Top oder Flop?

Windows 8 - für Microsoft geht es um die Zukunft

Jürgen Hill
Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
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Gestern hat Microsoft Windows 8 auf den Markt gebracht. Ob sich der Einsatz im Enterprise lohnt, dazu unterscheiden sich die Meinungen.
Geht die Rechnung für Microsoft mit Windows 8 auf?
Geht die Rechnung für Microsoft mit Windows 8 auf?
Foto: Shutterstock/Christophe Rolland; Microsoft

Es ist das wohl größte Ankündigungsjahr in der Microsoft-Geschichte. Der Softwaregigant bringt jede Menge neue Produkte und Plattformen heraus, darunter Windows Server 2012, Windows 8, das neue Office und Windows Phone. Gleichzeitig verwandelt sich Microsoft - so der eigene Anspruch - vom Softwareunternehmen zu einem Anbieter von Cloud-Services. Diese Neuorientierung will der Konzern mit einer darauf ausgerichteten IT-Infrastruktur auf Servern, PCs, Notebooks, Smartphones sowie kommenden Geräteklassen begleiten. Windows 8, dessen Markteinführung in Deutschland am 25. Oktober gefeiert wird, ist Teil dieser Strategie.

Gerade dieser Wandel spiegelt sich auch im Design und der Funktionalität von Windows 8 wider. Ins Auge sticht das neue Kacheldesign, das den klassischen Startbildschirm ablöst. Zudem ist Windows 8 das Betriebssystem, mit dem Microsoft die unterschiedlichsten Plattformen unterstützen will. So kommen zu den klassischen PC-Prozessoren von AMD und Intel, auf denen das Betriebssystem läuft, nun auch Rechner mit ARM-Kern dazu. Insgesamt erwartet Microsoft, dass Windows 8 bis Juli 2013 bereits auf über 400 Millionen Geräten läuft. Interessanterweise geht Keith Lorizio, Vice President of US Sales and Marketing bei Microsoft, davon aus, dass sich die ARM-Variante von Windows 8 häufiger verkauft als die x86/x64-Versionen für PCs mit AMD- und Intel-Prozessoren.

Gerade diese Einschätzung unterstreicht, welche Ziele Microsoft mit Windows 8 verfolgt: Mit einem einheitlichen Plattform-Feeling, das sich von der Xbox über Smartphones und Tablets bis hin zum Desktop-PC erstreckt, soll verlorenes Terrain zurückgewonnen werden. Der Erfolg dieser Strategie hat für Microsoft existenzielle Bedeutung. Das Unternehmen verlässt sich bekanntlich auf eine homogene IT-Landschaft, in der vom Desktop über Server, Middleware, Standardsoftware (Office, Dynamics) und Kommunikationsplattformen (Exchange, Lync) bis hin zu Management-Plattformen (etwa System Center) ein Zahnrad in das andere greift. Zerbricht nun eines dieser Rädchen, etwa wenn im Zuge des Bring-your-own-Device- (ByoD-)Trends vermehrt Apple- und Android-Geräte in Unternehmen Einzug halten, droht ein kapitaler Getriebeschaden. Warum sollte ein Unternehmen noch die anderen Microsoft-Komponenten kaufen, wenn sie nur mit Microsoft-Clients optimal interagieren, diese aber sukzessive von der Bildfläche verschwinden, weil Anwender am Arbeitsplatz andere Devices bevorzugen? Das könnte auch eine Erklärung dafür sein, warum bei Microsoft mit Windows 8 der Privatkunde als potenzieller Nutzer im Vordergrund steht.

Im Video: Windows 8 - der Startscreen

Unterschiedliche Marktreaktionen

Im Vorfeld des Windows-8-Rollouts liegen bei Microsoft offenbar die Nerven blank. Auffällig beispielsweise, dass der kritische Windows-8-Blog eines Gartner-Analysten genauso schnell wieder aus dem Netz verschwand, wie er aufgetaucht war. Ob Microsoft bei Gartner interveniert hat, ist nicht bekannt. Mittlerweile lädt das Beratungshaus mit dem Statement "Mit Windows 8 steht Microsoft vor der großen Herausforderung, trotz der ständig neuen Möglichkeiten für mobile Endgeräte relevant zu bleiben" zum europäischen Symposium/ ITxpo im November nach Barcelona ein.

Zustimmend, aber mit einem warnenden Unterton begrüßt Hersteller Fujitsu das neue Betriebssystem: "Es bedeutet natürlich eine gewaltige Umstellung - auch auf Hardware-Herstellerseite. Der Vorteil dabei: Das Betriebssystem passt sich den Geräten an, nicht umgekehrt." Gleichzeitig versichert Microsoft, mit dem Service "Made4you" Hardware inklusive eines kundenspezifischen Preload ausliefern zu können, denn aufgrund der Sicherheitseinstellungen von Windows 8 sei es für die Anwender schwieriger geworden, eigene BIOS-Settings und Installationen zu nutzen.