom Z10 oder dem später erscheinenden Tastatur-Gerät Q10 begeistert sein, Android- oder iPhone-Nutzer damit zu einem Wechsel zu bewegen, dürfte dagegen schwieriger sein. Die besten Chancen weist das Z10 sicher im Business-Bereich auf, da es mit seinen zahlreichen Sicherheits-Features und Blackberry Balance eine praktikable Antwort auf die ByoD-Problematik verspricht – zumal sich mit dem BES10 auch Android- und iOS-Geräte verwalten lassen.