Sven Lorenz, Porsche

Die IT atmet im Standard

Vice President Software & SaaS Markets PAC Germany
Porsche unterwirft die IT den Spielregeln der Autoindustrie: Ein möglichst standardisiertes Vorgehen ist gepaart mit enger Einbindung von Zulieferern. IT-Leiter Sven Lorenz sorgt dafür, das seine DV atmet und so Bedarfsschwankungen ausgleicht.

"Die IT muss manchmal Spielverderber sein", beschreibt Sven Lorenz sein Verhältnis gegenüber allzu individuellen Wünschen für die Ausstattung der Prozesslandschaft im Hause Porsche. Der Leiter Informationssysteme beim Fahrzeugbauer aus Zuffenhausen bei Stuttgart meint damit, Standardisierungsbemühungen und Infrastrukturentscheidungen auch mal durchzusetzen, wenn nicht alle Beteiligten damit einverstanden sind.

Erfolgsbausteine

  • Fahrzeuglogistik mit hoher Prozessintegration in der internen Lieferkette (Planung, Auftrags- und Ressourcen-Management);

  • Ersatzteillogistik mittels integriertem System für Auftragsabwicklung, Bestandsführung, Planung und Disposition;

  • CAD-Konstruktion mit enger Kopplung der Produktstruktur-, Lage- und Geometriedaten.

Standardisierung bedeutet für den IT-Manager jedoch nicht, auf Individualität ganz zu verzichten. Denn dort, wo sich Porsche mittels IT von anderen Autoherstellern differenzieren kann, ist durchaus Raum für Eigenentwicklungen, und der wird auch genutzt. Beispielsweise setzt das bislang größte IT-Projekt "Porsche Integriertes Auftrags- und Ressourcen-Management" (PIA) zwar unter anderem auf dem Standardprodukt " SAP Supply Chain Management" auf, wurde aber durch selbst entwickelte Erweiterungen ergänzt. Standardmäßig gestattet das Modul "Reservation Planning" etwa, einen Kundenauftrag in das Auftragsbuch einzubuchen und nach Prüfung aller erforderlichen Kapazitäten und Ressourcen dem Kunden sofort den Fertigstellungstermin zu nennen. Damit dies aber anhand einstellbarer Kriterien in optimierter Weise erfolgt, wurde das SAP-Standardmodul durch individuelle Erweiterungen ergänzt.

Vom Hersteller zum Anwender

Darüber hinaus macht PIA die Auftragskette vom Händler über den Importeur bis zu Porsche transparent. Um Porsche-Käufern die Möglichkeit zu geben, die Ausstattung ihres Neuwagens auch sehr spät im Prozess noch zu ändern, gestattet es das Auftrags-Management-System, bestimmte Merkmale noch bis kurz vor Produktionsbeginn zu modifizieren, wenn die Fahrzeugproduktion bereits angelaufen ist. PIA löste eine Reihe von Systemen ab, die mit dem wachsenden Fahrzeugverkauf sowie der erforderlichen Flexibilität nicht mehr Schritt halten konnten.

IT-Lenker in einem Unternehmen zu sein, dessen Kernkompetenz der Bau von Premiumfahrzeugen ist, gestaltet sich nicht immer einfach. Neuland war dies für Lorenz schon deshalb, weil er, bevor er vor fast fünf Jahren beim Sportwagenhersteller anheuerte, jahrelang Positionen auf der Anbieterseite (IBM und A.T. Kearney) bekleidet hatte und somit an Informationsverarbeitung ganz anders heranging als die Nutzer. "Es kommt darauf an, den strategischen Zweck der IT klar zu machen, und zwar nicht nur einmal, sondern dauernd", lautet Lorenz´ Motto inzwischen. Ein offenes Ohr bei den Fachbereichen haben Lorenz und sein Team gefunden, weil sie bei IT-Projekten ähnlich vorgehen, wie es Autofirmen während der Entwicklung neuer Fahrzeuge tun. Wie beim Entwurf eines neuen Sportwagens stimmen sich auch bei neuen IT-Vorhaben alle Beteiligten - also IT- und Fachbereiche - untereinander ab und binden ihre Zulieferer (in diesem Fall die IT-Dienstleister) frühzeitig ein. Lorenz betrachtet die IT innerhalb des Unternehmens als Angebotsseite, während die Fachbereiche die Rolle des Bedarfsträgers einnehmen.

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