Service für Unternehmen

IBM forciert Umstieg auf Macs

Christian Vilsbeck war viele Jahre lang als Senior Editor bei TecChannel tätig. Der Dipl.-Ing. (FH) der Elektrotechnik, Fachrichtung Mikroelektronik, blickt auf langjährige Erfahrungen im Umgang mit Mikroprozessoren zurück.
IBM bietet Services an, damit Unternehmen Macs einfacher in ihre Infrastruktur einbinden können. Was steckt hinter dem neuen Angebot? Will IBM zwanghaft von Microsoft weg oder sieht man neue Umsatzquellen mit Apple?
Die Zusammenarbeit von IBM und Apple beschränkt sich nicht auf Apps und dem Vertrieb von iPhones. Im Bild sehen Sie IBM-CEO Ginni Rometty und Apples Chef Tim Cook.
Die Zusammenarbeit von IBM und Apple beschränkt sich nicht auf Apps und dem Vertrieb von iPhones. Im Bild sehen Sie IBM-CEO Ginni Rometty und Apples Chef Tim Cook.
Foto: Apple / IBM

Der erste Gedanke beim Lesen von IBMs Mitteilung, Services für eine flotte Apple-Einführung anzubieten, könnte sein, das Unternehmen wolle möglichst schnell von Systemen mit Windows wegkommen. Die PC-Sparte ist längst an Lenovo verkauft, die x86-basierenden Server wurden ebenfalls abgestoßen. IBM konzentriert sich auf seine Services, Cloud und POWER-basierenden Server. Bei all dem braucht man weder Windows, noch Microsoft an sich. Doch dieser Gedanke wäre sehr kurz gegriffen, schließlich hat IBM ja sowohl bei seinen PCs, Notebooks als auch Servern sehr eng mit Microsoft zusammen gearbeitet und gut davon gelebt.

Warum also forciert IBM nun den Umstieg auf Macs - und das sowohl intern bei der eigenen Infrastruktur als auch als Service für Unternehmen? "Weg von Windows" ist sicherlich nicht der Grund, schließlich propagieren doch sowohl Microsoft als auch IBM stark den Schritt in die Cloud, bei dem Services unabhängig von der Plattform nutzbar sind. IBM-intern fährt das Unternehmen ebenfalls einen Client-agnostischen Ansatz. Sofern Mitarbeiter den vordefinierten Software-Stack für das IT-Management und die Security einsetzen, können bei IBM schon jetzt diverse Clients zum Einsatz kommen. Primär bietet IBM seinen Mitarbeitern derzeit aber noch ThinkPads an, und nur in ausgewählten Situationen auch Macs. Allerdings setzt das Unternehmen auch noch andere mobile Clients wie diverse Tablets ein.

Die Alliance wird forciert

Immer mehr Menschen wollen mit Macs arbeiten: Das sagt nicht Apple, sondern IBM. Das alleine kann aber kaum der Grund sein, warum IBM nun mit Vollgas Richtung Macs fährt - selbst wenn Macs im Vergleich zu Windows-PCs prozentual gesehen in Unternehmen etwas mehr wachsen. Ein Blick auf all die Marktzahlen diverser Analysten und Experten bescheinigen den Macs rund zwei bis fünf Prozent Marktanteil. Forrester sieht Macs bei den Desktop-PCs im Enterprise-Umfeld nur bei zwei Prozent Marktanteil, bei den Notebooks sollen die MacBooks immerhin sechs Prozent belegen.

Etwas mehr als der seit Jahren geringe Marktanteil von Macs in Firmen steckt schon hinter dem IBM-Vorstoß. Hierzu ruft man sich die im Juli 2014 geschlossene Partnerschaft zwischen IBM und Apple ins Gedächtnis. Die weitreichende Allianz rund um mobile Technologien sieht vor, einfach benutzbare Apps für IBMs Services zu entwickeln und gleich iPhones und iPads an Business-Kunden verkaufen. IBM optimiert also seine Cloud-Services für Device-Management, Analytics, Sicherheit und mobile Integration für die Nutzung unter iOS. Apple hat damals angekündigt, im Rahmen von AppleCare neue Garantie-Services für Enterprise-Kunden anzubieten, die eine Rund-um-die-Uhr Betreuung und einen Vor-Ort-Support beinhaltet. Business-Kunden, die ihre iOS-Devices lieber leasen als kaufen möchten, sollen ebenfalls entsprechende Angebote erhalten.

Das gemeinsame Ziel war und ist klar: Wachstum im Enterprise-Segment. Komplexe und umfangreiche IBM-Services sollen per Fingertipp auf iPhones und iPads einfach nutzbar sein. Zwischenzeitlich wurden aber schon Stimmen laut, ob die Partnerschaft zwischen Apple und IBM bereits kriselt, weil es nur ein paar wenige Apps seit der Alliance gebe. Die Zusammenarbeit von zwei solchen "Schwergewichten" mit gegenseitig jeweils klaren Forderungen und Vorstellungen erfordert in der Praxis natürlich erst das Überwinden von Hindernissen. Jeder, der schon einmal einen Firmenzusammenschluss oder -aufkauf mitgemacht hat, weiß ein Lied davon zu singen. Und eine Alliance mit gemeinsamer Entwicklung ist im kleineren Stil ja nichts anderes. Die Anzahl der verfügbaren Apps von IBM liegt derzeit bei rund 30 Stück. Bis Ende des Jahres sollen es noch deutlich mehr solcher Branchenanwendungen sein.