SAP-Arbeitsmarkt

SAP-Profis haben viel Arbeit und sichere Jobs

Michael Schweizer ist freier Autor in München.
Etablierte SAP-Berater und -Entwickler haben weiterhin erfreuliche Berufsaussichten. Schwerer tun sich Einsteiger.

Kunden haben zunehmend Schwierigkeiten, der technischen Entwicklung nachzukommen, die die SAP-Software genommen hat", sagt Christian Günther, Principal Consultant beim Walldorfer IT-Dienstleister Realtech, der sich auf SAP-Beratung spezialisiert hat. SAP habe seine Produkte in der einzig zukunftsträchtigen Weise konsequent verändert. Für manche Anwender führe das aber "zu technischen Problemen und emotionalen Überlastungen, mit denen sich dann auch jeder Consultant auseinandersetzen muss, der ganzheitlich arbeitet".

Idealtypisch sollten SAP-Berater die Geschäftsprozesse ihrer Auftraggeber verstehen und sie mit Hilfe der Standardsoftware so sehr verbessern, dass sich für den Kunden die Ausgabe lohnt. Dabei können sie nicht anders, als in vertraute Arbeitsabläufe einzugreifen. Der Anwender ist außerdem kein widerspruchsfreies Wesen mit einer einzigen Meinung. "Es kommt vor, dass beim Kunden die SAP-Einführung politisch entschieden wurde, das IT-Team und andere Mitarbeiter aber dagegen sind", schildert Elke Schaper. Da bedürfe es starker Integrationskraft. Schaper arbeitet für den Bielefelder Dienstleister Itelligence derzeit vor allem in Projekten zu Personalthemen, also mit dem SAP-Modul HCM (Human Capital Management).

SAP-Berater sind selten zuhause

Realtech beschäftigt 721 Mitarbeiter, davon 250 in Deutschland. Itelligence hat in 17 Ländern 1400 Angestellte unter Vertrag. Die zwei Mittelständler haben viele mittelständische Kunden. Philipp Fahr, bei Itelligence als internationaler SAP-Berater und Projektleiter aktiv, mag den "natürlichen Pragmatismus" in diesem Milieu: "Jeder Mittelständler ist einzigartig und hat seine spezielle Marktnische besetzt." Sich da hineinzudenken sei immer wieder schön.

Standardsoftware auf dem neuesten Stand beherrschen, betriebswirtschaftlich denken, auch in schwierigen Situationen kommunikativ sein - noch ein viertes Merkmal prägt den Beruf des SAP-Beraters: die vielen Reisen. Itelligence-Consultants sind oft montags und dienstags beim Kunden, Philipp Fahr fast täglich. Berater in anderen Firmen sind montags bis donnerstags unterwegs. Mancher, der das eine Zeitlang gemacht hat, denkt über einen Wechsel nach, und manche Dienstleister begegnen dem mit sozialverträglicheren Arbeitszeiten. Elke Schaper, seit 1989 bei Itelligence und mittlerweile Mutter zweier Kinder, betreut ihre Kunden jetzt 20 Stunden pro Woche großteils von zu Hause aus.

Nicole Mamier, Personalleiterin bei Realtech: Unsere SAP-Berater sind auch in der Krise voll ausgelastet.
Nicole Mamier, Personalleiterin bei Realtech: Unsere SAP-Berater sind auch in der Krise voll ausgelastet.
Foto: Nicole Mamier

Ein SAP-Consultant muss die Standardsoftware an den Bedarf des Kunden anpassen (customizen) können. Wo das nicht ausreicht, sondern Anwendungen auf SAP-Basis individuell geschrieben werden müssen, sind Softwareentwickler (in Stellenanzeigen oft "Software Engineers") gefragt. Bei Dienstleistern sind sie den Consultants hierarchisch nachgeordnet und verdienen weniger. Auch in der internen IT eines Anwenders kommen sie an das Gehalt eines Consultant nicht heran, haben aber nicht mit externen Auftraggebern zu kämpfen und müssen wenig reisen. Bei großen Anwendern können die Szenen sich mischen. Lothar Hansen, Leiter IT Anwendungsentwicklung bei Henkel: "Von Berufsanfängern abgesehen, stellen wir viele Leute aus Consulting-Companies ein. Die Hauptarbeit bei uns sind internationale Projekte, da ist ein Vorlauf als Berater sinnvoll." Gute Chancen dürften demnach Entwickler haben, die bereit sind, zu reisen wie ein Berater.