Software-Entwicklung richtig kalkulieren

Dr. Oliver Laitenberger leitet bei der Managementberatung Horn & Company das Kompetenzzentrum Digitalisierung und Technologie.
Statistik plus Erfahrung erleichtern bei der HVB Systems GmbH die Budgetplanung.

Die Entwicklung einer Software verschlingt oft deutlich mehr Geld als geplant - nicht zuletzt, weil vielen Unternehmen die Methoden fehlen, um die Projektkosten richtig zu kalkulieren.

Früher wurden die Kosten für neue Projekte häufig geschätzt und dann einfach ein üppiger Risikozuschlag hinzugerechnet. So blieben die Entwickler ohne große Mühe innerhalb der vereinbarten Budgets. Diese sind aber inzwischen knapper geworden.

Um den Aufwand von Softwareentwicklung möglichst systematisch zu kalkulieren, gibt es verschiedene Methoden. Das bekannteste Modell, Cocomo (Constructive Cost Model), stammt aus den 70er Jahren; seither ist eine Reihe weiterer Verfahren entstanden. Tatsächlich eingesetzt werden diese Modelle allerdings eher selten. Dafür gibt es im Wesentlichen zwei Ursachen: Oft findet sich keine Vorgehensweise zur strukturierten Messung und Bewertung der Anwendungsentwicklung. In der Konsequenz liegen die erforderlichen Messdaten nicht vor, um die Modelle damit zu füttern. Ein weiteres Hindernis besteht darin, dass keine allgemeingültigen Modelle existieren, die sich für jedes Unternehmen sowie jede Entwicklungstechnik eignen und genaue Ergebnisse liefern. Anpassungen erfordern jedoch Kompetenz und verursachen einen hohen Aufwand. An beidem wird oftmals gespart.

Stattdessen ist es üblich, dass der künftige Projektleiter die Kosten auf Basis seiner Erfahrung aus früheren Projekten veranschlagt. Doch es lässt sich kaum beurteilen, ob seine Prognose stimmt. Dazu müsste es verlässliche Daten zum Vergleich mit bereits abgeschlossenen Projekten geben - Daten, die in vielen Unternehmen fehlen.

Lägen entsprechende Informationen vor, könnten Software-Entwickler nicht nur ihre Kosten besser kalkulieren. Die zu Grunde liegenden Entwicklungsprozesse wären auf Basis von Messdaten steuerbar und würden bei Prozessaudits anhand des "Capability Maturity Model Integration" (CMM/I) oder des "Software Process Improvement and Capability Determination-Modells" (SPICE) besser abschneiden.