SAP-Belegschaft

Ende der Doppelspitze weckt Unbehagen

22.07.2013

Was sagen die Kunden?

Im Mai hatte SAP die Leitung seiner Kommunikationsabteilung ins kalifornische Palo Alto verlegt. Dort sind bereits wichtige Entwicklungsbereiche angesiedelt. Und Aufsichtsratschef Plattner wird nicht müde, die Vorzüge des Silicon Valley zu loben. "Deren Wille, zu gewinnen, ist enorm - höher als in Deutschland", sagte er jüngst im Interview mit der "Wirtschaftswoche".

"Die Umwandlung in die SE macht es einfacher, den Firmensitz zu verlagern", sagt Betriebsratschef Kohl. 2014 soll SAP in eine europäische Aktiengesellschaft (SE) umgewandelt werden, wenn die Aktionäre zustimmen. Ein SAP-Sprecher beschwichtigt: "Es gibt keinerlei Überlegungen den Unternehmenssitz zu verlagern."

In der Branche fragt man sich auch, wie die Kunden reagieren werden. Snabe hatte einen guten Ruf bei den europäischen Firmen, sagt ein SAP-Kenner, der auch mit Kunden zusammenarbeitet. McDermotts "amerikanische" Art komme dagegen gar nicht so gut an.

Die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe (DSAG) will sich nicht zu der Personalie äußern. Snabe kam indes bei den deutschen SAP-Kunden gut an. Nachdem sein Vorgänger Leo Apotheker die Firmen mit höheren Preisen verschreckt hatte, erntete er bei einem Treffen der SAP-Kunden 2011 Applaus.

Wer diese Rolle einnehmen soll, ist offen. Technikvorstand Vishal Sikka gilt bei Analysten als neuer zweiter Mann des Softwarekonzerns, nachdem er im Mai nach dem Weggang von Cloud-Chef Lars Dalgaard alle Innovationsbereiche zugeschlagen bekam. Doch Sikka spricht noch weniger Deutsch als McDermott. Den Kontakt zu Kunden pflegt eher der 60-jährige Gerhard Oswald, dessen Kompetenzen im Mai ebenfalls noch einmal erweitert wurden. Doch Oswald, heißt es bei SAP, spreche in der Regel lieber deutsch als englisch. Eine ungünstige Konstellation in einem global agierenden Konzern.

Obwohl Doppelspitzen - aus einem Techniker und einem Vertriebsexperten - bei SAP Tradition haben, wird McDermott nun vorerst allein herrschen. Der Amerikaner lobte die Zusammenarbeit mit seinem "Freund und Partner" Jim Hagemann Snabe stets in den höchsten Tönen. Dem Magazin "Capital" hatte der SAP-Co-Chef aber einmal gesagt: Wäre er früher gefragt worden, mit jemandem zusammen Chef zu werden, hätte er erwidert: "Was ist die Pointe?" (dpa/mb)