Merger erfordern oft radikale Lösungen

Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Nach einer Firmenübernahme ist eine schnelle Integration gefragt. Die IT spielt dabei die Schlüsselrolle.

Kai Zercher ist Realist. Als ihn seine Kollegen bei der Wella AG vor drei Jahren fragten, was er nach der Übernahme durch Procter & Gamble (P&G) erwarte, antwortete er: "Bei uns bleibt kein Stein auf dem anderen." Ganz so schlimm sei es dann nicht einmal gekommen, berichtete der für die Marktentwicklung in Deutschland, Österreich und der Schweiz verantwortliche P&G-Direktor Global Business Services anlässlich der "Handelsblatt"-Konferenz "Strategisches IT-Management". Doch besonders für das übernommene Unternehmen sei ein Merger kein Zuckerschlecken.

Hier lesen Sie …

  • inwieweit Wohl und Wehe einer Firmenübenahme von der IT abhängen;

  • worauf die IT-Experten vorbereitet sein müssen;

  • welche Fehler sie vermeiden sollten;

  • wo ihnen Chancen aus der Fusion erwachsen.

Kai Zercher trägt bei Procter & Gamble einen Großteil der Verantwortung für die Integration der Firmenübernahmen.
Kai Zercher trägt bei Procter & Gamble einen Großteil der Verantwortung für die Integration der Firmenübernahmen.

Auch der stärkere Partner gehe ein hohes Risiko ein, betonte Zercher. Einer Untersuchung des Marktforschungsunternehmens Mercer zufolge scheiterten 57 Prozent aller Firmenübernahmen, und laut McKinsey zahle sich das eingesetzte Kapital in 73 Prozent der Fälle nicht aus. Ein lukrativer Kauf an sich bedeute noch nicht viel, so der P&G-Manager, der heute maßgeblich in die 2005 begonnene Eingliederung von Gillette involviert ist: "Eine erfolgreiche Akquisition hat man erst dann, wenn man gut integriert."

Doppelrolle für die IT

Die IT spielt dabei eine Doppelrolle, so Zercher weiter. Zum einen übe sie eine Schlüsselfunktion bei der Umsetzung der Integration aus. Zum anderen müsse sie ihre eigene Integration in den Griff bekommen. Dabei stehen die IT-Experten nicht nur unter hohem Zeit- und Kostendruck. Sie sehen sich auch einer sprunghaft gestiegenen Komplexität gegenüber.