Noch eine Woche bis zum Start

Windows 7 stärkt Microsofts Vormachtstellung

15.10.2009
Der Kampf gegen die Konkurrenz ist für Microsoft-Chef Steve Ballmer nicht nur eine Frage der Profession.
Steve Ballmer bei einer Pressekonferenz zu Windows 7 in München (Foto: Thomas Cloer)
Steve Ballmer bei einer Pressekonferenz zu Windows 7 in München (Foto: Thomas Cloer)

Auch zu Hause duldet der bullige Konzernführer keine Produkte der Wettbewerber. Daher dürfen seine drei Kinder nicht mit Google im Web suchen oder einen iPod von Apple benutzen. Und dass im Haus von Ballmer nur Rechner mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows laufen, ist ohnehin eine Selbstverständlichkeit.

Dabei könnte Ballmer - zumindest was den Markt der PC-Betriebssysteme angeht - gelassener agieren. Auf schätzungsweise 95 Prozent aller Personal Computer weltweit läuft eine Variante des Microsoft-Systems Windows. Und auch der Misserfolg von Windows Vista hat nur wenige Kunden zum Umstieg bewegt.

Zwar konnte Apple in der Vista-Ära seinen Marktanteil - auch mit Hilfe frecher Anti-Windows-Werbespots - leicht ausbauen. Doch aus der Perspektive der Microsoft-Zentrale in Redmond sind die einstelligen Prozentzahlen von Apple kaum relevant. Und auch das freie Betriebssystem Linux spielt im Segment der Desktop-PCs kaum eine Rolle.

Vista war von Microsoft im Januar 2007 mit einem gigantischen PR-Rummel auf den Markt gebracht worden und konnte dann häufig die Versprechen aus der Werbung nicht einlösen. "Vista war das größte Debakel in der Geschichte der Firma", zitiert "Forbes"-Journalist Jeffrey O'Brien einen ehemaligen ranghohen Microsoft-Manager. "Die Leute haben sich geschämt zu sagen, dass sie daran mitgearbeitet haben."

Windows 7 soll es richten und den Vista-Flop vergessen machen
Windows 7 soll es richten und den Vista-Flop vergessen machen

Mit dem neuen Windows 7, das am 22. Oktober und damit heute in einer Woche in die Läden kommt, scheint Microsoft gerade rechtzeitig noch einmal die Kurve gekriegt zu haben. In den Rezensionen der Fachzeitschriften erntet das System gute Noten. Das wird viele private PC-Anwender zum Umstieg auf Windows 7 bewegen, die entweder unter den Macken von Windows Vista gelitten haben oder noch immer mit Windows XP arbeiten.

Aber auch viele IT-Manager in Unternehmen und Organisationen beschäftigen sich mit dem Wechsel auf das neue System. Während Windows Vista von den Profi-Anwendern häufig gemieden wurde, scheint nun die Zeit zum Umstieg reif. Windows 7 sei "quasi unabwendbar", erklärte auch das Marktforschungsunternehmen Gartner. Gleichzeitig warnen die Gartner-Berater davor, den Aufwand für den Umstieg von dem in Unternehmen häufig noch eingesetzten älteren Systems Windows XP auf Windows 7 zu unterschätzen. Eine exklusive Umfrage der COMPUTERWOCHE lässt ebenfalls darauf schließen, dass viele Firmen mit dem Umstieg noch zögern.

Wenn für Microsoft alles gut läuft, könnte das neue System den Umsatz des weltgrößten Softwarekonzerns um schätzungsweise drei Milliarden Dollar in die Höhe treiben - und damit das Unternehmen wieder auf Wachstumskurs bringen. Der Windows-7-Start könnte aber auch als Zündfunke wirken, um das ganze Wirtschaftssystem rund um Windows wieder nach vorne zu bringen. Davon könnten Unternehmen wie Acer, Dell und HP profitieren, die Windows-PCs herstellen, aber auch Softwarefirmen, Computerhändler und Systemhäuser.

Gleichwohl darf Microsoft sich nicht auf dem Erreichten ausruhen. Google, inzwischen der wichtigste Konkurrent des Softwarekonzerns, arbeitet daran, seinen bislang noch wenig relevanten Webbrowser Chrome zu einem vollwertigen Betriebssystem ("Chrome OS") auszubauen. Große Veränderungen stehen auch im Segment der Produktivitätssoftware bevor. Das Programmpaket Microsoft Office, mit dem der Konzern etwa die Hälfte seines Gewinns erwirtschaftet, wird von kostenlosen Alternativen wie OpenOffice.org und Online-Lösungen wie Google Apps herausgefordert.