Unterstützung für OpenStack

IBM baut auf offene Cloud-Architektur

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Nach dem klaren Bekenntnis zum OpenStack-Lager will Big Blue nun eine Produktoffensive auf der Basis offener Cloud-Standards starten.

Das Unternehmen hat angekündigt, seine gesamte Cloud-Infrastruktur künftig auf der Basis der freien OpenStack-Architektur zu entwickeln. Betroffen ist die eigene öffentliche "Smart Cloud" ebenso wie sämtliche im Kundenauftrag entwickelten "Private Clouds".

IBM unterstützt das Open-Source-Projekt, in das sich rund 1000 Unternehmen einbringen - darunter auch Anbieter wie Dell, HP, Citrix, Intel und AMD - schon seit gut einem Jahr. Jetzt folgte die Ankündigung, alle eigenen Cloud-Services und -Produkte auf eine offene Cloud-Architektur zu hieven.

Foto: Thomas Cloer

In einem ersten Schritt hat IBM den "Smart Cloud Orchestrator" herausgebracht, ein Private-Cloud-Angebot, das auf der OpenStack-Software basiert und das Einrichten von Private Clouds in Unternehmen bezüglich der Verwaltung von Rechen-, Speicher- und Netzressourcen vereinfachen soll. Im nächsten Schritt soll Software auf der Basis offener Standards entwickelt werden, mit der Unternehmen ihre Private-, Hybrid- und Public-Cloud-Installationen besser überwachen können. Als Betaversionen sind zudem erste Analyseprogramme verfügbar, die dazu dienen, Skalierung und Nutzung von Cloud-Diensten vorherzusagen. Auch Regulierungs-, Compliance- und Sicherheitsfragen will Big Blue mit neuen Lösungen adressieren.

VMware unter Druck?

Die Website "Business Insider" argwöhnt bereits, dass IBMs Commitment für den Open-Source-Stack Virtualisierungsspezialisten wie VMware und Citrix unter Druck bringen könnte. Unternehmen und Service-Provider würden sich künftig eher für die OpenStack-Basistechnologien entscheiden als für die teuren Cloud-Stacks dieser Hersteller. Entsprechend begeistert zeigte sich Mark Collier, COO der OpenStack Foundation, im Gespräch mit der CW-Schwesterpublikation "Infoworld": "Wir haben immer davon geträumt, dass sich eines Tages IBM für OpenStack entscheiden, und für diese Plattform Ähnliches leisten würde, wie zuvor für Linux und andere Open-Source-Communities."

Die Analysten von Saugatuck Technologies glauben, dass IBMs Ankündigung zu mehr Vertrauen in Cloud-Angebote führen wird. Anwenderunternehmen würden nun sicherer aus der Private- in die Hybrid-Cloud-Welt geleitet. IBMs Engagement werde außerdem dazu führen, dass Cloud- und On-Premise-Umgebungen künftig besser integriert verwaltet werden könnten.

Auch Oracle wird aktiv

Mit der Ankündigung, den Anbieter von Cloud-Management-Software Nimbula zu übernehmen, hat sich auch Oracle dem OpenStack-Lager angenähert. Saugatuck glaubt, dass Manager, Entwickler und Produkte von Nimbula eine Basis für Oracles Cloud-Präsenz darstellen könnten. Da Nimbula ebenfalls auf OpenStack-Techniken vertraue, könne dies für Oracle der Weg sein, die im eigenen Ökosystem vorhandene Abhängigkeit von proprietären Cloud-Architekturen zu verringern.

Mit dem "Nimbula Director" erwirbt Oracle ein Produkt, um Cloud- und On-Premise-Ressourcen in einer vom Anwender kontrollierten Infrastrukturumgebung zu verwalten. (hv)