4G-Mobilfunktechnik

Warten auf LTE

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Geht es um die Marktreife der schnellen Mobilfunktechnik Long Term Evolution, klaffen die Vorstellungen der verschiedenen Parteien um Jahre auseinander.
Die Mobilfunktechnik LTE (Long Term Evolution) soll Bandbreiten bis zu 300 Mbit/s ermöglichen.
Die Mobilfunktechnik LTE (Long Term Evolution) soll Bandbreiten bis zu 300 Mbit/s ermöglichen.

Dank mobiler Geräte wie dem Apple iPhone sehen sich viele Carrier inzwischen wie Goethes Zauberlehrling, der die Geister, die er rief, nicht mehr loswurde: Nachdem sie jahrelang auf eine Auslastung ihrer mobilen Datennetze gewartet hatten, drohen diese allmählich aus allen Nähten zu platzen. Um dem drohenden Datenkollaps zu entgehen, planen die Mobilfunkbetreiber hohe Investitionen. So hat allein der amerikanische Carrier AT&T angekündigt, in den kommenden Jahren rund vier Milliarden Dollar in den Netzausbau zu stecken. Im Visier haben AT&T und andere Carrier dabei vor allem die 3,9G-Mobilfunktechnik LTE (Long Term Evolution). Diese verspricht - zumindest unter Laborbedingungen - eine Bandbreite von bis zu 300 Mbit/s.

Viele Fragen offen

Wann die Technik tatsächlich einsatzbereit sein wird, ist nur schwer einzuschätzen. Was die LTE-Chipsätze angehe, hätten die Hersteller ihre Hausaufgaben gemacht, erklärte Thomas Nindl, Director Business Development beim Chiphersteller Qualcomm, im Gespräch mit der COMPUTERWOCHE. Alle einschlägigen Hersteller seien dabei ähnlich weit, wobei man auf dem diesjährigen Mobile World Congress jedoch nur Dongles, PCMCIA-Karten oder integrierte Lösungen sehe. LTE-fähige Mobiltelefone seien erst der nächste Schritt. Als wichtiger Aspekt müsse vor der Einführung noch geklärt werden, welche Frequenzen für LTE zum Einsatz kommen. Allzu unterschiedlich dürften sie im weltweiten Kontext nicht ausfallen, da man auf einem Chipsatz insgesamt nur zirka fünf unterschiedliche Frequenzbänder zur Verfügung stellen könne, bemerkte Nindl.

Hersteller wie LG stellten auf dem Mobile World Congress 2010 bereits erste LTE-Modems vor - allerdings nur für einen Frequenzbereich.
Hersteller wie LG stellten auf dem Mobile World Congress 2010 bereits erste LTE-Modems vor - allerdings nur für einen Frequenzbereich.
Foto: LG

Beim Netzausrüster Motorola ist Ähnliches zu vernehmen. Nachdem im Vorjahr in Barcelona noch LTE-Testfahrten stattgefunden hätten, gehe es nun um das Ausrollen der Dienste, erklärte Tom Gruba, Senior Marketing Director Wireless Broadband, LTE & Wimax. LTE sei kurz vor dem Start, auch wenn Details wie die Frequenzen noch unklar seien. Danach könne es aber sehr schnell gehen. Gruba untermauerte seine Aussage mit dem Verweis auf den Kunden Zain Networks, der bereits im zweiten Quartal 2010 LTE in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad ausrollen wolle. China Telecom wiederum plane den Launch von TD-LTE zum Beginn der Shanghai Expo im Mai. Bis Oktober sollten dabei 2000 Nutzer mit passenden Dongles ausgestattet werden.

Wann die ersten LTE-Rollouts in Deutschland kommen, sei schwer vorherzusagen, kommentierte Martin Löhlein, Geschäftsführer von Keynote Sigos, einem Anbieter von Mess-Equipment für Mobilfunkbetreiber. Anfragen für Geräte zur Simulation von LTE-Clients gebe es hierzulande schon. Bei Nachfragen, wann die Technik denn ausgerollt werden solle, seien die Carrier jedoch noch zögerlich.

Tag der Entscheidung ist hierzulande vermutlich der 12. April. An diesem Tag will die Bundesnetzagentur ein mit der Umstellung der Rundfunktechnik von Analog- auf Digitalfunk frei gewordenes Frequenzband von etwa 60 Megahertz im Bereich von 790 bis 862 Megahertz versteigern. Aus Sicht von René Schuster, Chef von O2 Deutschland, findet die Auktion damit mindestens zwei Jahre zu früh statt. Zwar sei LTE längerfristig gesehen die richtige Technologie für die Zukunft, so Schuster in einem Interview mit der Messezeitung "MWC Daily". Es könnten jedoch zwei bis drei Jahre vergehen, bis die Technik kommerziell nutzbar sei.

Inhalt dieses Artikels