Karrierefrauen in der IT

Für Kinder und Kunden immer erreichbar

Ingrid Weidner arbeitet als freie Journalistin ín München.
Sie haben es in die oberste Führungsebene geschafft. Fünf Managerinnen berichten, wie Frauen der Aufstieg in der IT-Branche gelingt.
Mehr Frauen ins Management! Zu dem Thema diskutierten auf der CeBIT (von links)Barbara Lix (Cundus), Vera Meyer (Siemens, Victoria Ossadnik (Microsoft), COMPUTERWOCHE-Redakteurin Alexandra Mesmer, Sabine Bendiek (EMC) und Patricia Neumann von IBM.
Mehr Frauen ins Management! Zu dem Thema diskutierten auf der CeBIT (von links)Barbara Lix (Cundus), Vera Meyer (Siemens, Victoria Ossadnik (Microsoft), COMPUTERWOCHE-Redakteurin Alexandra Mesmer, Sabine Bendiek (EMC) und Patricia Neumann von IBM.

Weder Absichtserklärungen noch Quotendiskussionen helfen, mehr Frauen für Management-Positionen zu begeistern. Gläserne Decken und Männerseilschaften gibt es in allen Branchen, hier bildet die Informationstechnologie keine Ausnahme. Doch mit Jammern und Lamentieren lässt sich dieses Problem kaum lösen. Fünf erfolgreiche IT-Managerinnen sprachen in einer Diskussionsrunde des Karrierezentrums der Computerwoche auf der diesjährigen CeBIT in Hannover über Karrierewege und ermutigten gut ausgebildete Frauen, sich mehr zuzutrauen.

Sabine Bendiek, Geschäftsführerin von EMC Deutschland: „Frauen steigen manchmal zu schnell aus."
Sabine Bendiek, Geschäftsführerin von EMC Deutschland: „Frauen steigen manchmal zu schnell aus."
Foto: EMC

„Gerade die dynamische IT-Branche bietet Frauen viele Chancen“, sagte Sabine Bendiek, Geschäftsführerin von EMC Deutschland zu Beginn der Diskussion. Die Managerin kennt die IT-Industrie seit 1985. An besondere Hindernisse, die ihr oder anderen den Weg nach oben versperrt hätten, kann sie sich nicht erinnern. Doch eine Karriere sei auch keineswegs ein lockerer Spaziergang, daran ließ Bendiek keinen Zweifel aufkommen. Fehlschläge nicht als Misserfolg zu interpretieren, sondern es beim nächsten Mal besser zu machen, sei dabei eine wichtige Strategie. „Frauen steigen manchmal zu schnell aus.", so ihre Beobachtung. Stattdessen sei es wichtig, Themen zu finden, die einen begeistern, ganz egal ob im Vertrieb, Support oder Marketing.

Stolpersteine in den Köpfen der Frauen

Patricia Neumann bewarb sich nach ihrem Betriebswirtschaftsstudium in Wien bei IBM. Seit 18 Jahren arbeitet sie in ganz unterschiedlichen Positionen für den Konzern, heute verantwortet sie als Vice President den Geschäftskundenvertrieb von IBM Deutschland. Sie sieht keine besonderen Stolpersteine für Frauen auf dem Weg nach oben, empfiehlt aber Karriereorientierten, die eigenen „Wünsche zu artikulieren und zu lernen, mit Niederlagen umzugehen." Stolpersteine machte dagegen Barbara Lix, Vorstand der auf Business Intelligence spezialisierten Beratung Cundus, in den Köpfen der Frauen aus. Beim Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie manövrierten sich viele in ein Entweder-Oder-Dilemma, aus dem man nur schwer herausfinde. Sie forderte, dass sich auch die Männer um die Integration von Beruf und Familie gleichermaßen kümmern und hochqualifizierte Kinderbetreuung stärker ausgebaut wird.

Victoria Ossadnik, promovierte Physikerin und Mitglied der GL bei Microsoft: „Ich habe mir nie die Frage gestellt, ob ich die einzige Frau in einem Seminar bin. Für mich ist entscheidend, ob jemand klug ist."
Victoria Ossadnik, promovierte Physikerin und Mitglied der GL bei Microsoft: „Ich habe mir nie die Frage gestellt, ob ich die einzige Frau in einem Seminar bin. Für mich ist entscheidend, ob jemand klug ist."
Foto: Privat

Nach wie vor entscheiden sich zu wenige Frauen für ein technisches Studium. Unter den Studienanfängern in der Informatik waren nur knapp 20 Prozent weiblich, ein Frauenanteil, der schon seit Jahrzehnten kaum wächst. „Das fängt in der Schule an, Informatik ist von den Jungs besetzt.“, erinnerte sich Vera Meyer, die heute bei Siemens Enterprise Communications als Executive Vice President Global Operations tätig ist. Auch einige der Managerinnen auf dem Podium studierten erst Betriebswirtschaft und wechselten später in die IT-Branche. Victoria Ossadnik dagegen verfügte schon als Schülerin über genügend Selbstbewusstsein und ließ sich nicht von gesellschaftlichen Vorurteilen beeinflussen. Nach ihrem Physikstudium promovierte sie in Quantenphysik. „Ich habe mir nie die Frage gestellt, ob ich die einzige Frau in einem Seminar bin. Für mich ist entscheidend, ob jemand klug ist.“, erklärt sie pragmatisch. Heute ist Ossadnik Mitglied der Geschäftsleitung von Microsoft Deutschland und als General Manager Services verantwortlich für das Services-Geschäft im deutschen Markt.

Doch es gibt einen Trick, mehr junge Frauen für Informationstechnologie zu begeistern, und zwar gewissermaßen durch die Hintertür, wie Vera Meyer herausgefunden hat: „Wenn IT nur ein Aspekt der Ausbildung ist und mit anderen Themen verknüpft wird, verliert die Informatik ihr Image als Schreckgespenst.“ So gelänge es Siemens Enterprise Communications, mit kombinierten Ausbildungsangeboten mehr junge Frauen für technische Berufe zu gewinnen.