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Die Mär vom innovativen Outsourcing

21.12.2006
Das hart umkämpfte Auslagerungsgeschäft lässt wenig Raum für Neuerungen im Betrieb.
Karsten Leclerque, PAC: ""Angesichts dieses immensen Wettbewerbsdrucks bleibt nicht viel Raum für die viel gepriesene Innovationspartnerschaft."
Karsten Leclerque, PAC: ""Angesichts dieses immensen Wettbewerbsdrucks bleibt nicht viel Raum für die viel gepriesene Innovationspartnerschaft."

Symptomatisch für die Veränderungen im deutschen Outsourcing-Markt sind die vergeblichen Bemühungen der Hypovereinsbank, ihr Rechenzentrum auszulagern. Zu hohe Erwartungen und mangelndes Commitment in Form einer kurzen Vertragslaufzeit gegenüber einem potenziellen Provider haben dazu geführt, das die Anbieter reihenweise abgewunken haben: "Die Provider sind nicht mehr bereit, jeden Preis für die Übernahme zu bezahlen", erläutert Karsten Leclerque, Berater bei Pierre Audoin Consultants (PAC). Der Finandienstleister wird daher den Rechenzentrumsbetrieb in die Zentrale der Muttergesellschaft, die Unicredit in Italien, verlagern. Lediglich die Betreuung der Kreditanwendungen und Teile der Wertpapierabwicklung werden nun extern erbracht. Ersteren Service liefert IBM, das Wertpapiergeschäft wickelt die ITS ab, das Joint Venture von T-Systems und Trinkaus & Burkhardt.

Der Trend zum selektiven Outsourcing - von einzelnen Infrastrukturkomponenten bis hin zu Geschäftsprozessen - lässt die Volumina einzelner Verträge sinken. Durch die "Best-of-Breed"-Vergabe von Leistungen an unter-schiedliche Anbieter steigen zudem die Herausforderungen an das Schnittstellen-Management zwischen den einzelnen Leistungserbringern. Zusätzlich werden die Laufzeiten der Verträge kürzer. "Das ergibt ein schwieriges Umfeld für klassische Outsourcing-Finanzmodelle, die das Erreichen der Profitabilitätszone teilweise erst nach Jahren vorsehen", schildert Leclerque die Folgen der Entwicklung.

In einem derartigen Umfeld tun sich vor allem die "Platzhirsche" schwer. Weder IBM noch CSC oder EDS haben laut PAC-Zählung 2005 mehr als fünf Prozent Wachstum im deutschen Outsourcing-Markt erzielt. Das Gleiche gilt für T-Systems, wenn man den positiven Effekt der Integration von Teilen der T-Com ausklammert. Zwei- und zum Teil sogar dreistellige Wachstumszahlen verzeichneten allenfalls die ambitionierten Herausforderer, allen voran Atos Origin gefolgt von Accenture, Hewlett-Packard und Computacenter. Auch Siemens Business Services konnte im konzernunabhängigen Markt noch zweistellig zulegen. Damit ist das Feld auch für alternative Anbieter bestellt, erste Akzente haben 2006 etwa die indischen Anbieter Sonatas und Tata Consultancy Services (TCS) gesetzt. Sonata hat die Mehrheit an der TUI-Tochter Infotec erworben. TCS folgte mit der mehrheitlichen Beteiligung an der Schweizer TKS-Teknosoft.

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