Kommentar zur Aufspaltung von Hewlett-Packard

HP Inc. und Hewlett-Packard Enterprise Company.

03.08.2015
Von 
Jan-Bernd Meyer betreute als leitender Redakteur Sonderpublikationen und -projekte der COMPUTERWOCHE. Auch für die im Auftrag der Deutschen Messe AG publizierten "CeBIT News" war Meyer zuständig. Inhaltlich betreute er darüber hinaus Hardware- und Green-IT- bzw. Nachhaltigkeitsthemen sowie alles was mit politischen Hintergründen in der ITK-Szene zu tun hat.

Irritierende Management-Wechsel

Hewlett-Packard steckt seit vielen Jahren in einem Abwärtstrend, und auch Whitman, die im Herbst 2011 das Ruder übernahm, konnte die Talfahrt nicht grundsätzlich stoppen. Probleme gab es schon unter Carly Fiorina, die das Unternehmen am 9. Februar 2005 nach Querelen mit dem Verwaltungsrat wegen der angeblichen Weitergabe vertraulicher Informationen an die Presse verlassen musste.

Ersetzt wurde sie durch Mark Hurd, der sich zuvor bei NCR als konsequenter Sanierer einen Namen gemacht hatte. Mit ihm trat vorübergehend eine Besserung ein - unter anderem, weil Hurd tiefe Einschnitte beim Personal vornahm. Hurd wurde wegen einer Spesenrechnungsaffäre mit einer dem Unternehmen verbundenen Geschäftspartnerin abgelöst, was die Verunsicherung bei Mitarbeitern und Kunden nicht eben verringerte. Ursprünglich waren ihm in dieser Causa sexuelle Belästigungen vorgeworfen worden - eine Anschuldigung, die interne Untersuchungen jedoch nicht bestätigten. Es blieb bei der zweifelhaften Spesenabrechnung.

Auch mit Hurds Nachfolger Léo Apotheker trat keine Besserung ein. Apotheker war im Februar 2010 als SAP-Chef von der grauen Eminenz Hasso Plattner zu Fall gebracht worden. Auch bei HP erlebte er als CEO keine glückliche Zeit. In seiner Ägide kam erstmals der Plan auf,

das PC-Geschäft zu verkaufen. Bei HP zeigten sich selbst Topmanager geschockt, darunter der Chef der PC-Sparte Todd Bradley. Den informierte Apotheker anlässlich eines Abendessens erst ganz kurz vor der Bekanntgabe seiner Pläne.

Das Für und Wider der Veräußerungsabsichten beschäftigte das Unternehmen über die Maßen. Es führte intern zu Grabenkämpfen und extern zu großen Verunsicherungen bei Partnern und Kunden. Der etwas irrlichternde Apotheker, der erst am 1. November 2010 den Chefposten bei HP angetreten hatte, musste bereits am 22. September 2011 wieder das Feld räumen und Platz für Meg Whitman machen.

Marktentwicklung aus den Augen verloren

Es waren wohl auch die internen Unruhen, die dazu führten, dass HP die Entwicklungen am Markt aus den Augen verlor. Das Unternehmen verpasste sowohl im Cloud-Geschäft als auch bei den sich rasant verbreitenden Smartphones und Tablets den Anschluss. Dabei hatte HP auch in dieser schwierigen Zeit - ganz in der Tradition des Ingenieurbetriebs - interessante Technologiekonzepte in seinem Portfolio: Die Memristor-Speichertechnik etwa, die seit Jahren auf den digitalen Reißbrettern

entwickelt wurde, nähert sich der Marktreife. Entwicklungen im 3D-Druck-Segment liefen praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit, obwohl sich HP hier Großes versprach. Nicht wenige erwarten heute, dass diese Saat in der neuen HP Inc. aufgehen könnte.

Nach wie vor einfallsreich

Dass HP auch im Client-Segment gute Einfälle hat, beweist zudem das "Sprout"-Konzept des ersten - laut HP-Werbung - "immersiven" PCs. Bei diesem Rechner wartet Hewlett-Packard mit einer besonders innovativen Benutzerschnittstelle auf. Hier kann der Benutzer nicht nur mit seinen Fingern den berührungsempfindlichen Monitor bedienen, sondern auch auf einer sogenannten Touch Mat arbeiten. Dies ist ein Bedienfeld anstelle einer herkömmlichen Tastatur. Auf diese Touch Mat können von einer über dem Display angebrachte.

3D-Kamera und Projektionsmaschine 2D- und 3D-Objekte eingescannt, auf die Touch Mat projiziert und dort bearbeitet werden. Ob sich dieses revolutionäre Konzept am Markt in gewinnbringenden Stückzahlen umsetzen lässt, wird sich allerdings erst noch zeigen müssen. Es beweist aber, dass HP als Entwicklungs- und Ingenieurfirma lebendig ist. Allerdings sind dies keine strategischen, sondern lediglich Einzelentwicklungen.