Mehrere Cloud-Anbieter nutzen

In 4 Schritten zu echtem Multi Cloud Sourcing

Leiter Vertrieb und IT-Services bei DARZ, einem Rechenzentrumsbetreiber in Darmstadt
Immer mehr Unternehmen nutzen Cloud-Services für flexible, hochskalierbare Dienste. Doch dabei sollten sie sich nicht in Abhängigkeit von einem Provider begeben. Gefragt ist eine Multi-Cloud-Lösung, die sich in vier Schritten organisieren lässt.

Die Hybrid Cloud ist für viele Unternehmen attraktiv, weil sie Effizienz und Skalierbarkeit vereint und darüber hinaus Kostenersparnisse verspricht. Bei genauerem Hinsehen werden jedoch schnell die Grenzen der meisten verfügbaren Angebote deutlich. Die Architekturen sind oft unflexibel und trennen die Speicherebenen innerhalb und außerhalb des Unternehmens zu streng voneinander. Ein Datenaustausch zwischen den einzelnen Infrastrukturen ist deswegen meist nur mit erheblichem Migrationsaufwand möglich.

Im Bereich Public Cloud führt das für Unternehmen oft zu einem Vendor Lock-In, da die Einsparungen, die sich durch den Zugriff auf verschiedene Hyperscaler erzielen ließen, de facto durch die Aufwände der Datenmigration aufgehoben werden. Hyperscaler sind Public Cloud-Anbieter wie Amazon Web Services, Microsoft Azure oder IBM Softlayer, die eine verteilte Umgebung nutzen, um die Datenmenge und Rechenkapazität für bestimmte Workload-Typen schnell und zu geringen Kosten exponentiell erhöhen zu können.

Unternehmen, die sich aus dieser Situation lösen wollen oder verhindern möchten, dass sie überhaupt erst in diese geraten, müssen zunächst die Voraussetzungen für Multi Cloud Sourcing schaffen, um verschiedene Angebote nutzen zu können.

1. Analyse der Bestandsinfrastruktur und Anforderungen

In diesem Schritt geht es darum herauszufinden, ob das eigene Unternehmen überhaupt Multi Cloud Sourcing benötigt. Was sind die Anforderungen im Hinblick auf Verfügbarkeit, Performance, Skalierbarkeit, Sicherheit und Compliance? Welche Service-Level-Agreements werden benötigt und welche Zusammenhänge und Abhängigkeiten bestehen innerhalb der vorhandenen IT-Infrastruktur? Gibt es Gründe, Private Cloud- und Public Cloud-Ressourcen von verschiedenen Anbietern zu kombinieren?

Am Anfang jeder Multi-Cloud-Lösung sollte eine gründliche Analyse der eigenen IT-Infrastrutkur stehen.
Am Anfang jeder Multi-Cloud-Lösung sollte eine gründliche Analyse der eigenen IT-Infrastrutkur stehen.
Foto: Sergey Nivens - shutterstock.com

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Verallgemeinernd lässt sich sagen, dass Multi Cloud Sourcing vor allem für Unternehmen interessant ist, die große Schwankungen bei den Auslastungen ihrer Systeme verzeichnen wie Einzelhändler, Medien oder Finanzunternehmen und/oder bezüglich ihrer IT-Anwendungen sehr stark ausdifferenziert sind, also zahlreiche verschiedene Applikationen nutzen. Dazu gehören etwa viele Service-Provider. Darüber hinaus gibt es auch Firmen, vor allem Startups, bei denen es Teil der Unternehmensstrategie ist, keine eigene IT-Infrastruktur vorzuhalten, um sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren.

2. Vollkommene Kontrolle über die eigenen Daten herstellen

Ist die Entscheidung zugunsten von Multi Cloud Sourcing gefallen, gilt es im nächsten Schritt, die vollkommene Kontrolle über die eigenen Daten zu erhalten. Erst dann ist es möglich, eine echte Hybrid-Cloud-Struktur unter Einbeziehung von Private Cloud, Public-Cloud-Anbietern und Colocation zu erzeugen, die eine maximale Datenmobilität ermöglicht. Organisationen, die besonders hohe Anforderungen an die Datensicherheit stellen, darunter Banken, Versicherungen oder Behörden, sorgen zudem dafür, dass ihre Daten unter Umgehung des Internets über eine gesicherte, vollredundante Anbindung auf einer permanent überwachten, verschlüsselten, dedizierten Glasfaserinfrastruktur an verschiedene Public-Cloud-Anbieter angebunden werden.

3. AWS, Azure und Co: Know-how über Hyperscaler aufbauen

Die Unterschiede zwischen verschiedenen Hyperscalern und Public-Cloud-Anbietern sind zum Teil erheblich - sowohl in Bezug auf die Breite ihres Portfolios als auch ihrer Interpretation der einzelnen Servicemodelle. Die wichtigsten Merkmale lassen sich in drei Kategorien einteilen: Produktbreite, Performance-Klassen und Workload-spezifische Zielgruppen. Bezüglich der Produktbreite decken zum Beispiel Amazon Web Services (AWS) und Microsoft Azure die gesamte Palette von Infrastructure as a Service (IaaS), über Platform as a Service (PaaS) bis zu Software as a Service (SaaS) ab. Dagegen konzentrieren sich IBM Softlayer und VMware auf IaaS und teilweise auf PaaS.

Während VMware eine breite Auswahl verschiedener Performance-Klassen für alle Bedürfnisse von Unternehmen bietet, fokussiert AWS auf agilere Infrastruktur-Services. Auch in Bezug auf die unterstützten Workloads und Anwendungen gibt es teils große Unterschiede zwischen den Providern. Um den größtmöglichen Nutzen aus Multi Cloud Sourcing zu ziehen, ist es unumgänglich, sich damit vertraut zu machen.

Für die Kunden stellt diese große Vielfalt sowohl eine Herausforderung als auch eine Chance dar. Denn derzeit gibt es keine Möglichkeit, auf einfache Weise eine Kombination dieser Services für ihre individuellen Bedürfnisse zusammenzustellen. Entsprechend können sie nicht schnell von dieser Vielfalt profitieren. Sie müssen zuerst die große Verschiedenheit der Angebotspalette sowie die Qualitätsmerkmale verstehen. Weitere wichtige Themen sind IT-Sicherheit und Datenschutz, Preismodelle sowie mögliche Exit-Strategien.

4. Umsetzung der Analyse und Anwendung auf die eigenen Anforderungen

Hat ein Unternehmen die vorbereitenden Schritte auf dem Weg zu Multi Cloud Sourcing durchlaufen, folgt die Durchführung anhand der gewonnenen Erkenntnisse. Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist auch zu klären, ob sich alle Anforderungen durch eine eigene Umsetzung abdecken lassen oder ob es sinnvoll ist, mit einem Service Provider zusammenzuarbeiten. Auch die Entscheidung über das gewünschte Service Level (Self-Managed, Managed, Full Service) muss jetzt getroffen werden.

Mit diesen vier Schritten können Unternehmen auf einfache Weise Multi Cloud Sourcing nutzen und entsprechend die jeweils beste Variante aus den verschiedenen verfügbaren Angeboten wählen. Dabei sind sie auch flexibel genug, um schnell auf neue Herausforderungen zu reagieren und kommende Technologien nach Verfügbarkeit einzusetzen. (wh)