Macromedia will Fassaden für Web-Services bauen

Wolfgang Miedl arbeitet Autor und Berater mit Schwerpunkt IT und Business. Daneben publiziert er auf der Website Sharepoint360.de regelmäßig rund um Microsoft SharePoint, Office und Social Collaboration.
MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Macromedia hat unter dem einheitlichen Suffix „MX“ seine komplett überarbeitete Produktpalette vorgestellt. Neben dem populären Web-Design-Tool „Dreamweaver MX“ soll die Server-Umgebung „Coldfusion MX“ als universelle Integrationsplattform sowohl in Microsofts .NET-Umgebung als auch in der J2EE-Welt Verbreitung finden.

Macromedia war bisher am Frontend zu Hause - als Anbieter von bekannten Multimedia- und Web-Design-Tools wie „Director“, „Flash“ oder „Dreamweaver“. Mit der nun vollzogenen Integration der von Allaire zugekauften Produktpalette ins eigene Portfolio will sich der Hersteller in eine neue Position manövrieren: als Anbieter einer integrierten Entwicklungsumgebung, die vom Seitendesign bis zur Anwendungsentwicklung am Server alles abdeckt. Das Komplettpaket „Macromedia Studio MX“ unterstützt alle gängigen Anwendungsplattformen, ob Java/J2EE, JSP, Microsofts ASP und ASP .NET oder PHP. Bestandteil dieses Bundles sind das bereits erschienene „Flash MX“ (siehe CW 11/02, Seite 28), „Dreamweaver MX“, „Fireworks MX“, „Freehand 10“ sowie die Developer Edition von „Coldfusion MX“.

Vor allem das Java-Lager kann davon profitieren, wie auch die soeben verkündete Zusammenarbeit mit Sun und IBM zeigt. Der bisher proprietäre Coldfusion-Scripting-Server, Kernprodukt der Allaire-Übernahme, arbeitet als Coldfusion MX nun mit den gängigen J2EE-Application-Servern wie Beas „Weblogic“, IBMs „Websphere“ oder Suns „Iplanet“ zusammen. Es wird dabei für jede der großen Plattformen eine eigene Variante von Coldfusion MX geben. Die Macromedia-Tools können eine breite Palette von Funktionen der Java-Plattformen nutzen, etwa Portale, Workflow oder Orchestration-Tools. Unter anderem lassen sich in Coldfusion Java-Klassen importieren und per Script

wie Coldfusion-Komponenten aufrufen. Aber auch COM- und Corba-Objekte können auf vergleichbare Weise eingebunden werden.

Dreamweaver MX wächst im Verbund mit Coldfusion von einem Wysiwyg-HTML-Editor zu einer umfassenden Entwicklungsumgebung. Der Hersteller unterstreicht dabei vor allem das verbesserte Code-Editing, neue Deployment-Fähigkeiten, Debugging, visuelles Layout sowie Prototyping. Die bisherigen Produkte Dreamweaver Ultradev und Coldfusion Studio wurden dadurch überflüssig.

Erwartungsgemäß legt Macromedia nun auch einen Schwerpunkt auf Web-Services. Durch die Integration von Apaches Axis-Soap-Engine können beispielsweise Coldfusion-Komponenten als Web-Service angeboten werden. Bei einem Client-Aufruf erzeugt die Engine dabei automatisch eine entsprechende WSDL (Web Services Description Language)-Datei, die der aufrufenden Anwendung eine Beschreibung der Funktionen übermittelt. Entfernte Web-Services können mit den Coldfusion-Sprachen CFML und CFScript konsumiert werden.

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