Digitale Transformation

IT-Abteilungen sind die Treiber der Digitalisierung

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Viele Unternehmen in Deutschland gehören in ihren Branchen zur Weltspitze. Jetzt stehen sie vor der Herausforderung der digitalen Transformation, in der es darum geht, Wertschöpfungsketten digital zu verlängern, smarte Services zu entwickeln und die Kunden besser zu verstehen. Wie eine aktuelle Studie zeigt, fühlen sich die meisten Betriebe gut vorbereitet. Auffällig: Die IT-Abteilung steht im Zentrum des digitalen Umbaus.

Lange Jahre war von der IT-Abteilung als "Dienstleister" die Rede, dessen "Kunden" in den Fachabteilungen saßen. Das ist die Welt von gestern. In Zeiten der digitalen Transformation ist die IT die entscheidende Kraft im Kampf um Wettbewerbsvorteile geworden, und verantwortlich für den Wandel ist niemand anders als die IT-Abteilung. Zumindest sehen das die Teilnehmer einer empirischen Studie von Crisp Research aus Kassel so.

Die Marktforscher haben in Zusammenarbeit mit dem IT-Dienstleister Dimension Data Germany von September bis November 2014 insgesamt 100 Manager und IT-Entscheider größerer Unternehmen befragt. Es ging darum, herauszufinden, wo sich diese Betriebe auf dem Weg in die digitale Zukunft sehen, welche Pläne sie konkret verfolgen und welche Investitionen sie für notwendig halten.

Physische und digitale Welt wachsen zusammen

Die digitale Transformation beschreibt den fundamentalen Wandel von Unternehmen hin zu einer vollständig vernetzten digitalen Organisation. Auf Basis von neuen Technologien und Applikationen werden Produkte, Services und Prozesse umgestaltet und an die Anforderungen der digitalen Ökonomie angepasst. Das ist zum einen möglich, weil immer mehr Menschen über mobile Endgeräte und Wearables erreichbar sind und ihre persönlichen Daten - ob freiwillig oder nicht - zur Verfügung stellen. Und es ist möglich, weil auch Gegenstände und Maschinen über Sensoren und SIM-Karten jederzeit digital ansprechbar sind, was zu veränderten und erweiterten Wertschöpfungsketten führt. Wir bewegen uns also mit Höchstgeschwindigkeit in eine voll vernetzte Welt.

Vor diesem Hintergrund müssen Unternehmen und Branchen ihre Geschäftsmodelle und -prozesse auf den Prüfstand stellen, wollen sie nicht von schnelleren Wettbewerbern oder von Newcomern mit einer rein digitalen DNA überrannt werden. Wie rasch so etwas gehen kann, zeigen die allseits bekannten Beispiele wie Uber, Airbnb, Netflix, Salesforce.com, Spotify, aber auch Google (autonomes Fahren), Tesla oder Amazon (E-Commerce).

"Eine Sache der internen IT"

"Die Gestaltung und Umsetzung der digitalen Transformation innerhalb des Unternehmens ist zu einem Löwenanteil Sache der internen IT-Abteilung", heißt es glasklar in der Analyse, die der COMPUTERWOCHE exklusiv vorliegt. Mehr als zwei Drittel der befragten Unternehmen (69 Prozent) gaben an, dass die IT-Abteilung einen maßgeblichen Anteil an der Planung, Implementierung und Umsetzung der Aktivitäten hinter der digitalen Transformation habe. Dieses Meinungsbild zeigt sich über alle Branchen hinweg. Lediglich 39 Prozent sehen Geschäftsführung und Vorstand als Gestalter der digitalen Zukunft und 17 Prozent die Unternehmensentwicklung - sofern es denn einen solchen Bereich unabhängig von der Geschäftsführung gibt. Nur zwölf Prozent halten die Digitalisierung für eine Aufgabe der Fachbereiche.