Erfolgsfaktoren der Ideenfindung

Sind Tüftler Bremser und Visionäre Spinner?

Renate Oettinger ist Diplom-Kauffrau Dr. rer. pol. und arbeitet als freiberufliche Autorin, Lektorin und Textchefin in München. Ihre Fachbereiche sind Wirtschaft, Recht und IT.

Zu ihren Kunden zählen neben den IDG-Redaktionen CIO, Computerwoche, TecChannel und ChannelPartner auch Siemens, Daimler und HypoVereinsbank sowie die Verlage Campus, Springer und Wolters Kluwer.
Warum bei Innovations-Workshops zur Steigerung der Kreativität im Unternehmen die Rahmenbedingungen entscheidend sind, sagt Jens-Uwe Meyer.
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Viele Unternehmen veranstalten zur Ideenfindung einen Innovations-Workshop. Dort versuchen sie, mithilfe von Kreativitätstechniken Ideen zu entwickeln - für neue Produkte und Problemlösungen, Geschäftsmodelle und Prozesse. Leider oft erfolglos. Woran liegt es, wenn die Ideen sprudeln sollten, aber es nicht tun? Wenn statt einem reißenden Fluss im Innovationsworkshop ein dünnes Rinnsal entsteht? Die Hauptursache: Viele Unternehmen übersehen, dass für das Ideenfinden die Rahmenbedingungen erfolgsentscheidender sind als die Methode. In diesem Artikel lernen Sie diese Erfolgsfaktoren kennen.

Erfolgsfaktor 1: Kreativität braucht Beschränkungen!

"Lassen Sie uns doch mal ganz offen an die Ideenfindung herangehen. So ganz ohne Beschränkungen." Wenn Sie so offen an die Ideenfindung herangehen, ist der Misserfolg vorprogrammiert. Beschränken Sie das Suchfeld radikal! Bei einer zu allgemeinen Fragestellung ist die Gefahr groß, dass sich die Teilnehmer gedanklich verzetteln. "Behindern Beschränkungen Kreativität nicht?" Nein. Ein Missverständnis. Beschränkungen fördern Kreativität, sie helfen, Probleme zu schärfen und spornen an, Hindernisse zu überwinden. Google setzt seit Jahren erfolgreich auf diese Philosophie: "Kreativität liebt Einschränkungen" ist ein zentraler Leitsatz der Ideenfindung bei Google.

Ein Beispiel. Teilnehmer sollen ein neues Cockpit-Design für einen Sportwagen entwickeln. Und weil es besonders neu und innovativ sein soll, geben Sie keine Beschränkungen vor. Die Garantie für viele Spinner-Gedanken mit eingeschränktem Nutzwert. Die Ideen werden entweder zu teuer oder zu verspielt, sie passen nicht zur Zielgruppe etc. Die Suchfragen sind oft viel zu allgemein formuliert: "Wie kann ein Cockpit aussehen, das die Hälfte kostet?" ist eine andere Frage als: "Wie kann ein Cockpit aussehen, das die Hälfte kostet, aber nach Luxus aussieht?" Etc.

Abhängig vom Ziel sollten die Teilnehmer eventuell auch wissen: Soll es ein interaktives Cockpit sein? Und wenn ja, mit welcher Technik soll es ausgestattet sein? Oft entscheidet ein Wort in der Suchfrage darüber, ob die Ideensuche gezielt erfolgt oder die Teilnehmer nur unstrukturiert Gedanken zusammentragen, die nicht weiter führen.