Digitalisierung im produzierenden Gewerbe

In 7 Schritten fit für Industrie 4.0

Die Welt von Handel und Vertrieb sind Roland Fesenmayr ebenso vertraut wie die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung. Seit mehr als 15 Jahren verfolgt der Experte für E-Commerce die digitale Transformation und gestaltet sie als Vordenker leidenschaftlich mit – in vielfältigen Veröffentlichungen und durch ein Unternehmen: die OXID eSales AG, die der Allgäuer heute als CEO führt und 2003 mitbegründet hat. Fesenmayr ist auch Vorstand der baden-württembergischen Wirtschaftsinitiative bw:con.
Allzu oft wird „Digitalisierung“ als „Modernisieren bestehender IT-Strukturen“ missverstanden. Wer jedoch wirklich Schritt halten will, muss sein Geschäftsmodell flexibilisieren. Den Vertriebskanälen kommt im Wettlauf um Anteile an neu entstehenden Märkten dabei eine besondere Rolle zu.

Mit der Digitalisierung Schritt zu halten, steht inzwischen überall auf der Agenda. Leider wird „Digitalisierung“ oft als „Modernisieren bestehender IT-Strukturen“ missverstanden. Dass eine solche Interpretation viel zu kurz greift, merken vor allem B2B-Unternehmen im produzierenden Gewerbe. Denn wenn sich Marktnischen für neue Produkte öffnen, werden die nicht unbedingt von den alten Hasen der Branche besetzt, sondern oftmals von branchenfremden frühen Vögeln.

Industrie 4.0 - Internet, Cloud-Strukturen und cyber-physische Systeme prägen das industrielle Umfeld.
Industrie 4.0 - Internet, Cloud-Strukturen und cyber-physische Systeme prägen das industrielle Umfeld.
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Im globalen Produktionswettlauf hat das Tempo angezogen, und zwar auf hochtechnisiertem Niveau. Die mit dem Handy steuerbare Produktionsmaschine ist auf der heutigen Stufe der Digitalisierung nicht mehr nur Projektion, sondern bereits Realität. Das Zeitalter der Digitalisierung von Produkten und der Produktion ist angebrochen. Das industrielle Umfeld wird in den nächsten Jahren massiv durch Internet, Cloud-Strukturen und den Einsatz cyber-physischer Systeme (CPS-Systeme) geprägt. Mit dem Schlagwort „Industrie 4.0“ bezeichnet man diese Stufe der Digitalisierung durch Vernetzung. Durch die Kopplung von digitalen und mechanischen Elementen, kommunikationsfähigen Anlagen und komplexer Mensch-Maschine-Interaktion entstehen sich selbst-optimierende Systeme, die neue Maßstäbe für Effizienz setzen.

Das Zeitalter der Digitalisierung von Produkten und der Produktion ist angebrochen.

Um Schritt zu halten, ist es daher mit der Modernisierung bestehender IT-Systeme nicht getan. Vielmehr sind vorausschauende Geschäftsstrategien, ein Ohr am Markt und kluge Unternehmensführung gefragt.

The Next Now! - Foto: shutterstock.com - SFIO CRACHO

The Next Now!

Bei der Verankerung und Einführung neuer Produkte kommt den Vertriebswegen eine besondere Rolle zu. Hier entsteht der direkte Kontakt zu den Abnehmern. Hier trifft der Produzent auf die Wünsche und Erwartungen der Kunden. Und der Kunde entscheidet. Der E-Commerce war schon in der Vergangenheit der Motor für neue Geschäftsmodelle. Er wird es auch weiterhin sein. Denn im Zeitalter von Industrie 4.0 und CPS-Systemen werden Produktion und Vertrieb nicht mehr zwei hermetisch voneinander getrennte Welten, sondern ein großer Systemzyklus sein.

Wenn die digitalen Absatzwege des E-Commerce direkt mit der Produktionshalle verbunden sind, kann das Auslösen einer Order die Produktion anstoßen. Oder Kundenfeedback fließt direkt in die Produktion ein. Nicht nur hinsichtlich kontinuierlicher Optimierung, sondern auch in Form von hochindividuellen Produkten, die on-demand hergestellt werden. Mit fortschreitender Digitalisierung wird die bislang gültige Faustregel, dass sich produktionsrelevante oder forschungsintensive Güter nicht für den E-Commerce eignen, infrage gestellt.

Wenn der Ladentisch derart an die Werkbank heranrückt, kann für die Industrie das B2C-Geschäft eine logische Ergänzung des B2B-Portfolios sein. Jetzt ist Mut zur Veränderung gefragt. Es gilt eine Flexibilisierung einzuleiten, die auch schon für den Wandel von Morgen vorbereitet ist - ohne ihn genau zu kennen.

Die fortschreitende Digitalisierung rückt den Ladentisch an die Werkbank heran.
Die fortschreitende Digitalisierung rückt den Ladentisch an die Werkbank heran.
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