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Neue Probleme fordern neues Recruiting

Ingrid Weidner arbeitet als freie Journalistin ín München.
Fachkräftemangel, demografischer Wandel und soziale Netzwerke halten die Personalabteilungen auf Trab.

Knapp 63 Prozent der Arbeitnehmer liebäugeln damit, ihren Arbeitsplatz zu wechseln. Das ergab eine gemeinsame Studie des Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) der Universitäten Bamberg und Frankfurt am Main sowie der Monster Worldwide Deutschland GmbH. Die Arbeitnehmerbefragung "Bewerbungspraxis 2011" unter 10.000 Stellensuchenden und Karriereinteressierten belegt, dass mit dem wirtschaftlichen Aufschwung wieder viel Bewegung in den Arbeitsmarkt kommt.

Vom selben Forscherteam wurde auch die Studie "Recruiting-Trends 2011" erarbeitet. Sie zeigt, dass Personalabteilungen momentan alle Hände voll mit Mitarbeiterbindung und Employer-Branding zu tun haben. Obwohl Konzerne und Mittelständler unabhängig voneinander befragt wurden, nannten beide den demografischen Wandel sowie den Fachkräftemangel als wichtigste Herausforderung für 2011. Immerhin knapp die Hälfte der Großunternehmen erwartet, dass die Belegschaft im kommenden Jahr wächst. Der befragte Mittelstand zeigte sich optimistischer, denn dort haben neun von zehn Firmen Positionen zu vergeben. Besonders schwer wird es nach Meinung aller Befragten, IT-Fachkräfte zu finden sowie Fachpersonal für Forschung und Entwicklung.

Das mittelständische IT-Beratungshaus Cellent AG mit Sitz in Stuttgart beschäftigt an elf Standorten in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz mehr als 650 Mitarbeiter und möchte in diesem Jahr weiter wachsen. Personalchef Philipp Tauch bietet IT-Beratern attraktive Jobs. "Wir suchen vor allem Infrastrukturberater mit SAP- und Microsoft-Know-how, die mehrere Jahre Berufserfahrung mitbringen." Gerade in diesem Marktsegment arbeiten viele interessante Kandidaten als Freiberufler, bedauert Tauch. Verständlich, denn sie schätzen die besseren Verdienstmöglichkeiten und den größeren Spielraum.

Firmen, die solche Bewerber an sich binden möchten, müssen deshalb einiges bieten. Tauch wirbt mit einem guten Arbeitsklima, interessanten Projekten sowie flachen Hierarchien. Kandidaten spricht das Unternehmen über verschiedene Kanäle an. "Wir nutzen neben klassischen Print- und Online-Stellenanzeigen auch den Service von spezialisierten Personalberatern", erzählt der Personaler. Daneben bindet Cellent seine Mitarbeiter als Recruiting-Hilfe ein und lockt mit einem Prämienprogramm bei erfolgreicher Vermittlung.

Wie die Studienautoren herausfanden, sind Personalverantwortliche besonders zufrieden mit Kandidaten, die über persönliche Empfehlungen oder aus dem eigenen Netzwerk zum Unternehmen finden. Ausgeschriebene Stellen auf der Unternehmens-Website oder in Internet-Stellenbörsen gelten als kostengünstig, doch als besonders effizient schätzen die befragten Firmen Praktikantenprogramme ein.