Datenbanken und Open Source

Was wird aus MySQL?

Sascha Alexander ist Manager Marketing & Kommunikation bei der QUNIS GmbH, Neubeuern, die auf Beratung und Projekte in der Business Intelligence, Big Data und Advanced Analytics spezialisiert ist. Zuvor war der Autor als Director Communications bei den Marktforschungs- und Beratungsunternehmen BARC und PAC tätig. Als ehemaliger Redakteur der COMPUTERWOCHE sowie Gründer und Chefredakteur des Portals und Magazins für Finanzvorstände CFOWORLD verbindet ihn zudem eine lange gemeinsame Zeit mit IDG.
Seine Themenschwerpunkte sind: Business Intelligence, Data Warehousing, Datenmanagement, Big Data, Advanced Analytics und BI Organisation.
Mit dem Kauf von Sun Microsystems durch Oracle steht auch das Schicksal der populären Datenbank MySQL auf dem Spiel. Viele Anwender sind verunsichert, manche machen bereits Front.

Seit Wochen herrscht Unruhe in der MySQL-Gemeinde. Oracle äußert sich nicht über die Zukunft der quelloffenen Datenbank- vielleicht, weil die Übernahme noch nicht abgeschlossen ist, vielleicht aber auch, weil bislang eine klare Strategie fehlt. Zwei zentrale Fragen stehen im Raum: Wird Oracle MySQL im Markt lassen und wird das Produkt langfristig unter einer Open-Source-Lizenz verfügbar bleiben?

Oracle wollte MySQL kaufen

Oracle hat mit Open-Source-Datenbanken Erfahrung. Bereits 2005 übernahm der Softwareriese zunächst die quelloffene Speicher-Engine InnoDB, die Anwender häufig mit MySQL kombinieren, und ein Jahr später den Anbieter Sleepycat Software geschluckt, der die quelloffene Datenbank Berkeley DB entwickelt.

Zudem soll Oracle bereits 2006 versucht haben, MySQL AB zu kaufen, den kommerziellen Anbieter von MySQL. Später erhielt dann aber Sun den Zuschlag. Trotz dieses offensichtlichen Interesses von Oracle an quelloffener Datenbanktechnik war in der Folgezeit wenig von deren Nutzung und Bedeutung innerhalb des Konzerns zu hören, außer dass der Support für die gekauften Produkte bestehen blieb (und MySQL-Nutzer weiter InnoDB nutzen durften). Im April kündigte Oracle beispielsweise ein Plugin für InnoDB für MySQL 5.1 an.

Erst mit der sich jetzt abzeichnenden Übernahme von Sun/MySQL könnten Oracles Open-Source-Avancen eine klare Stoßrichtung bekommen: Nach Ansicht vieler Marktbeobachter soll MySQL Oracles Position im unteren Marktsegment gegen IBM und vor allem gegen Microsoft stärken. Die Chancen stehen nicht schlecht. So ist MySQL die derzeit erfolgreichste Open-Source-Datenbank mit lesitungsfähigen Features und hat Tausende Nutzer und Unterstützer. Noch vor kurzem meldete Sun, dass der kostenlose "MySQL Community Server" täglich 70. 000-mal heruntergeladen werde und zwölf Millionen Datenbanken weltweit produktiv im Einsatz seien. Hinzu kommen zahlreiche OEM-Vereinbarungen mit MySQL.

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