Milliarden-Übernahme von SolarCity

Tesla: Aktien, Interessen, große Pläne

03.08.2016
Von  und Lucas Mearian
Florian Maier beschäftigt sich mit dem Themenbereich IT-Security und schreibt über reichweitenstarke und populäre IT-Themen an der Schnittstelle zu B2C. Daneben ist er für den Facebook- und LinkedIn-Auftritt der COMPUTERWOCHE zuständig. Er schreibt hauptsächlich für die Portale COMPUTERWOCHE und CIO.
Tesla Motors schmiedet große Zukunftspläne. Die Übernahme des Solarenergie-Unternehmens SolarCity ist ein erster Schritt zu künftiger Marktmacht - der von vielen Experten kritisch gesehen wird.

Die Nachricht von der Übernahme des Solarenergie-Unternehmens SolarCity durch den Elektroauto-Pionier Tesla kam wenig überraschend: Bereits Ende Juni gab der kürzlich heftig in die Kritik geratene Autobauer bekannt, ein Übernahme-Angebot für SolarCity abgegeben zu haben. Der Deal hat einen Gesamtwert von 2,6 Milliarden Dollar.

Beim Solarpanel-Hersteller SolarCity fällt die Reaktion auf die Verschmelzung mit Tesla überschwänglich aus. Das Ergebnis sei die Erschaffung des weltweit ersten "vertikal integrierten und nachhaltigen Energiekonzerns." Bereits vor der Verschmelzung der Unternehmen war SolarCity als Reseller für den Vertrieb der Lithium-Ionen-Akkus zuständig, die Tesla sowohl für seine Fahrzeug-Palette, als auch für Solarbatterien im Heimbetrieb herstellt.

Tesla möchte durch die SolarCity-Übernahme zu einem ganzheitlichen, nachhaltigen Energiekonzern werden - der Produkte für alle Bereiche des täglichen Lebens liefert.
Tesla möchte durch die SolarCity-Übernahme zu einem ganzheitlichen, nachhaltigen Energiekonzern werden - der Produkte für alle Bereiche des täglichen Lebens liefert.
Foto: Tesla Motors

Für Kritik sorgt hingegen vor allem ein Umstand: Tesla-Guru Elon Musk ist auch Mitbegründer und Vorstand von und bei SolarCity. Das Solar-Unternehmen wird hingegen von CEO Lyndon Rive und CTO Peter Rive geführt. Die Brüder sind die Cousins von Musk. Der Tesla-CEO selbst hält 22 Prozent der SolarCity- und 21 Prozent der Tesla-Aktien. Bereits in der Vergangenheit waren Vorwürfe der Vetternwirtschaft laut geworden. In einer ersten Reaktion fielen die Aktienkurse beider Unternehmen: Tesla-Wertpapiere büßten zwei Prozent ihres Werts ein, bei SolarCity musste man einen Einbruch von 7,4 Prozent verkraften.

Teslas Zukunft: Gigafactory, Model 3 & Mainstream

"Solarenergie und Speichertechnologie entfalten erst durch ihre Kombination ihr volles Potenzial", heißt es im SolarCity-Blogeintrag zur Übernahme. "Als ein Unternehmen können Tesla und SolarCity künftig voll integrierte, kommerzielle und stationäre Lösungen und -Produkte für die Energiegewinnung, -speicherung und den Energiekonsum bereitstellen."

Tesla bereitet sich unterdessen auf eine merkliche Steigerung seiner Akku-Produktion vor: Die sogenannte Gigafactory wurde Ende Juli 2016 offiziell eröffnet. Bis zum Jahr 2018 möchte Tesla hier genug Batterien produzieren, um rund 500.000 Tesla-Fahrzeuge pro Jahr fertigen zu können. Der Zeitpunkt ist dabei natürlich kein Zufall: Der kommende Tesla-Mittelklasse-Stromer 'Model 3' soll 2017 seinen Marktstart feiern. Vom circa 35.000 Dollar teuren Model 3 erhofft sich Tesla, endlich den Schritt aus der Luxus-Nische zu schaffen. Vom mindestens 70.000 Euro teuren Model S konnte der Silicon-Valley-OEM im ersten Quartal 2016 weltweit 12.420 Exemplare an Mann und Frau bringen und hatte damit sein eigenes Verkaufsziel knapp verfehlt. Welche Folgen der Autopilot-Unfall für die Reputation und finanzielle Situation Teslas haben könnte, kann derzeit nur gemutmaßt werden.

Die Gigafactory soll das Herzstück für den Erfolg bei Tesla bilden. Die Akku-Fabrik wurde vor kurzem offiziell eröffnet.
Die Gigafactory soll das Herzstück für den Erfolg bei Tesla bilden. Die Akku-Fabrik wurde vor kurzem offiziell eröffnet.
Foto: Tesla Motors

Elon Musk selbst rechnet damit, dass die Gigafactory bis zum Jahr 2020 rund 35 Milliarden Watt an Batteriekapazitäten produziert hat. Durch Skalierungseffekte will Tesla die Akku-Kosten pro Kilowattstunde um mehr als 30 Prozent senken. Erst vor kurzem hatte der Tesla-CEO mit der Veröffentlichung seines "zweiten Masterplans" seinen strategischen Plan für Tesla dargelegt.