EMCs Kunden- und Partnerkonferenz 2012

„Big Data kommt schneller als man denkt“

Ariane Rüdiger ist freie Autorin und lebt in München.
Auf EMCs jährlichen Kunden- und Partnerkonferenz erläuterten hochrangige Manager des Unternehmens, wie sie sich die EMC-Zukunft vorstellen. Wenig überraschend spielen hier Cloud und Big Data dominante Rollen. Das Partnergeschäft soll massiv ausgebaut werden.
Am 4. September fand in Frankfurt am Main das 11. EMC Forum unter dem Motto "Transform IT + Business + Yourself" statt.
Am 4. September fand in Frankfurt am Main das 11. EMC Forum unter dem Motto "Transform IT + Business + Yourself" statt.
Foto: EMC

Rund 1200 Kunden und Reseller kamen am 3. und 4. September zum EMC-Forum nach Frankfurt, um sich dort über Visionen, Konzepte und Produkte der Nummer 1 bei Speichern zu informieren. Der Hersteller, der sich seit etwa 2003 durch mehr als 70 Zukäufe verstärkt hat, weltweit im vergangenen Jahr 22 Milliarden Dollar umsetzte und pro Jahr mehr als zwei Milliarden in Forschung steckt, peilt mit seinen Produkten rund um die Speicherung, Sicherung und seit Neuestem auch Auswertung von Daten längst nicht mehr nur Großunternehmen an. Zielgruppe sind sämtliche Marktsegmente.

Weil das eigene Personal nicht reicht, um Mittelstand und KMU zu erreichen, werden massiv Partner geworben - 350 sind es in Deutschland mittlerweile. Eine besondere Rolle spielen dabei die zukünftigen Cloud-Anbieter, die zum Beispiel im Rahmen des Velocity-Programms eingebunden werden. „Wir werden immer mehr Geschäft mit Serviceprovidern machen“, sagt Chuck Hollis, Vice President Global Marketing CTO bei EMC. Sie sollen mit EMC-Infrastruktur ihren Kunden IT-Services aller Art anbieten. Cloud ist für EMC denn auch einer der beiden Trends, auf die es in nächster Zeit ankommt. „Dabei geht es weniger um die Technologie als um eine andere Form, IT zu organisieren und zu beziehen“, betont Hollis.
Dass es EMC mit seinen Serviceprovider-Partnerschaften im Rahmen des Velocity-Programms ernst meint, zeigen erste praktische Beispiele: So präsentierte sich auf der Messe der Neu-Isenburger Backup-Dienstleister Inforsacom Informationssysteme GmbH. Bei ihm basieren die angebotenen Cloud-Backup-Services auf Avamar-Systemen.

Die Bedeutung von Cloud belegen auch die Ergebnisse einer vor der Veranstaltung durchgeführten Umfrage unter rund 200 registrierten Teilnehmern des EMC-Forum, welche die deutsche EMC-Geschäftsführerin Sabine Bendiek in Frankfurt präsentierte. Die Befragten halten Cloud mit 45 Prozent der Nennungen neben Zuverlässigkeit und Skalierbarkeit für eine Top-Priorität. 43 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die Cloud herkömmliche IT-Architekturen ersetzen wird. Nach Meinung von 47 Prozent der Befragten werden durch Cloud in den nächsten drei Jahren neue Positionen und Aufgaben entstehen. „Bei uns selbst wurden während der Migration zur Cloud-Infrastruktur 87 Prozent der IT-Positionen umdefiniert“, berichtete Hollis. Statt Spezialisten brauche man für die Cloud-Welt Generalisten, die die gesamte Infrastruktur durchschauen und verwalten können.

„Wir stecken mitten in einer großen IT-Transformation“, Sabine Bendiek, Geschäftsführerin EMC Deutschland
„Wir stecken mitten in einer großen IT-Transformation“, Sabine Bendiek, Geschäftsführerin EMC Deutschland
Foto: EMC

Durch den 80-Prozent-Anteil an VMware ist EMC für den weiteren Ausbau seiner Cloud-Aktivitäten bestens gerüstet. „Wir werden immer versuchen, die ersten zu sein, die neue EMC-Features auf dem kompletten Portfolio unterstützen“; verspricht Hollis. Der Wissensaustausch dürfte auch dadurch vereinfacht werden, dass mit Ex-VMware-Chef Paul Maritz jetzt ein hochrangiger Vmware-Manager zu EMC gewechselt ist, während EMC-Mann Pat Gelsinger nun für VMware arbeitet. „Wir gehen enger auf Vmware zu, damit die Produkte noch stärker integriert werden“, sagte Bendiek dazu.

EMC-Präsenz auf allen Märkten

Doch EMC ist heute auch im unteren Marktsegment immer präsenter. Besonders wichtig ist dabei das neue Joint Venture mit Serverhersteller Lenovo, in das Iomega einfließt und an dem EMC 49 Prozent hält. Es soll KMUs mit kombinierten Server-Storage-Lösungen versorgen. Ab 2013 können Lenovo-Händler EMC-Produkte verkaufen und umgekehrt.

Eher für Mid-Tier-Kunden sind die VNX-Produkte, die der Markt laut Bendiek gut annimmt, und die kürzlich angekündigte VSPEX-Initiative. „Die Vblocks von VCE (VMware Cisco EMC) kaufen vor allem große Kunden, die ein fertiges Rechenzentrum aus der Box wollen“; erklärt Hollis. Dagegen eröffne VSPEX Kunden und Partnern neue Möglichkeiten. Zur Erinnerung: Die zertifizierte Referenzarchitektur unterstützt mit Hyper-V, Citrix und natürlich Vmware die wichtigsten Hypervisoren, neben Cisco auch Brocade-Vernetzungsequipment sowie alle x86-Server und muss auch nicht in einem bestimmten Chassis stecken.

Nur EMC-Storage ist vorgeschrieben. Für einwandfreies Funktionieren und Service aus einer Hand garantiert EMC. Hollis möchte nicht ausschließen, dass die Zahl der von VSPEX unterstützten Produkte sich in Zukunft ausweitet. „Wir wollen den größten Teil des Marktes abdecken, aber mit so wenig wie möglich Anbietern“, erklärt er das Konzept. VSPEX bilde den Mittelweg zwischen komplettem Eigenbau der Cloud und den fertig konfigurierten Vblocks.

Im Markt scheint das Konzept anzukommen. Einer der 35 in Deutschland bislang zertifizierten VSPEX-Partner, Magirus, hat bereits vier Projekte mit fünfstelligen Volumina umgesetzt – eins im Bereich öffentlicher Verwaltung, eins bei einer Steuerberatungskanzlei und eins bei einer Automarktkette. „Die Kunden sind aus Kostengründen froh, wenn sie ihre bestehenden Server oder Netzwerkkomponeneten weiter nutzen können“ erklärte Martin Wiertalla, Sales Manager bei dem Unternehmen.

Strategisch sieht EMC Server und Storage enger zusammenwachsen. Je nach Aufgabenstellung seien dabei unterschiedliche Variationen möglich. „Wenn man sehr viele Daten hat, aber nur wenig rechnen muss, ist es sinnvoll, die Verarbeitung in eine virtuelle Maschine im Array zu verlagern“, sagt Hollis. Derartige Konzepte hat EMC auf der EMC World im Mai bereits vorgestellt, produktreif sind sie aber nicht. Grundsätzlich seien heutige Arrays meist ohnehin mit genug Rechenpower ausgestattet, um wenn nötig Compute-Aufgaben zu übernehmen, der umgekehrte Weg werde aber auch gegangen. General-Purpose-Server jedenfalls will EMC auf absehbare Zeit nicht anbieten.

Business-Transformation durch Big Data

„Cloud und Big Data verändern das Kerngeschäft“, Chuck Hollis, Vice President Global Marketing CTO
„Cloud und Big Data verändern das Kerngeschäft“, Chuck Hollis, Vice President Global Marketing CTO
Foto: EMC

Neben Cloud ist EMCs zweites Topthema Big Data. Mit Greenplum hat man hier eine Art Cockpit für Datenanalysten im Angebot. Diesen gerade im Entstehen begriffenen Berufsstand sieht EMC als den Schlüssel zum Erfolg der Technologie und auch für den eigenen Erfolg auf den Märkten. Folgerichtig hat der hersteller bereits einen Kursus für Datenanalyse-Spezialisten entwickelt, der sich, so Hollis, regen Interesses erfreut. Es gebe, so Hollis, zu diesem Thema kaum Angebote, obwohl hier eine vollkommen neue Aufgabe entstehe, die eine andere Ausrichtung erfordere.

Vielleicht nicht die schlechtesete Strategie, um Greenplum in den Markt zu bringen, denn wer sich erst einmal an bestimmte Benutzeroberflächen oder Tools gewöhnt hat, steigt nicht mehr gern um, wie das Beispiel Microsoft Windows belegt. Hier unterscheide man sich in der Herangehensweise massiv von IBM. „Wenn es um die Entwicklung spezifischer Lösungen geht, besteht IBMs Angebot an die Big-Data-Kunden vor allem in teurer Beratungsleistung über die Global Services. Wir wollen, dass unsere Kunden das nötige Wissen für ihre Analysen selbst erwerben und darin unabhängig von uns werden.“

Big Data sei kein Hype, sondern werde massiv von Geschäftsinteressen getrieben und komme deshalb viel schneller als viele denken, meinte Harris. Die Ergebnisse der EMC-Umfrage, nach denen 25 Prozent der Befragten demnächst mit Big-Data-Tools auseinandersetzen wollen.

Beispiele gibt es schon: Der in Frankfurt repräsentierte EMC-Partner N3 hilft TK-Anbietern, Störstatistiken auszuwerten, um letztlich teuren Kundenschwund zu verhindern. Bull, eher als Cloud-Integrator unterwegs, hat für Datenanalysen im Automotive-Bereich eigens eine Consultingfirma zugekauft. Hollis meint, mit Big Data ausgerüstete Versicherungen könnten zukünftig Tarife nur noch komplett individuell nach Risikowahrscheinlichkeit und vermuteter Zahlungsbereitschaft des Einzelfalles kalkulieren – für deutsche Verbraucher wohl eher ein Alptraum als ein Versprechen. Andere Einsatzfelder sind Einzelhandel, Finanzindustrie etc.

Dessen ist sich auch Hollis bewusst. „Wir raten jedem unserer Big-Data-Kunden, eine Governance-Struktur dafür zu errichten, die erklärt, welche Auswertungen gemacht werden dürfen und was man mit welchen Ergebnissen anfängt.“ Derzeit arbeiten EMCs Forschungsabteilungen an Lösungen, mit denen man Anfragen, die auf global verteilte, umfangreiche Datenbestände zugreifen müssen, dezenral durchführen und anchließend die Resultate zusammenfassen kann. „Solche Datenmassen zu zentralisieren, ist zu aufwändig, also brauchen wir Federated Queries. Aber das ist nur eine von vielen Fragen. Big Data steht erst ganz am Anfang, und wir sind dabei“, sagt Hollis. (mhr)