DSAG-Vorstand Karl Liebstückel

"Es sind die kleinen Dinge, die im Tagesgeschäft stören"

Martin Bayer
Spezialgebiet Business-Software: Business Intelligence, Big Data, CRM, ECM und ERP; mitverantwortlich für die Entwicklung von Themenschwerpunkten; Betreuung von News und Titel-Strecken in der Print-Ausgabe der COMPUTERWOCHE.
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Preismodelle - den Finger in die Wunde legen

CW: Auch bei den Preismodellen klagen die Nutzer über eine hohe Komplexität. Wie weit sind Sie da?

"Die großen Unternehmen haben ihre eigene Infrastruktur. Prozesse auszulagern, darüber machen sich die wenigsten CIOs Gedanken."
"Die großen Unternehmen haben ihre eigene Infrastruktur. Prozesse auszulagern, darüber machen sich die wenigsten CIOs Gedanken."
Foto: DSAG

LIEBSTÜCKEL: Nicht weit. Wir können nicht anders, als den Finger immer wieder in die Wunde legen, Verbesserungen immer wieder einzufordern. Getan hat sich bis dato allerdings wenig. Bei SAP gibt es jedes Jahr eine neue Preisliste. Wir von der DSAG sind jetzt daran gegangen und haben eine Deltaliste erstellt, um zumindest etwas Transparenz zu schaffen.

CW: Warum geht es hier nicht weiter?

LIEBSTÜCKEL: Die Frage muss die SAP beantworten. Wir können nur immer wieder Verbesserungen anmahnen.

CW: Sie fordern auch, die Lizenzierung flexibler zu gestalten - wie kann das funktionieren?

LIEBSTÜCKEL: Wie die Modalitäten genau aussehen, hängt von den Verhandlungen zwischen SAP und den einzelnen Firmen ab. Die Verträge sind ja individuell. Aber man könnte sich Modelle mit Gutschriften vorstellen, wenn Anwender nicht genutzte Lizenzen zurückgeben. Außerdem wäre den Kunden schon sehr geholfen, wenn sie Lizenzen stilllegen könnten. Dann müssten sie zumindest keine Wartung für die Lizenzen zahlen, die sie gar nicht nutzen.

CW: Könnte Cloud Computing an dieser Stelle für eine Vereinfachung sorgen?

LIEBSTÜCKEL: Unter den Kunden setzen sich zwar einige mit den Möglichkeiten ein Stück weit auseinander. Aber in der betrieblichen Realität spielt die Cloud kaum eine Rolle. Die großen Unternehmen haben ihre eigene Infrastruktur. Prozesse auszulagern, darüber machen sich die wenigsten CIOs Gedanken. Themen wie Cloud Computing und In-memory stehen in der Prioritätenliste der Unternehmen ziemlich weit unten.

CW: SAP hängt das Thema In-memory derzeit sehr hoch. Gehen diese Visionen dann komplett am Anwender vorbei?

LIEBSTÜCKEL: Ich würde nicht sagen, dass es am Anwender vorbei geht. Wir warten ab, bis es technisch so weit ausgereift ist, dass wir sehen und testen können, was es in der Praxis bringt. Aber im Moment ist es kein Thema. Wenn ich mir die verteilten heterogenen Infrastrukturen ansehe, dann passt hier In-memory noch nicht so recht hinein. Gerade wenn wir über Prozesse sprechen, die über mehrere Systeme laufen. Aus unserer Sicht ist das Thema noch nicht so weit, dass wir das in Arbeitsgruppen oder Arbeitskreisen diskutieren müssten, um Verbesserungen herauszuarbeiten. Bisher hören wir nur die Versprechungen von Seiten der SAP.

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