Praxistest: Push-Mail per SMS-Server

02.01.2007
Mit einer kostengünstigen Push-Technologie auf SMS-Basis macht das deutsche Startup Cougar Bay Blackberry und Co Konkurrenz.

15 Jahre nach dem Versand der ersten Kurznachricht auf ein Handy gehört der Short Message Service (SMS) noch immer nicht zum alten Eisen. Im Gegenteil: Während zahlreiche Anbieter sich anschicken, SMS durch mobile E-Mails zu ersetzen, verleiht die Cougar Bay GmbH dem inzwischen etwas betagten Dienst sogar höhere Weihen. Ihr "TriMS-Pushmail-Server" überträgt durch ein neues Komprimierungsverfahren den Inhalt von E-Mails als Kurzmitteilung an jedes normale Mobiltelefon und wird damit zur Alternative für Blackberry- und andere Push-Dienste. Die COMPUTERWOCHE hat sich Gerät und Service näher angeschaut.

Bei dem Push-Mail-Server handelt es sich um einen HP Thin Client (HP T7525), auf dem Debian Linux läuft. Der SMS-Versand erfolgt über ein integriertes GSM-Modem samt externer Antenne. Das kompakte und laut-, da lüfterlose Gerät erlaubt den Abruf von E-Mails von internen (etwa Lotus Domino) oder externen Mail-Servern (zum Beispiel Gmx oder Googlemail) - je nachdem muss es lediglich mit dem lokalen Netz oder mit dem Internet verbunden sein. Die Konfiguration erfolgt via Web-Browser über einen ebenfalls mit dem Netz verbundenen PC. Die IP-Adresse lässt sich dazu schnell durch Anschluss eines Monitors auslesen. Bei integriertem Nameserver ist das Gerät auch über http://trims erreichbar.

TriMS E-Mail-Push-Server
TriMS E-Mail-Push-Server
Foto: TriMS

Das Versprechen des Herstellers, es ließen sich damit in nur 20 Minuten 50 Mitarbeiter mit einem laufenden E-Mail-Push-System versorgen, ist sportlich, aber erfüllbar: Nachdem der Administrator im Browser-Fenster den Freischaltcode eingetippt, sich eingeloggt und die PIN der integrierten SIM-Karte eingegeben hat, öffnet sich ein einfaches Menü zum Anlegen (und Sperren) der Benutzer-Accounts. Eine Möglichkeit, Nutzerinformationen aus einer Datenbank zu importieren, fehlt indes. Als entscheidendes Merkmal eines Users dient dabei dessen Handy-Nummer, an die die E-Mails weitergeleitet werden sollen.

Das Anlegen der E-Mail-Accounts kann neben dem Administrator auch der User selbst über ein eigenes Passwort übernehmen. Je Nutzer lassen sich bis zu zehn Postfächer einrichten. Dabei werden alle Mail-Server unterstützt, die per POP 3 oder Imap abrufbar sind. Imap hat hier den Vorteil, dass alle vom Mail-Server abgerufenen und ans Handy weitergeleiteten Nachrichten als gelesen markiert werden können. Als Business-tauglich zeigt sich die Lösung durch die Möglichkeit, einen gemeinsamen Absender-Account zu definieren, über den eigene E-Mails versendet werden. Zudem hat der Nutzer die Option, seinen mit dem Handy geschriebenen Mails einen Signaturtext (maximal 400 Zeichen) anzufügen. Dieser Anhang wird erst auf dem Server mit der Mail verbunden und reduziert so nicht die Textlänge der Mitteilung. Apropos Länge: Dank eines patentierten Komprimierungsverfahrens lassen sich in einer "Tri-MS" anstelle der üblichen 160 etwa 500 Zeichen versenden. Insgesamt lassen sich durch Verkettung von bis zu fünf Nachrichten 2,5 Kilobit oder 2500 Zeichen Text übertragen. Der Versand von Anhängen ist nicht möglich – mit diesen könnten einfacher gestrickte Handys ohnehin nichts anfangen -, wohl aber die Information über die Existenz eines Anhangs. Cougar Bay arbeitet jedoch an einer Lösung, mit der Nutzer über einen Web-Link auf angefügte Inhalte zugreifen können sollen.

Der auf der Nutzerseite benötigte Handy-Client lässt sich kaum von einer Mobile-E-Mail-Umgebung unterscheiden: Die als Java- oder Windows-Mobile-Version erhältliche Anwendung startet auf Wunsch beim Eingang einer neuen Meldung und schlägt Alarm. In den Einstellungen lassen sich zudem so wichtige Details wie Groß- und Kleinschreibung, Wörter zählen und die Vorgehensweise bei vollem Ordner festlegen. Neben einem eigenen Adressbuch verfügt die Lösung auch über eine Archivfunktion – sonst heißt es nach 100 eingegangenen Meldungen first in, first out (FIFO).

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