Klein, aber oho

Sony Xperia Z1 Compact im Praxistest

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Wer sich für den aktuellen Trend zu immer größeren Smartphones nicht erwärmen kann, muss zumindest im Android-Lager meist mit Kompromissen leben. Das nun verfügbare Sony Xperia Z1 Compact mit kräftiger Quad-Core-CPU und 20,7-Megapixel-Kamera stellt eine attraktive Ausnahme dar.
Das Sony Xperia Z1 Compact
Das Sony Xperia Z1 Compact
Foto: Sony

Üblicherweise behalten die Miniaturausgaben von Flaggschiff-Geräten zwar die Optik bei, wurden in Preis und technischer Ausstattung jedoch eingedampft. Bekannte aktuelle Beispiele dafür sind das Samsung Galaxy S4 Mini und das HTC One Mini - beide Geräte verzichten unter anderem auf den leistungsstarken Quad-Core-CPU ihres großen Bruders und verwenden lediglich einen Zwei-Kern-Prozessor. Sony geht mit dem Xperia Z1 Compact einen anderen Trend - außer beim kleineren Bildschirm geht der Hersteller kaum weitere Kompromisse ein. Dies gilt leider auch für den Preis - dieser erscheint mit 499 Euro (UVP) - zumindest auf den ersten Blick - etwas hoch.

Bei näherer Betrachtung stellt man allerdings fest, dass es die Bezeichnung "klein" nicht ganz auf den Punkt bringt - 4,3 Zoll oder knapp 11 Zentimeter Bildschirmdiagonale waren vor dem Erscheinen der ersten Phablets noch Gardemaß in der Smartphone-Szene und ein nicht ganz unbedeutender Hersteller aus Cupertino schwört zumindest bei seinen aktuellen Modellen iPhone 5s und iPhone 5c noch immer auf 4 Zoll. Erst im Vergleich mit dem normalen Z1 und anderen aktuellen Phablets wird der Unterschied deutlich. Und auch die Sache mit dem zu hohen Preis wird nach einem Blick auf das Gerät etwas relativiert: So kann man gegen die Verarbeitung kaum etwas aussetzen. Das kleine Sony-Smartphone macht einen wertigen Eindruck und liegt auch gut in der Hand, ist jedoch gegen den aktuellen Trend kein echter Handschmeichler. Mit 9,5 Millimeter Tiefe und seiner Barrenform wirkt das Gerät auch etwas pummelig.

Schuld an dem etwas hohen Gewicht von 137 Gramm dürfte der solide Aluminiumrahmen sein, während die Rückseite (anders als beim Z1) aus eingefärbtem Kunststoff besteht - erhältlich sind die Farben Schwarz, Weiß, Lime und Pink. Das bereits erwähnte 4,3-Zoll-Display mit Triluminos-Technikauf der Vorderseite ist nur mit einem dünnen Rahmen umgeben und löst mit 1280 mal 720 Pixel auf, das entspricht ganz passablen 345 ppi (Apple iPhone 5s: 326 ppi). Physikalische Tasten gibt es auf der Vorderseite nicht, Home, Return und Taskmanager sind wie mittlerweile fast Standard als Softkeys ausgelegt.

Fast schon übermotorisiert

Doch nun zu den inneren Werten, diese können sich wahrhaftig sehen lassen: So ist das Z1 Compact mit dem superschnellen Snapdragon 800-Chipsatz von Qualcomm (MSM8974) ausgestattet, dessen vier Kerne mit bis zu 2,2 Gigahertz takten. Mit von der Partie sind außerdem der leistungsfähige Grafikchip Adreno 330 sowie zwei Gigabyte RAM. Derart ausgestattet geht die Bedienung derart schnell und ohne Ruckeln vonstatten, dass es eine wahre Freude ist. Natürlich liegt das Gerät auch in den wichtigsten Benchmarks aktuell ganz weit oben - und das wird vermutlich auch noch eine Weile so bleiben.

Nicht ganz so toll schneidet der Akku ab: Dieser ist mit 2300 Milliamperestunden (mAh) nicht gerade üppig ausgefallen, was sich natürlich auf die Laufzeit auswirkt. Hier bietet Sony zwar verschiedene Energiespar- und Stamina-Modi an, dennoch war es im Test nicht möglich, länger als zwei Tage ohne Ladekabel auszukommen. Auch wenn dieser Wert nicht unbedingt schlecht ist - eine Möglichkeit, schnell den leeren oder defekten Akku auszuwechseln, gibt es nicht. Der Grund: Die Batterie ist in dem wasser- und staubdichten Gehäuse (IP55, IP58) fest verbaut.

Energiesparmodi helfen die Laufzeit zu verlängern.
Energiesparmodi helfen die Laufzeit zu verlängern.

Ansonsten bietet das Sony Z1 Compact in technischer Hinsicht praktisch alles, was das Herz begehrt: Das Gerät verbindet sich mit dem superschnellen WLAN-Standard 802.11ac, unterstützt LTE Cat 4 mit bis zu 150 Mbit/s Bandbreite, sendet im Nahbereich via NFC oder Bluetooth 4.0 und erlaubt den Austausch von Daten via USB On-the-Go, MHL, Miracast und DLNA.

Als Multimedia-Smartphone mit Flaggschiff-Ambitionen erhielt das Z1 Compact natürlich neben der 2-Megapixel-Frontkamera auf der Vorderseite auch die bereits vom Z1 bekannte 20,7-Megapixel-Kamera auf der Rückseite, die mit 1/2,3-Zoll großem Sensor und lichtstarker 2,0-Blende aufwartet. Tatsächlich können sich die damit geschossenen Aufnahmen für eine Handy-Kamera sehen lassen. Vom reinen Zahlenwert ausgehend hatte sich der Tester jedoch ein besseres Ergebnis versprochen.

Das Z1 Compact nutzt die bereits vom Z1 bekannte 20,7-Megapixel-Kamera
Das Z1 Compact nutzt die bereits vom Z1 bekannte 20,7-Megapixel-Kamera
Foto: Sony

Mehr Schein als Sein gibt es auch beim Speicherplatz. Dieser beträgt nämlich 16 GB, zur freien Verfügung stehen davon jedoch nur rund elf GB. Immerhin besteht die Möglichkeit, bis zu 64 GB zusätzlichen Ablagebedarf über eine MicroSD-Karte zu decken. Ein Auslagern von Apps ist allerdings nicht möglich.

Üppige Softwareausstattung

Auf dem Z1 Compact sind zahlreiche Apps bereits vorinstalliert
Auf dem Z1 Compact sind zahlreiche Apps bereits vorinstalliert

Zumindest eine Teilschuld an dem geschrumpften Speicherplatz tragen die zahlreichen, auf dem Testgerät vorinstallierten Apps. Hier finden sich allein von Sony die Anwendungen Walkman, Album, Filme, Sony Select, Sociallife-Nachrichten, Video Unlimited, Werkzeuge (QR-Reader, Rechner, Sichern und Wiederherstellen, Downloads), TrackID, SmartConnect, WisePilot for Xperia, Xperia Care (Support), Mobi Systems OfficeSuite Professional, McAfee Security, Update Center, TV SideView, Evernote, TrackID TV, Xperia Lounge, File Commander, Skizze, Xperia Privilege, Pixlr Express, Playstation Mobile, Box, Social live und Facebook. Hinzu kommen die üblichen, von Google bereitgestellten Apps, zudem besteht die Möglichkeit, dass Carrier zusätzlich ihr Sortiment an Apps beisteuern. Da unser Testgerät vom Hersteller bereitgestellt wurde, konnte dies jedoch nicht nachgeprüft werden. Immerhin sieht Sony "seine" Apps nur als Anregungen, falls nicht benötigt, können sie einfach deinstalliert werden.

Als Betriebssystem ist Android 4.3 (Jelly Bean) installiert - ein Update auf Version 4.4 (KitKat) ist angekündigt - dem die hauseigene Benutzeroberfläche Sony UI übergestülpt wurde. Die Oberfläche liefert zahlreiche Funktionen, die insbesondere Smartphone- und Android-Novizen die Bedienung erleichtern sollen, wie etwa verschiedene Energiesparmodi und ein Schnell-Menü. Ob man diese Features wirklich braucht sei dahin gestellt, viele erfahrene Anwender ziehen mittlerweile Plain Android vor, wenn sie dafür schneller Firmware-Updates erhalten.

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