SAP R/3-Migration: Die Qual der Wahl

Vice President Software & SaaS Markets PAC Germany
Nach wie vor stehen viele SAP-Anwender vor der Wahl, auf R/3 Enterprise oder das modernere Mysap ERP zu migrieren. Die Aussicht auf neue Funktionen spielt dabei oft nur eine untergeordnete Rolle.
Frank Deges, Melitta Unternehmensgruppe, Minden   Foto: Melitta
Frank Deges, Melitta Unternehmensgruppe, Minden   Foto: Melitta

ilid_7Seit SAP mit "Mysap ERP 2004" den Nachfolger von R/3 ins Rennen geschickt hat, fragen sich Anwender, wie sie ihre ERP-Umgebung modernisieren sollen. Entweder wechseln sie innerhalb der R/3-Welt auf das letzte Release 4.7 oder sie migrieren auf das Ablöseprodukt.

Melitta wollte neues ERP-Produkt

Im Herbst vergangenen Jahres hatte sich die Firma Melitta aus Minden mit den beiden Alternativen R/3 Enterprise und Mysap ERP 2004 auseinandergesetzt. Man entschloss sich zur Migration auf den R/3-Nachfolger, die zu Pfingsten dieses Jahres vollzogen wurde. "Wir können einen Release-Wechsel nur alle vier bis fünf Jahre durchziehen, daher wollten wir ein möglichst modernes Produkt", so Frank Deges, Bereichsleiter Neue Medien bei der Melitta Unternehmensgruppe. Zudem hatte die IT-Tochter des Konzerns, die das Business-System betreibt, den Wunsch geäußert, lieber mit einem neuen Produkt Know-how aufbauen zu wollen.

Eins-zu-Eins-Upgrade

Nicht ausschlaggebend für Melitta waren dagegen die über R/3 hinausgehenden Funktionen von Mysap ERP 2004 wie etwa "Employee Self-Service" (Urlaubsanträge, etc.) "und Internet Sales" (Web-Shop). Vielmehr wollte das Unternehmen die heute genutzten R/3-Funktionen im Sinne eines Eins-zu-Eins-Upgrades auf den neuen Release-Stand heben. Gemeint ist damit, von R/3 4.5B auf die "ERP Central Component" (ECC) umzusteigen. Diese, so bestätigen Deges und andere SAP-Kenner, würde praktisch R/3 4.7 entsprechen. Somit komme der Umstieg einem Release-Wechsel innerhalb der R/3-Generation gleich. Dabei wird es laut Deges aber nicht bleiben. "Wir wollten zunächst auf ECC wechseln. Auf diese Weise können wir künftig sukzessive Techniken wie Internet Sales und RFID einführen." Die Unterstützung für die Radio Frequency Identification realisiert SAP innerhalb der Infrastrukturplattform "Netweaver", auf der Mysap ERP 2004 und mittlerweile alle neuen Produkte aufsetzen.

Werner Hieke, Flughafen München   Foto: Joachim Wendler
Werner Hieke, Flughafen München   Foto: Joachim Wendler

Neue Funktionen hatten dagegen den Flughafen München dazu veranlasst, sich mit Mysap ERP 2004 zu beschäftigen. Im Gegensatz zu Melitta wollte das Unternehmen jedoch nicht die Kernfunktionen des ERP-Systems modernisieren, sondern benötigte die Neuerungen für die Geschäftsdatenanalyse des "Strategic Enterprise Management" (SEM) in Verbindung mit dem "Business Information Warehouse" (BW). "Wir nutzen SEM 3.1 und wollten die Features für Business Planning & Simulation und Business Consolidation in SEM 4.0 verwenden", so Werner Hieke, Leiter SAP-Koordination beim Airport. Da diese SEM-Tools Teil von Mysap ERP 2004 sind, hatte sich das Unternehmen am Ramp-Up dieser Software beteiligt. Als ERP-Kernsystem nutzen die Münchner seit 1993 R/3, das seit Anfang 2004 im Release 4.7 läuft. Ein Umstieg für das erst seit Ende März verfügbare Mysap ERP 2004 kam für Hieke allerdings nicht in Frage, unter anderem wegen interner Umstrukturierungen sowie turnusgemäßer Planungsläufe, die ja einen reibungslosen ERP-Betrieb voraussetzen. Den Schwenk auf die neue Technik will der Airport mit Mysap ERP 2005 vollziehen, das unlängst in den Ramp-Up gegangen ist.