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Freie Business-Software Odoo zeigt erstaunliche Reife

Dr. Holger Reibold ist Inhaber vonBrain-Media.de in Saarbrücken.
Quelloffene Unternehmenslösungen gab es immer wieder, der Erfolg blieb aber überschaubar. Mit dem Komplettpaket Odoo, das ERP, CRM, ECM, Projektplanung und mehr bietet, zeigt sich ein Silberstreif am Horizont.

Odoo ist eine freie Unternehmenssoftware, die eine breite Aufgabenpalette abdeckt. Buchhaltung, Lager- und Produktverwaltung, Personalwesen, Projektmanagement, E-Commerce und Marketing - für jedes dieser Themen bietet Odoo eine mal mehr, mal weniger ausgereifte Lösung.

Immer wieder gab es verschiedenste Versuche, Konkurrenten zu SAP & Co. aus der Taufe zu heben. Compiere etwa startete mit vielen Vorschusslorbeeren, endete aber letztlich wie viel Open-Source-Projekte in der Selbstzerfleischung und in verschiedensten Fork-Projekten wie ADempiere, OpenBravo und OpenZ, Auf nennenswerte Markanteile brachte es keines dieser Projekte. Auch anderen ERP- und CRM-Projekten wie vTiger, SugarCRM etc. erging es nicht viel besser. Ein Grund hierfür ist sicherlich, dass die Funktionen zu eingeschränkt sind und eine Integration in bestehende IT-Infrastrukturen nur schwer möglich ist.

Odoo nach der Erstinstallation: Über die Modulverwaltung können Anwender nach Bedarf die gewünschten Module installieren und sich so ihre Arbeitsumgebung zusammenstellen.
Odoo nach der Erstinstallation: Über die Modulverwaltung können Anwender nach Bedarf die gewünschten Module installieren und sich so ihre Arbeitsumgebung zusammenstellen.
Foto: Odoo

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Ein weiteres Problem: Die Abläufe in Unternehmen werden immer komplexer und anspruchsvoller. Damit einher gehen gestiegene Anforderungen an eine Unternehmenslösung. Mit Odoo gibt es ein bislang weniger bekanntes ERP-System, das vieles von dem kann, was man heute in Unternehmen braucht. Neben klassischen ERP-Funktionen bietet die Umgebung CRM, E-Commerce, Content-Management, Projektplanung, Lagerverwaltung, Buchhaltung, Personalmanagement, Portal, Knowledge Base und mehr. Das System stellt auch Module für die Bereiche E-Business, E-Marketing und E-Commerce zur Verfügung. Inzwischen gibt es über 6.700 Module - und täglich werden es mehr. Ende Januar 2016 stehen im Add-on-Verzeichnis mehrere Tausend Erweiterungen zur Verfügung.

Kleine und mittlere Unternehmen können damit alle Bereiche im Unternehmen abbilden, versprechen die Entwickler. Was also ist dran an Odoo?

Die Odoo-Basics

Die Basis von Odoo bildet das einstige OpenERP, das auf einer typischen Three-tier-Architektur basiert. Das Herzstück ist der Applikationsserver, der für die Geschäftslogik verantwortlich ist und den Zugriff auf die Datenbank steuert. Der Odoo-Server integriert einen Web-Layer, der als Bindeglied zwischen dem Applikationsserver und dem Benutzer dient. Die Daten verwaltet Odoo in einem PostgreSQL-Datenbankserver, der für die businessrelevanten Daten und die Systemkonfiguration zuständig ist. Der Zugriff auf das System erfolgt üblicherweise mit einem Webbrowser beziehungsweise mit einem mobilen Client.

Dank dieser Architektur können die verschiedenen Komponenten prinzipiell auf verschiedenen Servern betrieben werden. Der Datenbankserver kann verteilt in einer Cluster-Konfiguration verwendet werden. Per Load Balancer können auch mehrere Odoo-Server genutzt werden, die prinzipiell auch den Einsatz in größeren Umgebungen zuließen. Unter https://www.odoo.com/de_DE/customers/ können Sie sich einen ersten Eindruck verschaffen, wer aktuell bereits mit Odoo arbeitet. Die bekannteste Referenz in Deutschland dürfte Burda Digital System sein, eine Tochter von Burda Medien.

Odoo ist in Python geschrieben

Odoo ist in Python programmiert und bietet eine moderne Weboberfläche, die auf HTML 5.0 und JavaScript setzt. Für Unternehmen, die Anpassungen der Umgebungen benötigen und bestehende Daten in das System integrieren wollen, ist der ORM-Layer ein wichtiges Element, da er für Anwender Zugriffe auf PostgreSQL vereinfacht und die Entwicklung eigener Module erlaubt. Odoo verfügt außerdem über eine Workflow-Engine, mit der Unternehmen neue Geschäftsprozesse modellieren und implementieren können.

Odoo-Versionen im Vergleich

Odoo-Versionen im Vergleich

Seit Odoo 9.0 ist die Unternehmenslösung in zwei Versionen verfügbar: Community und Enterprise Edition. Beide können auf eigenen Servern oder bei einem Hosting-Partner ausgeführt werden. Die Enterprise Edition ist mit einem Wartungsvertrag verknüpft, der neben Support verschiedene Zusatzfunktionen beinhaltet. So bietet beispielsweise die Buchhaltung ein erweitertes Mahnwesen und die Projektmanagement-App Gantt Charts. Die interessantesten Zusatzfunktionen bieten die CRM- und Verkaufsmodule. Sie integrieren VoIP-Telefonie, beinhalten ein Kundenportal und unterstützen Abonnements und digitale Produkte. Einen detaillierten Vergleich finden Sie auf der Projekt-Website.

Für die ersten Gehversuche mit Odoo stellen die Entwickler fertige Installationspakete für Linux und Windows-Plattformen zur Verfügung. Unter Windows steht Ihnen ein komfortabler Setup-Assistent zur Verfügung, der etwa durch die Datenbankkonfiguration führt. Der Zugriff auf das Web-Interface erfolgt bei einer lokalen Installation über diese URL: http://localhost:8069

Wenn Sie später Änderungen der Konfiguration vornehmen wollen, bearbeiten Sie hierfür die Server-Konfigurationsdatei. Die finden Sie unter Windows üblicherweise in dem Verzeichnis C:\Program Files\Odoo 9.0-x\server\openerp-server.conf und unter Linux hier: /etc/odoo/openerp-server.conf

Für die ersten Gehversuche sind keine Änderungen an dieser Basiskonfiguration erforderlich. Nach der Installation müssen Sie eine Datenbank für Odoo und das Passwort für den Administrator anlegen. Außerdem bestimmen Sie die Sprachvariante. Odoo ist nahezu vollständig mit einer deutschsprachigen Benutzerschnittstelle verfügbar. Sie können außerdem Beispieldaten laden.