Kommentar zur Aufspaltung von Hewlett-Packard

HP Inc. und Hewlett-Packard Enterprise Company.

Jan-Bernd Meyer betreut als leitender Redakteur Sonderpublikationen und -projekte der COMPUTERWOCHE. Auch für die im Auftrag der Deutschen Messe AG publizierten "CeBIT News" ist Meyer zuständig. Inhaltlich betreut er darüber hinaus Hardware- und Green-IT- bzw. Nachhaltigkeitsthemen sowie alles was mit politischen Hintergründen in der ITK-Szene zu tun hat.   
Seit vergangenem Samstag existiert die Hewlett-Packard Company nur noch als Konzernmutter zweier operativ getrennter neuer Unternehmen: die HP Inc. und die Hewlett-Packard Enterprise. Die Preisfrage lautet: Ist diese Aufspaltung die Rettung für ein im Stillstand befindliches Unternehmen?

Ohne sie zu kritisch zu sehen, kann man Meg Whitman als flexibel bezeichnen. Léo Apotheker hatte am 18. August 2011 - damals als CEO - angekündigt, HP wolle sein PC-Geschäft ausgründen oder verkaufen. Whitman, die auf Betreiben Apothekers Anfang 2011 in den HP-Verwaltungsrat eingezogen war, unterstützte diese Pläne. 70 Tage später wurde Apotheker mit einem goldenen Handschlag verabschiedet, und Whitman bestieg den Thron. Die Idee, das PC-Geschäft auszugliedern, ließ Whitman kurzerhand in der Schublade verschwinden.

Hewlett-Packard hat die PC- und Drucker-Sparte vom Enterprise-Geschäft abgespalten. Doch die Sorgen bleiben.
Hewlett-Packard hat die PC- und Drucker-Sparte vom Enterprise-Geschäft abgespalten. Doch die Sorgen bleiben.
Foto: Petr Salinger - shutterstock.com

"Wir haben keine Pläne, HP aufzuspalten"

Am 22. Februar 2013 hörte sich Meg Whitman immer noch so an. Da diskutierte HPs Oberhaupt die Geschäftszahlen des ersten Fiskalquartals 2013 mit Analysten. Wieder kam die Frage auf, ob sie vorhabe, das Unternehmen in zwei Teile zu trennen. "Wir haben keine Pläne, die Company aufzuspalten", sagte Whitman vor diesem Auditorium. Erklärend schob sie nach: "Ich habe das wieder und wieder gesagt: Gemeinsam sind wir besser und stärker." HP habe eine Menge Aktivposten im Produktportfolio, und "wir sind dabei, unsere Wirtschaftsleistung zu verbessern".

"Keine Pläne zur Aufspaltung" ... vermeldete HP-CEO Meg Whitman noch 2013
"Keine Pläne zur Aufspaltung" ... vermeldete HP-CEO Meg Whitman noch 2013
Foto: Hewlett-Packard

Whitman schloss mit den Worten: "Unsere Kunden wollen, dass die verschiedenen Firmenteile vereint bleiben. Wir haben das laut und deutlich vernommen im August 2011." Bis zum 6. Oktober 2014 muss da im HP-Topmanagement eine entscheidende Erkenntnis herangereift sein. An diesem Tag verkündete Whitman offiziell, dass sich Hewlett-Packard in zwei unabhängig voneinander agierende Firmen aufteilen wolle.

HP Inc. - PCs und Drucker

Die HP Inc. fungiert dabei quasi als Mutterunternehmen. Deshalb muss die bis zum 31. Juli 2015 noch vereint agierende Hewlett-Packard Co. für die künftige HP Inc. vor der Aufspaltung zunächst auch keine genauere Bilanzaufstellung bei der Securities Exchange Commission (SEC) einreichen. Für die Hewlett-Packard Enterprise Co. hat sie dies schon getan.

In die HP Inc. geht das PC- und Druckergeschäft über. Mit Personal Systems, also Desktops, Notebooks und Workstations, erwirt schaftete HP im Geschäftsjahr 2014 (Ende: 31. Oktober 2014) rund 60 Prozent der Umsätze der gesamten Personal Systems Group. 40 Prozent trug die Druckersparte bei. Insgesamt belief sich der Umsatz der Personal Systems Group auf 57,2 Milliarden Dollar.

Wer ist wo bei HP Inc.:

  • President & CEO: Dion Wiesler

  • Chairman: Meg Whitman

  • CFO: Cathie Lesjak

  • Chief Technology Officer: Shane Wall

  • COO: Jon Flaxman

  • Chief Marketing Officer: Antonio Lucio

  • Chief Technology Officer & Labs: Shane Wall

  • Human Resource: Tracy Keogh

  • Printing Group: Stephen Nigro

  • Personal Systems Group: Ron Coughlin

  • Customer Support and Solutions: Richard Bailey

  • EMEA: Enrique Lores

Hewlett-Packard Enterprise

In die Hewlett-Packard Enterprise geht das gesamte Unternehmensgeschäft über. Hierzu gehören die Produktgruppen, die HP unter der Enterprise Group subsumiert:

alle Netzwerkaktivitäten, das Geschäft mit Industrie-Standard-Servern und Business Critical Systems, die Storage-Sparte sowie das Dienstleistungssegment der Technology Services. Eine zweite große Säule ist der Enterprise-Services-Bereich, in den die Aktivitäten des Infrastructure Technology Outsourcing sowie die Application and Business Services fallen. Schließlich gehören auch die Software Group und die HP Financial Services zur Hewlett-Packard Enterprise.

Wer ist wo bei HP Enterprise:

  • President & CEO: Meg Whitman

  • Chairman: Pat Russo

  • CFO: Tim Stonesifer

  • COO: Chris Hsu

  • Human Resource: Alan May

  • Chief Marketing Officer: Henry Gomez

  • Chief Technology Officerand HP Labs: Martin Fink

  • Enterprise Services:Mike Nefkens

  • Enterprise Group: Antonio Neri

  • Software: Robert Youngjohns

  • Cloud (aufgeteilt):

  • SVP Cloud Go-To-Market: Kerry Bayley

  • SVP Cloud Product

  • Management: Bill Hilf

  • SVP Cloud Engineering: Mark Interrante

  • Corporate Strategy: Jim Murrin

  • Chief Customer Officer and Technology & Operations: John Hinshaw

Wieso nun doch die Aufspaltung?

Natürlich fragt man sich, welche Ereignisse oder Umstände Whitmans Einsicht innerhalb von gut zwei Jahren ins Gegenteil verkehrt haben. Ein Grund könnte sein, dass HP nun seit gut einem Jahrzehnt mit rückläufigen Umsätzen zu kämpfen hat. Hinzu kamen diverse Gerichtshändel und verunglückte Akquisitionspläne (Autonomy, PwC).

Schließlich gab es im internen Management-Team immer wieder heftige Auseinandersetzungen, die ein ums andere Mal zu Abgängen im Streit führten: Carleton ("Carly") Fiorina, Mark Hurd, Léo Apotheker - allesamt CEOs von HP, die auf weniger glückliche Art entthront wurden. Immerhin haben sie alle üppige Abfindungen erhalten.

HP rechnet allein für den weltweiten Aufbau der beiden neuen Unternehmensbereiche mit Kosten von rund 400 bis 450 Millionen Dollar. An Umbaukosten sind weitere 1,8 Milliarden Dollar eingeplant. Diese zusätzlichen Ausgaben sind ein Ballast, den die beiden HP-Unternehmen in geschäftlich schwierigen Zeiten schultern müssen.

Umsatzeinbußen bestimmen das Bild

Wie ist nun der Status der beiden neuen Firmen zum 1. August 2015? Ein Blick auf den derzeit aktuellsten Geschäftsbericht (zweites Quartal, Ende: 30. April 2015) liest sich für die verschiedenen Produktsparten eher ernüchternd: Der Umsatz der Personal Systems Group ist im Vergleich zum Vorjahresquartal um fünf Prozent gesunken. Im Printing-Geschäft (minus sieben Prozent), in der Enterprise Group (minus ein Prozent), bei Enterprise Services (minus 16 Prozent) und Software (minus acht Prozent) sowie bei HP Financial Services (minus sieben Prozent) - überall verzeichnet HP Umsatzrückgänge. Auch die Gewinne sinken kontinuierlich. Im zweiten Quartal des Fiskaljahrs 2015 sanken die operativen Gewinne in vielen Sparten:

  • bei der Personal Systems Group im Vergleich zum Vorjahresquartal von 290 Millionen auf 235 Millionen Dollar;

  • im Printing-Geschäft von gut 1,1 Milliarden auf 996 Millionen Dollar;

  • die Enterprise Group musste nur einen geringfügigen Rückgang von 957 auf 950 Millionen Dollar hinnehmen;

  • Produktprimus Enterprise Services: Hier ist ein spürbares Ertragsplus von 148 auf 194 Millionen Dollar zu verzeichnen;

  • schlechter lief es im Softwaresegment: das Plus lag bei 160 Millionen Dollar nach 186 Millionen im Jahr zuvor;

  • Bei HP Financial Services ging es um 14 Millionen nach unten. Am Ende reichte es für einen operativen Profit von 85 Millionen Dollar.

Inhalt dieses Artikels

 

GSTZ

Diese Frage ist in der Tat sehr berechtigt. Benötigt wird ein sicheres Betriebssystem welches unter anderem eine strikte Hauptspeicherverwaltung enthält und damit die gängigen Buffer Overflow - Attacken unterbindet - und genau dies ist in dem beschriebenen fehlertoleranten Umfeld der Fall. Implementiert wurde dies übrigens als Schutz vor defekten Disk Controllern, die ansonsten in fremde Speicherbereiche schreiben und dadurch das System zum Absturz bringen könnten. VMware hat übrigens in diesem Umfeld keinen Platz, Anwendungsvirtualisierung erfolgt dort anders und ist in die vorhandene Systemsoftware integriert. Diese Systemsoftware läuft nunmehr auch auf x86 - Hardware, ohne jedoch von den marktüblichen Softwarelayern und deren zahlreichen Schwachstellen abhängig zu sein - Interoperabilität mit anderen Systemen ist jedoch gegeben.

Axel Schwarz

Resistenz gegen Schadsoftware ist doch abhängig von dem verwendeten Betriebssystem und systemnaher Software, z.B. der Virtualisierung. Wie können x86 Server besonders sicher sein wenn dann ein Windows mit VM Ware darauf läuft?

GSTZ

Ganz so düster wie in diesem Artikel dargestellt ist die Situation von HP möglicherweise doch nicht, und alles Heil beim Zukauf von Firmen zu suchen hat sich auch in der Vergangenheit schon verschiedentlich als Fehler erwiesen. HP hat durchaus zukunftsweisende Produkte, zum Beispiel extrem zuverlässige fehlertolerante Rechner die darüber hinaus auch noch resistent gegen Schadsoftware sind. Diese Produktlinie ist technisch up-to-date und wurde erst vor kurzem auf x86-Prozessoren umgestellt. Allerdings beliefert HP damit vorrangig die Bestandskundschaft welche diese Systeme weiter nutzen möchte, versäumt es aber die Produktlinie auch aktiver zu vermarkten.

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