DSAG-Vorstand Karl Liebstückel

"Es sind die kleinen Dinge, die im Tagesgeschäft stören"

Martin Bayer
Spezialgebiet Business-Software: Business Intelligence, Big Data, CRM, ECM und ERP; mitverantwortlich für die Entwicklung von Themenschwerpunkten; Betreuung von News und Titel-Strecken in der Print-Ausgabe der COMPUTERWOCHE.
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Über Kritik und Hoffnungen in der Zusammenarbeit mit SAP berichtet Karl Liebstückel, Vorstand der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) mit CIO-Redakteurin Riem Sarsam und CW-Redakteur Martin Bayer.

CW: SAP will künftig kleinere Erweiterungspakete herausbringen. Was macht Sie so sicher, dass dieser Weg reibungsloser abläuft als die Modelle aus der Vergangenheit?

"SAP wird an dieser Stelle an der internen Organisation etwas verändern müssen."
"SAP wird an dieser Stelle an der internen Organisation etwas verändern müssen."

LIEBSTÜCKEL: Es läuft deswegen anders, weil es nicht mehr an die Entwicklungszyklen gekoppelt ist - das ist der gravierende Unterschied. In der Vergangenheit haben die Anwender teilweise extrem lang auf Erweiterungen warten müssen. Bei einem neuen Button hat es beispielsweise sechs Jahre gedauert, bis er in der Software verfügbar war. Solche Kleinigkeiten hat SAP aus der klassischen Entwicklung von Prozessen und Funktionen herausgenommen und liefert sie künftig viel schneller aus. Die Entwicklungsschiene mit den SAP Enhancement Packages ist dagegen ganz klar festgelegt: Diese großen Erweiterungspakete kommen im Durchschnitt einmal pro Jahr heraus. Momentan dauert es sogar länger, weil es zu Verzögerungen kommt. In der Vergangenheit waren auch die kleineren Abrundungen daran gebunden. Es gab nur einen Termin im Jahr, zu dem diese Dinge entwickelt und für die Kunden freigegeben wurden. Jetzt arbeitet SAP permanent an diesen Themen - das ist das Neue. Wenn die Änderungen fertig sind, werden sie sofort frei gegeben und ausgeliefert.

CW: Das bedeutet aber doch auch, dass sich SAP intern mit seiner Entwicklung neu aufstellen muss?

LIEBSTÜCKEL: Das stimmt. SAP wird an dieser Stelle an der internen Organisation etwas verändern müssen. Wie das aussehen soll und wie sie sich an dieser Stelle am besten aufstellen, muss sich SAP überlegen. Es ist aber zugesagt, dass Geschwindigkeit und Frequenz deutlich zunehmen werden. Jedes Mal, wenn ein Punkt bearbeitet ist, soll dieser als Release-Note ausgeliefert werden.

CW: Was bedeutet Release Note?

LIEBSTÜCKEL: Release Notes werden normalerweise dazu verwendet, um Fehlerkorrekturen auszuliefern. Man denkt jetzt offenbar darüber nach, auch kleinere Erweiterungen als Release Notes auszuliefern.

CW: Was muss man sich unter diesen Erweiterungen vorstellen? Sind das hauptsächlich kleinere kosmetische Veränderungen im User Interface oder geht es auch um funktionale Erweiterungen?

LIEBSTÜCKEL: Das ist genau der Punkt, den man im Einzelfall wird klären müssen. Erfordert die Änderung so viele Entwicklungsressourcen, dass sich dies nur im Zuge eines richtigen Entwicklungszyklus realisieren lässt, oder ist es ein Aspekt, der nur wenig Entwicklungsaufwand erfordert?

CW: Wie sieht die Rolle der DSAG in diesem Dialog aus?

LIEBSTÜCKEL: Wir haben unsere Prioritätenliste. SAP schaut sich die an und gibt eine Schätzung ab, wie viel Entwicklungsaufwand jeweils dahinter steckt. Damit fällt im Prinzip schon die Entscheidung, ob die Angelegenheit im Rahmen des "Continuous Improvement" bearbeitet werden kann oder ob sich der Punkt nur im größeren Entwicklungsrahmen der SAP Enhancement Packages umsetzen lässt.

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