Outsourcing in der Krise

Hosting-Services rücken in den Fokus

Diego Wyllie hat Wirtschaftsinformatik an der TU München studiert und verbringt als Softwareentwickler und Fachautor viel Zeit mit Schreiben – entweder Programmcode für Web- und Mobile-Anwendungen oder Fachartikel rund um Softwarethemen.
Vor allem im Mittelstand, wo finanzielle und personelle Ressourcen knapp sind, verfolgen Unternehmen bei der Auslagerung von IT-Aufgaben zumeist das gleiche Ziel: Kosten zu sparen. In der Krise gewinnen Hosting-Services deshalb noch stärker an Bedeutung.

Geschäftskritische IT-Systeme sollen immer verfügbar sein, performant und sicher laufen, deren Investitions- und Betriebskosten aber möglichst gering bleiben. Die Frage, wie sich diese Anforderung in der Praxis am besten erreichen lässt, treibt die CIOs nach wie vor um. Viele von ihnen setzen auf In-house betriebene Rechenzentren, in denen all die wichtigen Business-Applikationen laufen. In Deutschland soll es nach Angaben des Hosting-Providers Strato AG aus Berlin rund 50.000 Rechenzentren geben; die meisten davon sehr klein und von Unternehmen betrieben, deren Kernkompetenz nicht im IT-Betrieb liegt. Aktuelle Marktdaten belegen allerdings, dass immer mehr Firmen Teile ihrer Rechenzentren an externe Dienstleister auslagern.

"Die Hosting-Services sind in den vergangenen Jahren des Wachstums trotz kontinuierlicher Preisreduzierungen gewachsen. Das heißt, für das gleiche Geld bekommen die Kunden heute mehr Leistung." beobachtet Hartmut Lüerßen, Geschäftsführer beim Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Lünendonk. "Trotzdem ist der Gesamtumsatz im Hosting gewachsen - ein Trend, der sich weiter fortsetzen dürfte". Die Marktforscher von Techconsult bestätigen dies und gehen in diesem Jahr trotz schwachem Marktumfeld von einem überdurchschnittlichen Wachstum des deutschen Hosting-Marktes von etwa fünf Prozent aus; nächstes Jahr leicht darüber. "Ursache des Wachstums ist häufig die Hoffnung, Kosten zu sparen und zunehmend Fachkräftemangel im SAP-Betrieb" erklärt dazu Techconsult-Experte Alexander Kubsch.

Schwache Konjunktur treibt Hosting-Geschäft an

Die aktuelle Wirtschaftskrise gibt dem ohnehin wachsenden Hosting-Markt zusätzliche Impulse. So zeigt beispielsweise eine aktuelle Studie des Karlsruher IT-Beratungshauses Orga GmbH, dass mehr als ein Drittel der rund 300 befragten mittelständischen und Großunternehmen überlegt, erstmals Hosting-Services in Anspruch zu nehmen. (vergleiche dazu: "Schwache Konjunktur animiert CIOs zum Hosting"). "Während es für den Großteil der globalen Wirtschaft finster aussieht, zeichnet sich im Outsourcing-Markt eine gegensätzliche Entwicklung ab", kommentiert Allie Young, Vice President bei Gartner, die Auslagerungstendenz.

Hartmut Lüerßen: Der Hosting-Markt wird nicht so stark von der Wirtschaftskrise beeinflusst wie das Projektgeschäft.
Hartmut Lüerßen: Der Hosting-Markt wird nicht so stark von der Wirtschaftskrise beeinflusst wie das Projektgeschäft.

Lünendonk sieht die aktuelle Entwicklung im Hosting-Geschäft ähnlich: "Wir erwarten, dass der Hosting-Markt nicht so stark von der Wirtschaftskrise beeinflusst wird wie das Projektgeschäft." erklärt Lüerßen. "Im Gegenteil: Wenn in der aktuellen Phase die geplanten Nutzungszyklen von Servern oder Desktops auslaufen, spricht vieles für ein Verschieben der Investitionen oder zu einem partiellen Outsourcing an einen Dienstleister". Als einen der wesentlichen Gründe für diese Entwicklung sieht der Analyst vor allem die Tatsache, dass Hosting-Services den operativen Betrieb der Unternehmensprozesse unterstützen. "Ein weiterer Grund, warum der Hosting-Markt weniger von der Krise beeinflusst werden dürfte, sind die längeren Vertragslaufzeiten, die für verzögerte Effekte sorgen", so der Analyst weiter. In diesem Zusammenhang weist er allerdings darauf hin, dass bei aktuell anstehenden Vertragsverlängerungen der Preisdruck sich sehr wohl auswirken dürfte.

Was Hosting bringt

Beim Hosting bezieht der Kunde über einen Mietvertrag mit klar definierten Kostenstrukturen die Rechenleistungen eines Service-Providers. Das heißt, Softwarelösungen, die momentan im Haus betrieben werden, laufen künftig im Rechenzentrum des Providers. Dabei wird entweder ein (oder mehrere) dezidierter Server bereitgestellt oder die Lösung läuft auf einer eigenen Partition größerer Maschinen, erläutert Techconsult-Analyst Kubsch.

Je nach Hosting-Produkt kann es hier um das komplette Management der gemieteten Server inklusive beispielsweise das Aufspielen von Updates, Pflege des Systems und darunter liegender Datenbanken gehen - dabei spricht man von Managed Hosting - oder lediglich um das Bereitstellen der Server-Kapazitäten. Im letzten Fall werden sämtliche Wartungs- und Pflegemaßnahmen per Fernzugriff selbst ausgeführt.