Ältere Mitarbeiter brauchen neue Aufgaben

Ina Hönicke ist freie Journalistin in München.
Noch haben ältere Computerprofis schlechte Karten, wenn es um die Suche nach einem neuen Job geht. Experten sind sich aber einig, dass einem gesunden Mix aus Alt und Jung die Zukunft gehört.

Bisher befassen sich vor allem Talkshows oder Bestseller-Autoren mit dem Thema "Deutschland altert". Die Personal-Manager der großen Unternehmen scheinen sich mit der demografischen Entwicklung und den Folgen für ihre Personalpolitik noch nicht auseinander gesetzt zu haben. Das mag auch daran liegen, dass die Unternehmen derzeit noch auf genügend Bewerber zurückgreifen können, wie das Zeitarbeitsunternehmen DIS AG in einer Studie über die Auswirkungen der demografischen Entwicklung auf den IT-Arbeitsmarkt festgestellt hat. Für die Zukunft prognostiziert DIS aber einen erheblichen Mangel an Fachkräften, zumal sich nach dem Niedergang der New Economy wieder wesentlich weniger Abiturienten für ein Informatikstudium erwärmen konnten. Gleichzeitig findet man laut DIS immer weniger ältere Mitarbeiter in den Unternehmen.

Hier lesen Sie...

  • was auf den IT-Arbeitsmarkt aufgrund der demografischen Entwicklung zukommt;

  • welche Rolle die älteren IT-Profis künftig spielen;

  • wie wichtig Veränderungsbereitschaft auf allen Seiten ist.

Firmen nutzen Erfahrungsschatz älterer Mitarbeiter kaum

Die OECD hat errechnet, dass hierzulande nicht einmal mehr 40 Prozent der 55- bis 64-Jährigen berufstätig sind. Zum Vergleich: In Schweden oder der Schweiz liegt die Quote deutlich über 60 Prozent. Grundsätzliche Vorurteile wie arbeitsrechtliche Vorbehalte gegenüber älteren Mitarbeitern sind für die deutsche Fehlentwicklung verantwortlich - so die Erfahrung des Zeitarbeitsunternehmens. Christina Mankus, Geschäftsbereichsleiterin der DIS IT: "Das wertvolle Potenzial älterer Beschäftigter, die in der Regel über einen großen Wissens- und Erfahrungsschatz verfügen, liegt in den Unternehmen größtenteils ungenutzt brach."

Christina Mankus, DIS: "Das Potenzial älterer Mitarbeiter liegt in Unternehmen oft ungenutzt."
Christina Mankus, DIS: "Das Potenzial älterer Mitarbeiter liegt in Unternehmen oft ungenutzt."

Zwar sei laut Umfragen das Bewusstsein für die Probleme durchaus vorhanden, der Einsicht indes würden keine Taten folgen. Mankus: "Um hier gegensteuern zu können, müssen sowohl die jüngeren Kollegen als auch das Management ihre prinzipielle Einstellung ändern." Es sei höchste Zeit, dass gerade die IT-Branche mit ihrem vergleichsweise jugendlichen Image sich von lieb gewonnenen, aber irreführenden Leitbildern verabschiedet. Die DIS-Managerin: "Erfolgreiche Teams werden künftig altersgemischte Teams sein. Ältere Mitarbeiter profitieren vom Wissen der Hochschulabgänger, diese im Gegenzug von den Erfahrungen der so genannten DV-Oldies." Den über 40-jährigen IT-Profis empfiehlt die DIS-Managerin, sich entsprechend den Markterfordernissen permanent weiterzubilden. Wenn die Unternehmen die Kosten für die Qualifizierung nicht übernehmen würden, solle man die Kurse eben selbst bezahlen. Mankus: "Diese Investition in die eigene Zukunft kann möglicherweise den Job retten."