Wo bleibt das papierlose Büro?

Sascha Alexander ist Manager Marketing & Kommunikation bei der QUNIS GmbH, Neubeuern, die auf Beratung und Projekte in der Business Intelligence, Big Data und Advanced Analytics spezialisiert ist. Zuvor war der Autor als Director Communications bei den Marktforschungs- und Beratungsunternehmen BARC und PAC tätig. Als ehemaliger Redakteur der COMPUTERWOCHE sowie Gründer und Chefredakteur des Portals und Magazins für Finanzvorstände CFOWORLD verbindet ihn zudem eine lange gemeinsame Zeit mit IDG.
Seine Themenschwerpunkte sind: Business Intelligence, Data Warehousing, Datenmanagement, Big Data, Advanced Analytics und BI Organisation.
Software für das Enterprise-Content-Management (ECM) ist gefragt, und das auch ohne Hype. Während das Angebot immer unübersichtlicher wird, steigen die Anforderungen an Anbieter und Anwender.

Wenn Hersteller, Analysten oder Berater heute von ECM sprechen, meinen sie alle irgendwie das Gleiche und doch oft etwas anderes. Grund ist, dass ECM als Sammelbegriff für sämtliche Produkte, Techniken und Prozesse verwandt wird, die strukturierte und unstrukturierte Informationen erfassen, bearbeiten, verwalten, publizieren und archivieren.

Zu einem tieferen Marktverständnis der Anwender, die mit stetig steigenden Dokumentenmengen zu kämpfen haben, hat der Begriff nur wenig beigetragen. Vielmehr sehen sich Unternehmen unterschiedlichsten Produkten gegenüber, die trotz ECM-Etikett meist nur Teilfunktionen und -prozesse wie das Dokumenten-, Web-Content- und Output-Management oder die Archivierung abdecken (siehe Grafik "Die vielen Gesich- ter von ECM"). Zugleich verschwimmen die Übergänge zwischen Collaboration, Dokumenten-Management, Web-Redaktionssystemen und anderen Content-Systemen.

Nicht nur Platzhirsche

Auch der deutsche Markt, der laut Schätzungen der Berater von Zöller & Partner im Jahr 2004 ein Gesamtvolumen zwischen 900 Millionen Euro und 1,1 Milliarden Euro hatte, ist stark fragmentiert. Neben internationalen Anbietern und Marktführern nach Umsatz wie EMC/Documentum, IBM, Filenet oder Open Text, die sich vor allem Großkunden ansprechen, sowie finanzstarken ECM-Playern wie SAP und Microsoft findet sich eine Vielzahl lokaler Anbieter. Deren Produkte passen oft funktional und preislich weitaus besser zur mittelständischen Klientel als die Software der Großen.

Dynamik im Markt

Konsolidierung und die darauf folgende drückende Dominanz einzelner Schwergewichte ist bisher nicht eingetreten - zumindest was das Marktvolumen betrifft. Vielmehr ist laut ECM-Experte Bernhard Zöller vor allem im Mittelstand ein überproportionales Wachstum zu erkennen, das nicht zuletzt auf den Preisverfall bei Servern und Speichertechnik zurückzuführen ist. Jüngste Übernahmen wie die von Red Dot Solutions durch Hummingbird, der Solitas Informatik durch Soft M oder die Fusion von Beta Systems mit Kleindienst Datentechnik zeigen aber auch, dass der ECM-Markt in Bewegung ist und Hersteller durch Zukäufe ihre Position verbessern möchten.